„3…2…1…meins!“ könnte auch das Motto der Filmindustrie lauten. Besonders Hollywood scheint eine Vorliebe dafür zu haben, sich rasch die Rechte an ausländischen Produktionen zu sichern. IOFP zeigt Euch das Raubgut der Amerikaner.

Juno & Jenny vs. Juno & Paulie - schwangere Teenies rund um den Globus.

Juno & Jenny vs. Juno & Paulie – schwangere Teenies rund um den Globus.

Dass Filme oder Serien häufig nur Adaptionen von Comics, Büchern, geschichtlichen Ereignissen oder sehr alten Vorgängern sind, ist schon lange normal geworden. Wenn aber über den Ozean hinweg Filme anderer Kontinente „verbessert“ werden, grenzt das an eine Beleidigung. Amerikanische Filme sind beinahe überall weltweit zu sehen und oft zu Recht. Sie scheinen so gemacht zu sein, dass sie eine internationale Sprache auf der Gefühlsebene sprechen. Allgemein leichte Zugänglichkeit und Gefälligkeit sind sicher positive Attribute, die den westlichen Hochglanzproduktionen zugestanden werden können.

Viele sehr gute und originelle Filme haben es über den Atlantik schon zu uns geschafft und wurden freudig aufgesogen. Ein Austausch scheint aber nicht zu entstehen. Amerikanische Filmemacher und Produktionsfirmen lassen sich gerne von asiatischen oder europäischen Filmen und Serien inspirieren, um sich dann die Rechte an ihnen zu sichern. Vielleicht soll das nur Ausdruck der Begeisterung für das Gesehene sein. Vielleicht zeigt ein Vertreter Hollywoods seine Achtung, indem er versucht es zu besitzen? Verständlich wäre das nur, wenn eine Geschichte wirklich neu ist und ein Regisseur etwas an ihr entdeckt, das noch fehlt. Warum aber werden 08/15-Geschichten gekauft? Solche Filme oder Serien, die in erster Linie aufgrund ihres Humors oder ihrer kulturellen Einflüsse etwas besonderes sind. Welche versteckte Geschichte mag Will Ferrell hinter der „Hellfjords“ noch entdeckt haben, die es verdient hätte, nochmal besonders hervorgehoben zu werden? Manche Dinge leben einfach von ihrem Humor, es wäre großer Unfug diesen zu ersetzen. Man nehme das Beispiel „Hellfjord“. Die Serie erzählt eine ziemlich einfache Krimigeschichte, die mit Kuriositäten verziert ist. Ferrell hätte also eine x-beliebige Geschichte nehmen können um sie mit seinem Humor zu verzieren. Warum braucht er dafür die Rechte an „“Hellfjord“? Welchen Reiz könnte es haben, sie mit neuen Plattitüden zu schmücken, anstatt einen neuen, eigenen Film zu machen? Besonders viel wird aus Japan („Ringu“ – „The Ring„, „Ju-on“ – „The Grudge„, „Gojira“ – „Godzilla„) und Frankreich („LOL-Laughing Out Loud“ – „LOL“, „La sirène du Mississippi“ – „Original Sin“, „Anthony Zimmer“ – „The Tourist„) stibitzt. Es scheint also in Hollywood Liebhaber von Filmen bestimmter Länder zu geben. Doch anstatt für die Originale auf herkömmlichem Wege zu werben, nutzt man sie lieber als Vorlage für neue Kassenschlager.

Zugegeben, auch hier wird adaptiert und zwar in rauen Mengen. Allerdings kommen diese Produktionen selten über das Fernsehen hinaus. Man kennt die Sat.1-Kopien sämtlicher US-Filme, ganz zu schweigen von den unzähligen Shows, die leider, leider importiert wurden. Aber warum musste Stig Larssons Millenium-Trilogie nochmal gemacht werden? Schon die skandinavische Verfilmung war großartig. Das muss nicht heißen, dass Neuverfilmungen schlecht sind. Eine Eins-zu-eins-Umsetzung war die Serie „In Treatment – In Behandlung“, welche eine Adaption der israelischen Serie „Be Tipul“ ist. Nicht nur das Drehbuch der beiden Serien ist identisch, die Schauspieler Gestikulieren nahezu genauso wie die Originaldarsteller. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, sich „In Treatment“ anzusehen, vorausgesetzt, man führt sich erst die amerikanische Fassung zu Gemüte. Zudem muss zu dieser Adaption gesagt werden, dass auch Serbien, Polen und die Niederlande ihre jeweils eigene Fassung herausbrachten. Auch „The Killing“ kann sich als gute Kopie von dem dänischen Original „Forbrydelsen“ sehen lassen. Dennoch – warum?

Eine schwedische und eine amerikanische Lisbeth Salander.

Eine schwedische und eine amerikanische Lisbeth Salander. Ein erfolgreicher Raubzug?

Besonders irritierend ist der kurze Abstand zwischen der Originalausstrahlung und der der Kopien. Der dänische Film „Brødre“ von Susanne Bier taucht bereits fünf Jahre später auf US-Leinwänden wieder auf, Südkoreas „Juno“ ist zwei Jahre nach Erscheinen als Westfassung zu sehen und „Das Haus am Meer“, ebenfalls aus Südkorea, wird schon nach einem Jahr von der amerikanischen „Verbesserung“ mit Kevin Kline abgelöst. Das sind keine Filme, die von technischen Neuerungen profitieren müssten, geschweige denn, dass sich binnen dieser wenigen Jahre die Filmtechnik so gravierend verbessert hätte. Welche Botschaft sendet also die wiederkäuende amerikanische Filmindustrie mit ihren Repliken? Ist es der Rezipient, der keine ausländischen Produktionen sehen will oder ist es Ausdruck der Begeisterung? Vielleicht geht es auch tiefer und es ist ein amerikanischer Wunsch schöne Dinge zu besitzen. Mit solchen Vermutungen bleibt man natürlich im rein Spekulativen. Fakt ist aber, dass Hollywood sich lieber Fremdes zu eigen macht, als das eigene im Fremden zu suchen. Erstaunlich für Filmemacher eines Landes, welches eine Fülle an verschiedenen Ursprungskulturen hat. Doch scheint es, als schöpfe zumindest die Blockbuster-Produktion nicht aus der kulturellen Vielfalt, sondern klammert sich an Klischees von Heldentypen, Überemotionaliät und platte Geschichten.

Amerikanische Filme verbreiten sich leichter und schneller über den Globus. Sie sind meist so einfach in ihren Botschaften und in der Art wie sie Gefühle transportieren, dass sie für jede Kultur verständlich sind. Eine Hollywood-Kopie erreicht meist ein bedeutend größeres Publikum, als es ein Original je könnte. Dadurch kann sich aber auch für das Original ein neuer Markt öffnen. Adaptionen können als Werbung für die sonst meist regional begrenzten Originale fungieren. Dementsprechend sollte man sie einfach als langen Trailer für Filme aus den letzten Winkeln der Erde sehen, die uns sonst womöglich entgangen wären.

Welche Filme und Serien fallen Euch noch ein? Wann gefiel Euch die Kopie besser als das Original und andersherum?