Die mittlerweile dreiteilige „The Expendables“-Reihe hat sich mittlerweile eine beachtliche Fanbase aufgebaut. Damit die größer wird, hat Sylvester Stallone den Blut- und Bleigehalt in „The Expendables 3“ ein wenig zurückgeschraubt und hofft so, auch die junge Generation für seine Filme zu begeistern. Ob dieser Plan aufgeht, verrät IOFP.

Sly Stallone führt auch im dritten Teil die Söldnertruppe "The Expendables" an.

Sly Stallone führt auch im dritten Teil die Söldnertruppe „The Expendables“ an.

Alle wieder da? Nicht alle!

Der dritte Teil des Actionhelden-Stelldicheins, angeführt vom alten Hollywood-Haudegen Sylvester Stallone, steht wahrlich unter keinem guten Stern. Bereits die Bekanntgabe, „The Expendables 3“ würde entgegen seiner beiden Vorgänger lediglich ein PG13- und kein R-Rating mehr erhalten, erhielt von den Fans des explosiven Franchises wenig Gegenliebe. Stallone begründete dieses Vorgehen damit, seine Filmreihe einem noch größeren Publikum zugänglich machen zu wollen. Dass er die ursprünglich anvisierte Zielgruppe damit allerdings vor den Kopf stößt, steht auf einem anderen Blatt. Des Weiteren markiert „The Expendables 3“ ein neues Kapitel in der Geschichte des illegalen Downloads: Schon Wochen vor der US-Premiere gelangte eine hochwertige Kopie des Filmes in Umlauf, die innerhalb von gerade einmal 24 Stunden satte 200.000-mal heruntergeladen wurde. In Russland strahlte ein Fernsehender ebenjene gar als Free-TV-Premiere aus. Obgleich die zuständige Produktionsfirma Lionsgate umgehend Klage einreichte, und so hofft, auf das offenbar undichte Leck innerhalb der eigenen PR-Maschinerie zu stoßen, könnten die hohen Download-Zahlen ein massives Problem im Rahmen des Ticketverkaufs darstellen. Es bleibt zu hoffen, dass es sich hier um eine ärgerliche Ausnahme handelt. Wer brandaktuelle Filme konsumieren möchte, sollte dies nach wie vor legal tun. Auch dann, wenn man wie im Falle von „The Expendables 3“ im Nachhinein vielleicht feststellen muss, dass das Geld für das Kinoticket woanders vielleicht besser investiert gewesen wäre.

Barney Ross (Sylvester Stallone), Lee Christmas (Jason Statham) und der Rest des Expendables-Teams treffen bei ihrem neuen Einsatz auf Conrad Stonebanks (Mel Gibson). Einst Barneys rechte Hand bei der Gründung der Expendables, hat sich Stonebanks zu einem skrupellosen Waffenhändler und somit zu einem Gegner der Gruppe gewandelt. Stonebanks seinerseits hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Expendables zu zerschlagen – aber Barney hat andere Pläne. Er entscheidet sich, junges Blut und moderne Waffen ins Spiel zu bringen. Der persönliche und finale Kampf der beiden Kontrahenten wird zu einem Kampf zwischen Jung und Alt, High-Tech und Old-School…

Auch Altmeister Harrison Ford gibt sich die Ehre einer Nebenrolle.

Auch Altmeister Harrison Ford gibt sich die Ehre einer Nebenrolle.

Hochglanzaction statt kompromissloser Materialschlacht

Marketingtechnisch betrachtet hat Sylvester Stallone („Zwei vom alten Schlag“) mit seiner Rundumerneuerung des „The Expendables“-Franchises viel richtig gemacht. Erneut gelingt es dem Actionstar, eine gewaltige Heerschar an namhaften Großkalibern des Genres zu versammeln. Neben ihm stehen erneut Jason Statham („Homefront“), Arnold Schwarzenegger („Sabotage“), Jet Li („The Forbidden Kingdom“) und Dolph Lundgren („Blood of Redemption“) vor der Kamera. Auch einige Neuzugänge können sich sehen lassen: Mit Wesley Snipes („Gallowwalkers“), Antonio Banderas („Die Haut, in der ich wohne“), Harrison Ford („Ender’s Game“) und Mel Gibson („Get the Gringo“) sind einige Starauftritte innerhalb des „Expendables“-Universums längst überfällig. Obgleich Namen wie Bruce Willis oder Chuck Norris auf der Castliste fehlen, ist die Chemie unter den altbekannten Darstellern einmal mehr ein Genuss. Doch Stallone beschränkt sich nicht mehr nur auf seine alteingesessenen Haudrauf-Kumpels; Um die heranwachsende Generation für seine Brachialaction zu begeistern, holt der einstige „Rambo“- und „Rocky“-Star eine ganze Riege an Jünglingen ins Boot. Der erst kürzlich an „Hercules“ gescheiterte Kellan Lutz trägt da noch den größten Namen. Newcomer wie Ronda Rousey, die in „The Expendables 3“ gar ihr Leinwanddebüt gibt oder Victor Ortiz, zu dessen größten Erfolgen IMDb zufolge die Teilnahme an „Dancing with the Stars“ gehört, bieten dem Zuschauer allenfalls was fürs Auge. Dem dreiköpfigen Autorenteam rund um Sylvester Stallone gelingt es jedoch nicht, die unterschiedlichen Generationen innerhalb des Söldnerteams stimmig zusammenzubringen.

