Das AIDS-Drama „Dallas Buyers Club“ wurde bei der vergangenen Oscar-Verleihung mit drei der begehrten Goldjungs ausgezeichnet. Am 22. Juli erscheint das vermeintliche Meisterwerk auf DVD und Blu-ray. Ob sich der Kauf lohnt, erfahrt Ihr bei IOFP.

Dallas Buyers Club: Der "Lonesome Cowboy" McConaughey erhielt für seine Darstellung einen Oscar.

Der „Lonesome Cowboy“ McConaughey erhielt für seine Darstellung einen Oscar.

Groß sind die Erwartungen, nachdem Haupt- und Nebenrolle im AIDS-Drama „Dallas Buyers Club“ je mit einem Oscar und dem Golden Globe ausgezeichnet wurden. Die herausragenden Darstellungen von Matthew McConaughey und Jared Leto, das prämierte Make up sowie die vielversprechende Story um den aidskranken, narzisstischen Cowboy Ron Woodroof machen Lust auf ein authentisches Drama.

„Ich habe nur ein Leben. Es soll was bedeuten.“ -Ron Woodroof

1985 in Dallas nimmt Ron Woodroof (Matthew McConaughey) alles mit, was seinen Weg kreuzt: Drogen, Alkohol, Frauen. Als er nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus landet, ergeben die Blutuntersuchungen, dass er HIV-positiv ist. Doch nicht nur das. Durch seinen exzessiven Lebensstil ist die Krankheit längst ausgebrochen und die Ärzte prognostizieren ihm eine verbliebene Lebensdauer von 30 Tagen. Nachdem er die Diagnose als schlechten Witz verbucht hat – schließlich kann er sich mit der „Schwulenkrankheit“ auf keinen Fall angesteckt haben, sieht er bald ein: Er ist krank und es gibt keine Heilung. Die verordneten Medikamente schaden ihm mehr, als dass sie helfen und so gründet er gemeinsam mit dem Transsexuellen Rayon (Jared Leto) den Dallas Buyers Club. Aus nahezu allen Teilen der Welt importiert Woodroof alternative Medikamente und Nährstoffe, die er für die Aidskranken in Dallas zur Verfügung stellt – gegen einen monatlichen Mitgliedsbeitrag. Das gefällt den Ärzten ebenso wenig, wie den Phamakonzernen, sodass sich Rons Kampf für das Leben als ein nahezu unmöglicher erweist.

Dallas Buyers Club: Rayon und Woodroof - authentisch und dramatisch.

Rayon und Woodroof – authentisch und dramatisch.

Angefangen und abgebrochen

Abgemagert bis auf die Knochen, scheinbar für diese Rollen geboren und somit erschreckend realistisch. So begegnen uns Jared Leto und Matthew McConaughey im Film. Dass dieser Einsatz, diese Leistung ausgezeichnet werden musste, soll gar nicht angezweifelt werden, aber im Ganzen kann „Dallas Buyers Club“ doch nicht so recht überzeugen. Es steckt unglaublich viel Potenzial in der wahren Geschichte des egozentrischen Cowboys, dass es nicht nur schwer scheint, das gebotene Material zu verfilmen, sondern tatsächlich auch zu schwer war. Wer angenommen hat, dass ein Statement für Toleranz und Akzeptanz aller Lebensstile geschaffen wurde, wird enttäuscht. Diese Auseinandersetzung mit Homosexualität oder freier Liebe ist vorhanden, wird aber nicht in die Tiefe geführt. Doch noch immer bietet die Auseinandersetzung mit der Pharmaindustrie genügend Potenzial, um einen kritisierenden Film zu schaffen, der Meinung macht und aufrüttelt. Doch auch hier: Fehlanzeige.

Die Auseinandersetzung mit HIV und AIDS ist bis heute ein heikles Thema, dass in der modernen Gesellschaft allzu gern totgeschwiegen wird. Es ist nicht dauerpräsent wie die Tierseuchen, die uns alle paar Jahre schocken oder die Insolvenzverfahren großer Konzerne. Hin und wieder gibt es Berichte über ein paar Mutige, die sich dem Kampf gegen die Krankheit und für Toleranz stellen. Sei es die Homosexualitätdebatte anlässlich der olympischen Winterspiele in Sotchi oder die im Unergrund größerwerdende Parole „Aids ist nicht schwul“ – immer nur zweitweise gibt es Resonanz in der Öffentlichkeit. Hier findet „Dallas Buyers Club“ einen Punkt, an dem ideal angeknüpft werden, der einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und ins richtige Licht gerückt werden kann. Warum jedoch an der Stelle, an der der Konflikt zwischen Homo- und Heterosexualität den Höhepunkt findet, die Aufmerksamkeit umschwenkt, bleibt unerklärlich.

Es ist der Konflikt zwischen Arzt-Patient-Pharmaindustrie, der die Leidtragenden hilflos zwischen die Fronten stellt – auch heute noch. Medikamente müssen nach umstrittenen, aber nötigen, Tierversuchen auch immer noch am Menschen getestet werden und wer bietet sich da besser an, als ein totgeweihter Patient, der zu allem bereit ist. Selbst die Ärzte, die sich den Forderungen der Konzerne nicht hingeben (hier Jennifer Garner als Dr. Eve Saks), werden zu Spielfiguren mit höchstem Risiko.

Dr. Sevard (Denis O'Hare) und Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) testen AIDS-Medikamente an den Patienten

Dr. Sevard (Denis O’Hare) verpflichtet Dr. Eve Saks (Jennifer Garner) zum Testen von AIDS-Medikamenten.

Extras

Neben der obligatorischen Trailershow, erwartet uns selbstverständlich weiteres Bonusmaterial. So bieten Interviews mit McConaughey, Leto, Garner sowie den Produzentinnen und Regisseur Jean-Marc Valée einen Blick in die Charakterarbeit. Außerdem gibt es einen Photocall-Clip mit Matthew McConaughey, B-Roll Material und eine Featurette. Der Clip zum Jubiläum der Deutschen AIDS-Hilfe kommt leider etwas zu kurz. Hier hätte man ruhig etwas mutiger sein können und denen, die es interessiert, Informationsstoff liefern können. Einziges Manko ist, dass es weder bei den Interviews, noch bei der Trailershow die „alle abspielen“-Auswahl gibt.

Fazit

„Dallas Buyers Club“ ist definitiv ein Film, den man gesehen haben muss, der aber aus der Menge an HIV-thematisierenden Filmen nicht heraussticht. Diejenigen, die sich mit den aufgegriffenen Problemen bereits beschäftigt haben, werden von der eher oberflächlich ausgeführten Story enttäuscht sein. Da hier zwei politisch äußerst brisante Themen vereint werden, fiel die Tiefe des Drehbuchs wohl dem Einhalten einer publikumstauglichen Filmlänge zum Opfer. Für all jene, die sich an die Thematiken bisher nicht herangetraut haben, bietet das Drama aber einen guten und verständlichen Einstieg in eine seit Jahrzehnten verdrängte politische Debatte und die schauspielerischen Höchstleistungen sind allemal grandios.