Fragt man Heimkinogucker nach einem guten deutschen Horrorfilm um Rat, so würde den meisten vermutlich nicht einmal ein einziger einfallen. Das Vorurteil, die Deutschen könnten keine vernünftigen Horrorstreifen produzieren, hält sich nach wie vor hartnäckig. Mit Lost Place will man nun diesem Vorurteil ein Ende bereiten, ob dies gelungen ist verraten wir euch in unserer Kritik.

Blu-ray-Kritik Lost Place Bild 01

Geocaching ist eine Art virtuelle Schnitzeljagd bei der man mit Hilfe eines GPS-Gerätes besondere Punkte aufspüren und vor Ort dann Rätsel lösen muss, dessen Antworten einen dann zu einem neuen Ort führen. Der 17-jährige Daniel (François Goeske) und die gleichaltrige Elli (Jytte-Merle Böhrnsen) sind große Fans solcher Schatzsuchen für das 21. Jahrhundert. Die beiden haben sich in einem Internetchat kennengerlernt und führen ihre erst gemeinsame Schatzsuche zusammen mit ihren Freunden Thomas (Pit Bukowski) und Jessica (Josefine Preuß) durch. Die beiden Begleitet sind allerdings nur gezwungenermaßen und eher passiv bei der Sache.

Die Suche nach neuen Hinweisen führt die vier in ein abgesperrtes Gebiet mitten im Pfälzer Wald. Nach erfolgreichem Fund des Finalen ´Schatzes´ wollen sich die abenteuerlustigen Teenager eine entspannte Zeit in dem abgelegenen und ruhigen Wäldchen machen. Als der Gruppe jedoch plötzlich ein Mann (Anatole Taubmann) in einem Strahlenschutzanzug gegenüber steht, wissen die vier das hier in etwas sehr bedrohlichem gelandet sind…

Blu-ray-Kritik Lost Place Bild 02

Nicht wer sondern was.

Lost Place ist ein sichtlich hochwertig produzierter Horrorfilm aus deutscher Hand. Naturaufnahmen sowie düstere Szenarien kommen besonders auf dem detaillierten Bildmaterial der Blu-ray Disc zum Vorschein. Schon seit der ersten Minute wird der Film von einem permanent düsteren Soundtack untermalt, so dass der Zuschauer nicht umhin kommt zu ahnen das sich etwas sehr unheilvolles zusammen braut.

Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Klein hat sich für sein Regiedebut etwas äußerst innovatives einfallen lassen. In diesem Horrorfilm sucht man massenmordende Einzelgänger wie den Kettensegenmörder vergebens. Bei dem Antagonisten handelt es sich hierbei nämlich nicht um eine Person sondern um das abgesperrte Gebiet selbst, dieses wurde in den frühen Jahren des Kalten Krieges nämlich vom amerikanischen Militär für diverse Testversuche verwendet… mit einigen Nebenwirkungen.

Ebenfalls konzentriert sich der Film auf einen überschaubaren Cast, welcher zumeist nur aus den vier Teenagern und zwei bis drei weiteren Darstellern besteht. François Goeske (Besser als nix), Jytte-Merle Böhrnsen (Schutzengel) und Pit Bukowski (Der Samuari) können bereits einige Filmprojekte vorweisen, dennoch werden sie in den meisten Szenen von Josefine Preuß (Die Pilgerin) und ihrem schauspielerischem Talent sichtlich in den Schatten gedrängt. Die 28-jährige tritt in diesem Film zwar nur in einer Nebenrolle auf doch sobald sie auf dem Bildschirm zu sehen ist nimmt sie sämtliche Präsenz für sich ein. Zu guter letzt bringt Anatole Taubmann (Casino Royale) mit seinem kurzen Gastauftritt ein wenig Hollywood-Flair in diese deutsche Produktion.

Horror mit Zulagen.

Nach Ablauf der rund 101 Minuten vom Hauptfilm kommen zufriedenen Zuschauer noch ein wenig weiter in den Genuss des Filmes, denn in den Bonus-Features finden sich nochmal weitere 100 Minuten Extramaterial, darunter Interviews mit den Schauspielern, entfallene Szenen, Aufnahmen des Soundtracks sowie ein Video-Tagebuch. Abgerundet werden diese Extras durch eine ganzen Reihe von anderen Filmtrailern mit denen Anregungen für kommende Filmanschaffungen gefunden werden können.

Desweiteren sollte unbedingt die Seite des Soundeffektes und des Soundtracks positiv hervor gehoben werden. Immerhin gehört Lost Place zum ersten Film, welcher eine neue Surround-Sound Technik namens Dolby Atmos einsetzt und bei der der Zuschauer mit mehreren Boxen von allen Seiten mit der permanent finsteren Hintergrundmusik beschallt werden kann. Zusätzlich einsetzende Soundeffekte bei Jumpscare-Momenten tragen da ihr übriges zu bei. Zudem wurde dieser Gruselstreifen mit einer Red-Epic-Kamera gedreht, welche auch schon bei Peter Jacksons ´Der Hobbit´-Trilogie zum Einsatz kam. Um das ganze technisch komplett zu machen kann Lost Place wahlweise auch in einem akzeptablem 3-D abgespielt werden.

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Fazit

Wer bei diesem Horrorfilm ein Blutbad und klassisch sterbende Teenager erwartet, der wird bei Lost Place teilweise enttäuschend werden. Wer jedoch mal einen durchdachten, hochwertig produzierten Gruselstreifen aus deutscher Feder sehen möchte, der wird mit diesem Film auf seine Kosten kommen. Lost Place ist eine beispielhafte, für Deutschland mutige Filmproduktion, welche zwar mit ein paar kleinen Story-Holpern daher kommt, jedoch auch zeigt dass Film-Deutschland sehr wohl annehmbare Horrorfilme produzieren kann.