Nach der letzten, spannungs-geladenen Folge von „The Walking Dead“ ging es dieses Mal in „Still“ (deutscher Titel „Alkohol“) wesentlich ruhiger zu.

Seelen-Striptease von Beth und Daryl

In der gestrigen Folge „The Walking Dead“ drehte sich die Handlung ausschließlich um Beth und Daryl. Dabei wurde die Handlung auf ein Minimum reduziert, um Platz für Figuren-Entwicklung zu schaffen.

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Beth ist auf einer speziellen Mission unterwegs: Sie braucht einen Drink!

„Still“ beginnt mit einem wortlosen Intro, dass Beth und Daryl zeigt, wie sie aus dem Wald zu einem Autowrack kommen. Noch bevor sie nach brauchbaren Dingen suchen können, hören sie die Walker bereits kommen. Daraufhin verschanzen sie sich im Kofferraum des Wagens und verbringen dort die Nacht. Am nächsten Morgen verlassen sie ihr Versteck und kehren mit nützlichen Utensilien in den Wald zurück. Während Daryl äußerst unbeteiligt und noch wortkarger ist als sonst, macht sich bei Beth Unruhe breit. Sie ist nicht länger gewillt im Wald-Camp zu verharren, sondern ist fest entschlossen, ihren ersten Drink zu sich zu nehmen – doch dazu musst sie den Alkohol erst einmal finden. Daryl hält nichts von dieser Idee, aber begleitet sie am Ende doch auf ihrer ‚Fusel-Mission‘.

Bald kommen sie zu einem Golfplatz. Sie betreten schnell das Klubhaus, da bereits eine Zombie-Horde im Anmarsch ist. Sie erkunden den großen Country Club: Ein Ankleidungs-Geschäft sorgt bei Beth für kurze Freude. Durch das Klingeln einer alten Standuhr werden einige Walker angelockt. Daryl schnappt sich einen Golfschläger und verliert völlig die Beherrschung. Er lässt seinen ganzen Zorn und seine Aggressivität an den Zombies auf unnötig brutale Weise aus. Diese Szene zeigt nicht einfach den Überlebenskampf, sondern vor allem die extreme Wut, die Daryl beschäftigt.

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Beth wird zur Trösterin: Daryls Tränen-Ausbruch.

In der Bar des Klubs angekommen findet Beth lediglich eine Flasche Pfirsichschnaps. Sie zögert eine ganze Weile ihn zu trinken und bricht schließlich in Tränen aus. Das ist vermutlich darin begründet, dass sie an ihren verstorbenen Vater gedacht hat, der Alkoholiker und deshalb auch der Grund dafür war, dass Beth noch nie getrunken hat. Daryl nimmt ihr die Entscheidung ab, indem er die Flasche auf dem Boden zerbricht, da Pfirsichschnaps ihm zufolge nicht ihr erstes alkoholisches Getränk sein sollte.

Daryl bringt Beth zu einer Hütte, die er einmal mit Michonne entdeckt hat. Dort befindet sich jede Menge selbstgebrannter Schnaps. Beth beginnt den Schnaps zu trinken, während Daryl lieber nüchtern bleiben will, um Wache zu halten. Irgendwann beschließen sie allerdings, in der Hütte eine Nacht zu bleiben und Daryl nimmt auch einen Drink zu sich. Die beiden spielen ein  „Have you ever“-Trinkspiel. Doch es bleibt kein harmloses Spiel, als Beth fragt, ob Daryl schon einmal im Gefängnis war. Daryl rastet aufgrund dieser Frage aus und fängt an herum zu schreien. Das wiederum zieht einen Walker an, der versucht ins Haus zu gelangen. Daryl zerrt Beth nach draußen und benutzt den Walker als bewegliche Zielscheibe, da er mehrmals auf ihn schießt. Beth kann dies nicht gut heißen, da es ihrer Meinung nach keinen Spaß machen sollte, Zombies zu töten. Sie konfrontiert Daryl mit seiner Egal-Haltung und kritisiert seine Distanz zu anderen Menschen. Daraufhin versucht er sich verbal zu wehren, und fängt schließlich an zu weinen. In der nächsten Szene sitzen die beiden nachts auf der Veranda und unterhalten sich, wobei ein paar Geheimnisse gelüftet und Charakterzüge offengelegt werden. Zum Beispiel, dass Daryl Vater eine ähnliche Hütte besaß. Die beiden beschließen die Hütte niederzubrennen, um metaphorisch alte Dinge und Probleme hinter sich zu lassen.

