In „I Origins – Im Auge des Ursprungs“ suchen zwei Wissenschaftler im menschlichen Auge nach etwas Höherem. Um dies filmisch umzusetzen werden einige Genres miteinander verknüpft. Dazu gehören Liebesfilm, Drama, aber auch Science-Fiction. Wie sich diese Verflechtung auf die Geschichte des zweiten Films von Mike Cahill ausgewirkt hat, verrät Euch IOFP.

In "I Origins" ist die Handlung vom Auge bestimmt

In „I Origins“ ist die Handlung vom Auge bestimmt

Für Mike Chahill ist „I Origins – Im Auge des Ursprungs“ erst der zweite große Kinofilm nach „Another Earth„. Drei Jahre nach seinem Erstling hat Cahill wieder die Regie und das Drehbuch in die Hände genommen. Zudem hat er nicht nur seine Hauptdarstellerin Brit Marling in sein aktuelles Filmprojekt wieder involviert, sondern auch erneut eine romantische Geschichte mit futuristischen Elementen gepaart. Für seinen neuen Film sind diese Elemente in der Geschichte um einen jungen Wissenschaftler verpackt, der gemeinsam mit seiner Laborpartnerin die Evolution des Auges untersucht.

Licht

Zunächst zu den guten Eigenschaften des Films: Hauptdarsteller Michael Pitt spielt den jungen Wissenschaftler Ian wirklich überzeugend. Schon in seiner Rolle des James ‚Jimmy‘ Darmody in der HBO-Serie „Boardwalk Empire“ war Pitt der Symphatieträger der Zuschauer und nach seinem Ausscheiden in der zweiten Staffel, hat die Serie einen ihrer wichtigsten Charaktere verloren. Auch in seinen bisherigen kleineren Kinorollen, wie bei „Funny Games U.S.“ in dem er einen der sadistischen Jungen spielte, machte auf seine schauspielerische Leistung neugierig und man wollte mehr von diesem Newcomer Hollywoods sehen. In „I Origins“ bestätigt Pitt diesen Eindruck.

Ian lernt auf einer Halloweenparty die maskierte Sofi (Astrid Bergés-Frisbey) kennen und fragt, ob er für seine Untersuchungen ein Foto ihrer Augen machen darf, die aus ihrer Strumpfmaske herausstrahlen. Er darf und nach kurzem Geplänkel verschwinden die beiden schnell zusammen auf einer Toilette. Jedoch bevor es zum Akt kommt springt die immernoch maskierte Sofi auf, flieht und fährt mit dem nächsten Taxi hinfort. Ian kann in den kommenden Tage die Frau nicht vergessen, doch alles was er von ihr hat, ist ein Foto ihrer Augen. Wie das Schicksal so will, treffen sich die beiden in der U-Bahn wieder. Sie sagen erstmal nichts. Sie gibt ihm ein Frucht-Mentos. Er setzt ihr am Bahn-Ausstieg seine Musikkopfhörer auf. Sie geht mit seinen Kopfhörern am Kopf raus und er folgt ihr mit seinem MP3-Player in der Hand nach draußen. Die nächsten Minuten des Films drehen sich um die Liebesgeschichte von Sofi und Ian und sind sehr schön vom Regisseur umgesetzt. Es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie sich die Liebe des Hipster-Pärchens entwickelt und wie sie miteinander umgehen. Die besten Szenen des Films.

Ian (Michael Pitt) und Sofi (Astrid Bergès-Frisbey) merken schnell, dass sie füreinander bestimmt sind (Foto: Jelena Vukotic(Fox Searchlight)

Ian (Michael Pitt) und Sofi (Astrid Bergès-Frisbey) merken schnell, dass sie füreinander bestimmt sind (Foto: Jelena Vukotic/Fox Searchlight)

Schatten

Regisseur Mike Cahill hat in dem Film eine ordentliche Leistung abgelegt und sorgt gemeinsam mit seinem Kamerateam für tolle Bilder. Auch die Sci-Fi-Details aus der Ophtalmologie (griech. Lehre des Auges) sind in dem Film interessant eingearbeitet. Das Drehbuch hätte er allerdings jemand anderem überlassen sollen. „I Origins“ lebt von seinen Zufällen, was die Geschichte unglaubwürdig und ziemlich weit hergeholt erscheinen lässt. Ian sieht zufällig ein Plakat mit Sofis Augen darauf. Ian trifft Sofi zufällig in der Bahn. Ians Kind hat zufällig dieselben Augen wie jemand anderes auf der Welt. Dies zieht sich durch den kompletten Film.

Nach dem tragischen Tod von Sofi, versucht Ians Laborpartnerin Karen (Brit Marling) den deprimierten Wissenschaftler zu trösten und bringt etwas zu Essen mit zu seiner Wohnung. Die beiden kommen sich näher und die nächste Szene spielt sieben Jahre später: Ian und Karen sind verheiratet und erwarten ein Kind. Diesen ungeschickten Übergang hätte man sicherlich auch besser gestalten können. Insgesamt wirkt die Geschichte von „I Origins“ nicht genügend durchdacht.

Nach der Entdeckung, dass Ians Kind dieselben Augen wie ein verstorbener Mann besitzt, stellen Karen, Ian und dessen ehemaliger Mitbewohner Kenny (Steven Yeun) mit Hilfe einer Datenbank fest, dass es ein Kind in Indien mit Sofis Augen gibt. Um zu testen, ob es Dinge aus Sofis Leben visuell erkennen kann, beschließt Ian nach Indien zu reisen und das Kind nur mit dem Bild der Augen zu suchen. Natürlich jagt in Indien wiedermal ein Zufall den Nächsten…

In Indien bekommt Ian Hilfe von Priya (Archie Panjabi) (Foto: Fox Searchlight)

In Indien bekommt Ian Hilfe von Priya (Archie Panjabi) (Foto: Fox Searchlight)

Fazit

Für Freunde des anspruchsvollen Kinos ist dieser Film nichts. Wer die leichtere Unterhaltung sucht, mit einer netten Liebesgeschichte, der ist bei „I Origins“ schon eher an der richtigen Stelle. Für einen Pärchenabend im Kino geht dieser Film in Ordnung, da dem Zuschauer wirklich nette Bilder geboten werden. Dazu passen die Science-Fiction-Elemente in das Drama gut hinein. Die Geschichte ist jedoch leider zu schwach. Dabei leisten die Schaupieler, wie Michael Pitt oder Astrid Bergés-Frisbey, eigentlich gute Arbeit und man traut ihnen einfach mehr zu. Nächstes Mal gibt Mike Cahill das Drehbuch einfach in andere Hände und am Ende entsteht dann ein richtig guter Film.