Pierce Brosnan und Emma Thompson verleihen der britischen Komödie „Wie in alten Zeiten“ den besonderen Charme. IOFP verrät, ob Euch noch mehr erwartet.

Tja, das Leben ist halt kein Ponnyhof.

Tja, das Leben ist halt kein Ponnyhof.

Worum geht’s?

Richard (Pierce Brosnan) ist in seinen besten Jahren, geschieden und neuerdings pleite. Eine Woche bevor er in den Ruhestand gehen will, erfährt er, dass seine Firma dem Anlagebetrüger Vincent (Laurent Lafitte) zum Opfer gefallen und alles ersparte Geld weg ist. Das trifft nicht nur ihn hart, auch die Pension seiner Exfrau Kate (Emma Thompson) ist futsch. Das wollen die beiden nicht so einfach hinnehmen. Gemeinsam mit ihren Nachbarn Jerry (Timothy Spall) und Pen (Celia Imrie) hecken sie einen Plan aus: Sie wollen einen 10 Millionen Dollar Diamanten stehlen. Dieser befindet sich im Besitz von Manon (Louise Bourgoin), der Verlobten von Vincent. Auf ihrer Frankreichreise der besonderen Art zeigen die vier „beinahe Rentner“, dass sie es noch draufhaben – wie in alten Zeiten.

Das harmonische Gespann

Für Regisseur und Drehbuchautor Joel Hopkins („Liebe auf den zweiten Blick“, „Jump Tomorrow“) war klar, dass er erneut mit Emma Thompson („Sinn und Sinnlichkeit“, „Tatsächlich…Liebe“) zusammenarbeiten will. Die beiden konnten 2008 gemeinsam einen internationalen Erfolg mit „Liebe auf den zweiten Blick“ verbuchen. Thompson schlug auch Pierce Brosnan („James Bond 007 – Golden Eye“, „Love is all you need“) als ihren Filmgatten vor. Um diese beiden Personen herum schrieb Hopkins dann das Drehbuch. Der Kern seiner Geschichte sollte ein seit acht Jahren geschiedenes Ehepaar sein, das wieder zueinander finden kann. Auch der amerikanische Produzent Tim Perell („I’m with Lucy“, „Lieber verliebt“) war von Hopkins neuem Projekt begeistert. Perell und Hopkins arbeiten bereits seit zehn Jahren zusammen. Zusätzlich schlossen sich Clément Miserez („Faces in the Crowd“, „The Tall Man“) und Jean-Charles Lévy („Faces in the Crowd“, „The Tall Man“) der Produktion an. Auch Joel Hopkins‘ Ehefrau Nicola Usborne („Liebe auf den zweiten Blick“) gehörte mit zum Produzententeam. Tim Perell merkt an, dass Hopkins Liebhaber der amerikanischen Klassiker der 1940er Jahre ist und er deswegen auch jeden Zynismus aus seinen Filmen lässt. Es mag an einem Menschen sympatisch sein, wenn dieser frei von Zynismus ist. Eine Komödie aber, die versucht ohne Ironie auszukommen, wird schnell langweilig, gerade wenn das Team kaum thematische Varianz zeigt.

Wie in alten Zeiten!

Wie in alten Zeiten!

Hui oder Pfui?

Nett, harmlos und charmant ist der Film allemal. Leider aber wenig einprägsam, geschweige denn, dass er die Gedanken anregen könnte. Hat man aber einen angebrochenen Abend vor sich und die Laune ist eher mies, kann diese Komödie einem sicher 90 Minuten seichte Ablenkung bieten. Dank der Besetzung ist die ein oder andere Szene auch recht witzig. Emma Thompson ist wie immer großartig und Pierce Brosnan passt hervorragend in die Rolle des abgehalfterten Schürzenjägers. Interessanter sind aber die Figuren der Nachbarn Jerry und Pen. Jerry lüftet ganz nebenbei, während die Geschichte so vor sich hinplätschert, einige Geheimnisse über seine Vergangenheit: Er hat dubiose Kontakte zu Waffenhändlern und Diamantenkäufern. Seine Frau zeigt sich bei jeder neuen Enthüllung erstaunt. Jerrys Randoffenbarungen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film und sind kleine Schmunzler wert. Gut getroffen wurde auch der Anlagebtrüger Vincent. Laurent Lafitte lässt den Antagonisten gesichtslos. Das ist keineswegs negativ gemeint. Er lässt die Figur zu einem Synonym werden für all jene, die durch Bankenkrisen profitiert haben und sich auf Kosten anderer bereichern. Joel Hopkins wollte mit seinem Film den kleineren Leuten Gelegenheit bieten, sich an jenen zu rächen, die achtlos mit der Existenz anderer spielen. Natürlich ist die Art, wie sich das Ehepaar Genugtuung verschafft, ziemlich unrealistisch und überdreht. Das sei ihm mal gestattet, es handelt sich ja schließlich um Fiktion.

Ist das neu oder kann das weg?

Erst einmal meint man einen Film zu bekommen, wie man ihn schon x-mal gesehen hat. Zu großen Teilen bleibt das auch so. Es fehlt jeder Überraschungseffekt, denn bereits aus dem Trailer weiß man ganz genau, was einen erwartet. Wenn man sich einen Film nicht anschaut, um Zeuge künstlerischer Ergüsse eines Regisseurs zu werden, sondern um sich anderthalb Stunden einem unterhaltsamen Schmunzeln hinzugeben, dann kann man sich „Wie in alten Zeiten“ ansehen. Die Darsteller setzen die übertriebene Geschichte charmant um und lassen ihn zu einem netten Abendprogramm werden. Ob man dafür unbedingt ins Kino gehen muss oder nicht vielleicht doch die DVD der nächstgelegenen Videothek reicht, sollte jeder für sich entscheiden. Viele der Witze dürften besonders bei einem betagteren Publikum einen kleinen Lacher hinter vorgehaltener Hand entlocken. Doch auch jüngere Zuschauer werden sich vielleicht beim Kichern erwischen. Überwiegend bleibt die Unterhaltung aber seicht und leider manchmal auch etwas amerikanisch. Liebeserklärungen sind generell oft schwere Kost in Filmen und sind nur selten so umgesetzt, dass sensiblen Rezipienten nicht sofort die Schamesröte ins Gesicht steigt. Ganz so schlimm ist es in „Wie in alten Zeiten“ nicht, immerhin halten sich die Briten ja etwas feiner zurück. In einigen wenigen Szenen stolpert der Film aber doch über Kitsch, welcher auch gut hätte vermieden werden können.

Fazit

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist „Wie in alten Zeiten“ durch und durch seichte Unterhaltung. Die Komödie drückt sich um jede Überraschung und der Zuschauer bekommt was er erwartet: Einen Schmunzler für die ganze Familie. Wenn Ihr Euch noch nicht ganz sicher seid, ob Ihr den Film im Kino schauen wollt, dann werft noch einmal einen Blick in den Trailer.