Fazit:

„Still“ ist wirklich eine schöne Folge mit starken Hauptdarstellern und Szenen. Die Handlung steht im Prinzip still, während der Fokus nur auf den zwei Figuren und ihrem Gemütszustand liegt. Der Zuschauer wird vor allem mit den Gefühlen der beiden Charaktere konfontiert. Die Eröffungsszene, bei der sich Daryl und Beth im Kofferraum befinden, ist äußerst wirkungsvoll: Der Zuschauer sieht nur das Innere des Kofferraums, befindet sich gefühlt also die ganze Zeit im gleichen Raum wie die Figuren und hört die Walker nur. Das ist ein schöner Effekt, der mehr ängstlichen Eindruck hinterlässt, als eine Zombie-Herde einfach zu sehen.

Als Beth Daryl auf seine vermeintlich harte Schale anspricht und ihm vorwirft, dass ihn das Sterben der Gruppenmitglieder gleichgültig sei, entgegnet er ihr, dass sie immerhin zwei feste Freunde hatte die gestorben sind und sie deshalb nicht eine Träne vergossen hat. Außerdem erinnert er sie an ihren Selbstmordversuch, der seiner Meinung nach nur Aufmerksamkeit bezweckte. Zu guter letzt äußert er noch seine erheblich Zweifel darüber die restlichen Überlebenden wiederzusehen. Er redet sich selbst in Rage und ziemlich schnell wird Beth und dem Zuschauer bewusst, dass ihm das Ableben von einstigen Verbündeten nicht egal ist, sondern er sich deshalb Vorwürfe macht, insbesondere was Hershel angeht. Beth ist davon offensichtlich mitgenommen und tröstet Daryl während seines Gefühls-Ausbruchs.

Bei dem Veranda-Gespräch kommt heraus, dass Daryl vor dem Ausbruch der Zombie-Seuche ein Niemand war. Er ist nur seinem Bruder Merle gefolgt und hat getan was der ihm sagte. Erst seit der Seuche und dem Verbünden mit Rick und den Anderen scheint er seinen Platz und eine Aufgabe gefunden zu haben. Beth erzählt, dass sie davon träumt, Nichten oder Neffen zu haben, dass ihr Vater in vielen Jahren erst friedlich an Altersschwäche stirbt und dass die ganze Gruppe Geburtstage, Feiertage und Picknicke zusammen feiert. Sie sieht ein, wie unmöglich und töricht es ist an so etwas zu glauben und hält eine Rede darauf das Vergangene ruhen zu lassen. So kommt sie auf die Idee die Hütte, die der von Daryls Vater glich, in Brand zu stecken.

Der Zuschauer ist hin und her gerissen bei dieser Figuren-Kombination: Auf der einen Seite die optimistische Beth, die starke Reden schwingen kann, aber trotzdem zerbrechlich ist. Und auf der anderen Seite der mehr als pessimistische Daryl, der so gut wie niemanden an sich heran lässt, weil er eben doch einen weichen Kern hat. In „Still“ hat Beth es geschafft Daryl zur Äußerung von Emotionen zu kriegen, was der Zuschauer eine ganze Weile nicht mehr von ihm gesehen hat und dementsprechend wieder einmal nötig war. Er wirft Beth während ihres Streit einige fiese Worte an den Kopf, auch durch den Alkohol-Einfluß bedingt, was als weiterer Schutzmechanismus seinerseits anzusehen ist. Eine weitere Komplikation bei der Beth-Daryl-Kombination ist die sexuelle Spannung, die zwischen ihnen herrscht, aber momentan noch relativ unterschwellig bleibt. Ob daraus noch mehr wird ist schwer zu sagen. Immerhin hatte Daryl auch schon ‚knisternde‘ Momente mit Carol oder auch Michonne, die allerdings auch nicht weiter ausgeführt wurden. Eigentlich verwunderlich, da die Fanbase von Daryl bzw. Norman Reedus ein Love-Interest des Rednecks sicher begrüßen würden.

Wie fandet Ihr die Folge? Zu viele Emotionen und zu wenig Action oder habt Ihr Gefallen daran gefunden?