house of cardsEndlich startet die US-amerikanische Webserie „House of Cards“ im deutschen Free-TV. In dem Politkrimi spielt Kevin Spacey den demokratischen Kongressabgeordneten Francis J. Underwood, und stellt unter Beweis, dass Politik durchaus interessant sein kann. 

Der November wird fies: Auf Sat 1 und Pro Sieben Maxx startet im dunklen Monat eine Serie ganz eigener Art. Francis J. Underwood, oder kurz Frank, ist ein von Ehrgeiz getriebener Demokrat, und steht im Zentrum der Serie. Er, oder besser gesagt Kevin Spacey machen die Serie zu dem was sie ist. Ein Pflichtprogramm für alle Liebhaber guter Fernseh-Unterhaltung.

"House of Cards" - Unsere TV-Empfehlung

Die Frau an seiner Seite: Claire Underwood. Gespielt von Robin Wright.

Moral? Nie davon gehört. Empathie? Ebenfalls ein Fremdwort. Frank will nur eins: Macht. Und wie kommt man an Macht? In dem man andere für seine Zwecke die Drecksarbeit machen lässt. Frank ist Meister in dieser Disziplin, und spinnt eine politische Intrige nach der Nächsten. Doch welche Art von Macht strebt Frank eigentlich an? Schließlich ist er doch schon Abgeordneter im Kongress, hat ein großes Haus in Washington D.C. und ist mit einer erfolgreichen Frau, Claire Underwood, verheiratet. Claire Underwood, die Frau an der Seite Francis Underwoods ist Chefin einer nicht Profitorientierten Umwelt Organisation. Auf der anderen Seite ist sie aber eine knallharte Lobbyisten, für die alle Mittel recht sind, um an ihr Ziel zu kommen.

Doch für einen Mann wie Frank ist dies nicht gut genug. Er will Außenminister der Vereinigten Staaten werden. Dieser Posten wird ihm auch vom amtierenden Präsidenten Garret Walker zugesichert. Doch als ihm plötzlich das Amt verwehrt wird, schwört Frank Rache. Ab diesem Zeitpunkt wird er alle Hebel in Bewegung setzen, um das zu kriegen was er will.

Underwoods Ouvertüre

Alles beginnt mit einem Genickbruch: Ein angefahrener Hund liegt im Sterben und Frank löst dieses Problem auf seine Weise. Hätte er ihn schmerzloser erlösen können? Vielleicht, doch das ist nichts Franks Art. Es hätte zu lange gedauert, und das mag er nicht. So ein Moment verlangt einen Menschen der handelt und Frank ist diese Art Mensch. Genauso wie Frank dem Hund das Genick gebrochen hat, bricht „House of Cards“ die Regeln der Unterhaltungsindustrie. Denn das Besondere an „House of Cards“ ist, wie die Serie produziert wurde. Kein großes Hollywood-Studio steht hinter dieser qualitativ hochwertigen Serie, sondern das US-Streamingportal Netflix hat hier seine Finger im Spiel.

"House of Cards" - Unsere TV-Empfehlung

Peter Russo. Die erste Schachfigur von Frank.

Und es ist keine Billigproduktion: Die stolze Summe von 100 Millionen US-Dollar wurden für zwei Staffeln à 13 Folgen aufgebracht. Danach sollte eigentlich Schluss mit „House of Cards“ sein. Das Kartenhaus sollte gewissermaßen in sich zusammenfallen, doch die Fans wollen mehr. Mehr von Frank Underwood und seinen Gedankenspielen, mehr von seinen Manipulationen. Frank instrumentalisiert Menschen für sich. Eines seiner armen Opfer ist Peter Russo, denn dieser ist genauso wie Frank es sich wünscht: jung, erfolgreich und beeinflussbar. Der Abgeordnete aus Pennsylvania wird zur ersten Figur auf dem Schachbrett Franks. Wenn der weiße König das Amt des Außenministers ist, dann wäre Russo wohl ein schwarzer Läufer. Dynamisch, aber mit Bedacht kann man ihn opfern. Durch seinen Hang für leichte Mädchen und Kokain sind auch schnell Mittel gefunden, die Frank für sich nutzen kann.