Auch die Action steht in „The Expendables 3“ nicht mehr so im Vordergrund, wie man es aus den ersten beiden Teilen gewohnt ist. Zwar schert sich Patrick Hughes („Red Hill“), der aktuell auch für den Regie-Posten im US-„The Raid“-Remake zur Diskussion steht, ähnlich seiner beiden Vorgänger wenig um schlüssiges Storytelling, greift jedoch nicht etwa auf Kompromisslosigkeit in den Kampfsequenzen zurück, um diesen Schwachpunkt auszugleichen. Vermutlich ist es dem von vornherein anvisierten PG13-Rating geschuldet, dass Hughes es Sylvester Stallone (Regie „The Expendables“) und Simon West (Regie „The Expendables 2“) nicht gleichtut und sämtliche Action brachial und dreckig inszeniert, sondern sich vornehm zurückhält, wenig Blut fließen lässt und sich visuell gefährlich nah an gängiges Hollywood-Kino heranwagt. Der Genre-erfahrene Kameramann Peter Menzies Jr., der schon Zerstörungsorgien und Materialschlachten wie „Kampf der Titanen“ und „Shooter“ in Szene setzte, bebildert „The Expendables 3“ geleckter denn je und lässt in mancherlei Szene gar Erinnerungen an Filme der Marke „Mission Impossible“ wach werden. Dies ist per se kein qualitatives Todesurteil; denkt man jedoch an die verwackelten, fast amateurhaft daherkommenden Bilder der ersten beiden Teile zurück, erkennt man, dass „The Expendables 3“ sein Alleinstellungsmerkmal im Sinne harter Erwachsenenunterhaltung verloren hat.

Auch das darf nicht fehlen: Wilde Ballereien und knallharte Kämpfe.

Auch das darf nicht fehlen: Wilde Ballereien und knallharte Kämpfe.

Antonio Banderas wird zum Highlight

Ließ der Auftakt zur „Expendables“-Reihe noch den sich anbietenden Meta-Humor vermissen und konzentrierte sich knapp zwei Stunden lediglich auf das Zelebrieren ungeschönter Ballerei, kam der Nachfolger wesentlich ironischer daher und offenbarte die Stärken, die ein Actionstar-Potpourri (neben der Action selbst versteht sich) mit sich bringen kann. Süffisant und ironisch, vor allem aber dem sich geänderten Zeitgeist angepasst (Stichwort: Chuck Norris), ließen die Helden einer ganzen Generation diverse gelungene One-Liner vom Stapel. Das verhalf „The Expendables 2“ nicht nur zu wesentlich kurzweiligerer Unterhaltung als Teil eins, sondern auch zu seiner so wichtigen Daseinsberechtigung. Teil drei wirft nun all die guten Ansätze über den Haufen. Mit Ausnahme des selbstdemaskierenden Auftritts von Antonio Banderas, der den Status seiner Karriere in seiner viel zu kurz geratenen Screentime auf das Vortrefflichste zusammenfasst, beschränken sich sämtliche Darsteller auf das Ausführen ihres Jobs. Während Sylvester Stallone seit jeher nicht dazu imstande ist, den ihm offenkundig eingemeißelten Gesichtsausdruck auch nur um eine Nuance zu variieren, gehen Jason Statham, Dolph Lundgren und all die kleinen und großen Gaststars ihrem gelernten Handwerk nach. Wenngleich man den Machern zu Gute halten muss, dass viele der Szenen ohne Double auskamen und die Action auch in „The Expendables 3“  einmal mehr zu weiten Teilen handgemacht wirkt (das sich wenig galant in die Szenerie einordnende CGI übergehen wir an dieser Stelle einfach mal), plätschert die Produktion – auch aufgrund ihrer viel zu langen Laufzeit von knapp zwei Stunden – einfach nur so vor sich hin.

Offenkundig nahmen sich die Verantwortlichen für Story und Umsetzung für ihren dritten Teil vor, dem Publikum mehr zu bieten als im Großen und Ganzen zusammenhanglose Action. Dass Stallone sich in „The Expendables 3“ jedoch gar an der Inszenierung einer halbwegs realistischen Story versucht, ist für den beschränkten Raum, auf dem ein derartiger Genrefilm nur funktionieren kann, ein viel zu großes Wagnis. Anstatt die Vorzüge einer derartigen Produktion hervorzukehren und die Action für sich sprechen zu lassen, hat der dritte „Expendables“-Teil unübersehbare Längen. Was fehlt, sind sympathische Figuren, die ein Profil immerhin erahnen lassen, eine sich über den gesamten Cast erstreckende Chemie und dynamische Wortgefechte. Davon angesteckt scheint auch der für die Musik verantwortliche Brian Tyler („Thor – The Dark Kingdom“) nur noch wenig Lust auf seinen Job gehabt zu haben. Abgesehen von der Verwendung zweier mitreißender Rockklassiker beschränkt sich seine Arbeit darauf, das Leinwandgeschehen mit einem undefinierbaren Instrumental-Einheitsbrei zu untermalen.

"The Expendables 3": Ab dem 21. August im Kino.

„The Expendables 3“: Ab dem 21. August im Kino.

Fazit

Auch wenn eigentlich alle Voraussetzungen für eine gelungene Fortsetzung des „Expendables“-Franchises gegeben sind, verliert der Streifen unter all seinen Ansätzen das eigentliche Ziel aus den Augen. „The Expendables 3“ krebst irgendwo zwischen dem Streben nach beinharter Action und der Ästhetik gängiger Hollywood-Unterhaltung herum und lässt sowohl den Charme des Vorgängers, als auch die Materialschlacht des Auftaktfilms vermissen. Es ist fraglich, ob Sylvester Stallones Plan aufgehen, und sich die Masse an Fans durch seine Neuausrichtung erweitern wird. Vielleicht verschlägt es durch die niedrigere Altersfreigabe tatsächlich ein paar Tausend Zuschauer mehr in die Lichtspielhäuser – allerdings sollten sich die Macher nicht wundern, wenn die ursprünglichen Fans ihrem Franchise schon bald den Rücken kehren