..wir woll’n, dass er seinen Job verliert!“ So sangen einst Fettes Brot und Bela B. in „Tanzverbot“ gegen Richter Gnadenlos. Doch Ronald Schills Zeiten als antidemokratisches Schreckgespenst sind längst vorbei – heute macht der Hardcore-Senator lieber einen auf Nacktmull. Sein Auftritt in „Promi Big Brother“ ist der verzweifelte Kampf eines gealterten Wannabe-Womanizers gegen das Vergessenwerden.

Alle drehen sich weg. Zum Glück konnten wir Schills schlimmste Danger Zones mit Balken versehen.

Alle drehen sich demonstrativ weg. Zum Glück konnten wir Schills schlimmste Danger Zones mit kleinen Balken versehen. [Foto: Sat.1]

Hamburg, über zehn Jahre vorPromi Big Brother: Was war es für ein Leben! Nach außen Richter Gnadenlos, schneidiger Innensenator der Stadt Hamburg – inklusive Dienstwumme. Nach innen heimlich Koksnase, natürlich mächtigster Mann der Stadt und größter Liebhaber aller Frauen. Zumindest behauptet Ronald Schill das von sich selbst. Er, der Nachfahre eines preußischen Kavallerieoffiziers, durfte machen was er wollte. Und Schill hatte noch so viel vor: Eltern von straffälligen Kindern mitbestrafen, Sexualstraftäter kastrieren, die D-Mark retten und Frauen, die sein Auto zerkratzen, ins Gefängnis werfen. Plus natürlich viel mehr Polizei aufstellen, die Bauwagensiedlungen räumen und dem Gesocks Respekt einprügeln kann.

Dann aber bekam es Ronald Schill selber mit dem Gesetz zu tun: Rechtsbeugung, Erpressungsversuche am Ersten Bürgermeister und schließlich setzte auch noch die eigene Partei den Möchtegern-Don Juan vor die Tür. Schill setzte sich ab: Erst nach Kuba, dann nach Brasilien. Zuletzt lebte er in einem heruntergekommenen Haus in einer der Favelas, den Armutsvierteln Rio de Janeiros. Ein Video taucht auf, das ihn beim Koksen zeigt. Er prahlt damit, wie er damals seinen Drogentest umgangen hat und mit wem aus der „feinen Gesellschaft“ er angeblich alles Affären gehabt hätte. Er, Ronald Schill, der große Liebhaber. Dabei hatte Deutschland ihn schon längst vergessen. Das Skandal-Video war selbst der Bild kaum mehr als ein paar tausend Euro wert. Um seine Richterpension zu retten kam er 2007 nochmal nach Hamburg und machte eine Aussage. Danach war endlich Ruhe.

Zum Verwechseln ähnlich: Ronald Schill (links), Nacktmull (rechts).

Zwei zum Verwechseln ähnlich: Ronald Schill (links), Nacktmull (rechts).  [Foto: Sat.1]

Bei“Promi Big Brother“ auf Sat.1 ist er nun zurück, erhofft sich „ein bisschen Sex“ vor laufenden Kameras und gibt ungeniert den Hinternglotzer und Busengrabscher. Ein Comeback? Glücklicherweise fraglich. Um Politik geht es ihm auch gar nicht mehr. Ronald Schill, der verkannte Frauenkenner, will nicht so richtig auf Touren kommen. Selbst Juradummchen Ela, die es an ihrer Hamburger Fakultät maximal zum Running-Gag unter ihren Kommilitonen gebracht hat, will sich nicht von dem abgehalfterten Ex-Richter betatschen lassen. Dabei wäre er für sie vermutlich ein der wenigen Chancen, das Staatsexamen zu bestehen – durch Beischlaf. Und so gibt der ehemalige Innensenator Hamburgs, damals von fast 20% der Bürger gewählt, bei Promi Big Brother schambefreit den Nacktmull. Es ist das hoffentlich letzte Armutszeugnis des Mannes, der die Doppelmoral so sehr lebte wie kaum ein Zweiter. Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung beim ebenfalls gealterten Teppichluder Janina. Die käme damit vielleicht noch einmal in die Schlagzeilen. Noch einmal fünf Minuten Ruhm. Aber am Ende duscht Schill allein.

Er wollte Hamburg und ganz Deutschland verändern, wie sein preußischer Urahn ein konservativer Rebell sein. Was am Ende bleibt, ist ein gescheiterter Lustmolch jenseits der besten Jahre. Schills geistiges Erbe ist aber auch zehn Jahre nach „Bambule“ noch immer in Hamburg präsent. Heute ist die früher so tolerante Hansestadt Schills polizeistaatlicher Gedankenwelt näher als zu dessen Zeit als Innensenator: Gentrifizierung und Räumungen, eine Polizei die afrikanische Asylanten, Demonstranten und Pressevertreter prügelt. Alles ganz im Sinne von Roland Schill. Auch bei ihm „haben die Neger alle etwas mehr bekommen„. Und mittenmang dabei ein Olaf Scholz, der die Aufhebung von Bürgerrechten durch „Gefahrengebiete“ völlig richtig findet. Ob sich der „Hardcore Senator“ nicht doch am Ende wie ein Sieger fühlen kann?

Verfolgt Ihr Promi Big Brother? Schreibt uns, was Ihr über Richter Gnadenlos denkt!