Es steht mit Netflix ein neuer Global Player auf dem Markt, und der wird die Industrie auch die nächsten Jahre gehörig auf den Kopf stellen. Die Serien von Streamingportalen laufen nicht im Fernsehen, sie sind einzig allein über diesen spezifischen Dienst zu empfangen. Sei es über die Heimkonsole, oder den Computer. Deutsche Zuschauer können aber aufatmen, denn bis dieses Konzept hier Fuß fassen kann, vergehen noch einige Jahre.

 

Barnesche Symphonie

"House of Cards" - Unsere TV-Empfehlung

Zoe Barnes. Gespielt von Kate Mara.

Frank weiß aber nicht nur gut mit seinen Kollegen umzugehen, auch die Öffentlichkeitsarbeit liegt ihm. Als der Washington Herald ihm in Form der jungen Reporterin Zoe Barnes  auf den Fersen ist, gibt er ihr, was sie will: eine Story. Natürlich wirkt sich die Zeitungsgeschichte nur positiv auf seine Karriere aus. Negative Nebenwirkungen sind bei Schachzügen von Frank auszuschließen. Es ist einfach herrlich anzusehen, wie es  eine Person schafft, den gesamten Kongress und die Presse für sich arbeiten zu lassen. Eigentlich sollten wir Ekel vor so einen Menschen empfinden, angewidert sein von so einem verdorbenen Charakter, doch wir sind es nicht. Werden es auch nicht sein, denn Frank hat etwas sehr sympathisches an sich. Seine Frau Claire, die nicht gerade ein Mauerblümchen ist, vervollständigt das Bild der Underwoods. Ein Bild, das mit dem Blut anderer gemalt ist, und dennoch im Louvre der Öffentlichkeit bejubelt wird.

Russos Finale

Wenn Frank durch die Flure des Weißen Hauses in Richtung seines Büros schreitet, und mit einem hämischen Lächeln dem Zuschauer in einem seiner vielen Monologe erläutert, warum er genau das tut, was er tut, dann verspüren wir ein Gefühl der Freude. Wir selbst fangen unbewusst an zu grinsen. Und das Schlimmste daran ist, dass wir ihm alles aufs Wort glauben. Frank hat nicht nur diese überzeugende Wirkung auf seine Mitmenschen, auch der Zuschauer wird in seinen Bann gerissen. Und das ist gut so, ansonsten würde das gesamte Konzept der Serie nicht funktionieren. Denn die Institution Francis J. Underwood  ist die treibende Schachfigur, der schwarze König. Er scharrt seine Bauern um sich, hat seine Königen Claire an seiner Seite, und baut so ein Kartenhaus. Wenn auch nur eine Person herausfindet, auf welchem Fundament dieses Haus gebaut ist, würde es sofort in sich zusammenbrechen. Denn das einzige was Frank nutzt, um seine Ziele umzusetzen, ist sein Verstand gepaart mit starker Rhetorik. Es ist genial, und es gibt keine andere Möglichkeit, als es zu lieben.

"House of Cards" - Unsere TV-Empfehlung

Die Schlüsselfigur: Francis „Frank“ J. Underwood.

Und obgleich andere sich zur Wehr setzen, sie können seinen Fängen, gewebt aus Blut, Intrigen und Hinterhältigkeit, nicht entkommen. Und dieses Schicksal blüht nicht nur Peter Russo und Zoe Barnes: Auch der mutige Zuschauer, der sich vor den Bildschirm setzen wird, wird nicht mehr von ihr los kommen. Das Kartenhaus des Francis J. Underwood ist eine von Anfang bis Ende brillant durchdachte Serie. Geniale Dialoge, starke Charaktere und ein hervorragend spielender Kevin Spacey machen „House of Cards“ zu einer wertvollen Bereicherung der mageren deutschen Fernsehlandschaft.

„House of Cards“ läuft ab dem 6.November jeden Mittwoch auf ProSiebenMaxx um 22:10 im Original mit Untertitel, und ab dem 10. November jeden Sonntag um 23:15 in einer synchronisierten Fassung auf Sat.1