Die Handlung:

Violet (Streep) und Beverly Weston (Shepard) sind nicht nur seit Jahrzehnten verheiratet, sondern haben fast genauso lange schon ein Abkommen: Keiner kommentiert die Sucht des anderen. Violet kann ihren Alltag nicht mehr ohne ihre vielen bunten Pillen meistern und der erfolglose Autor Beverly ertränkt seinen Frust im Whiskey. Kann die scharfzüngige Violet sich noch mit ihrem allgegenwärtigen Mundhöhlenkrebs entschuldigen, schweigt ihr Mann und zieht still und leise die Konsequenz – er verschwindet.

Ivy (Nicholson) ist die jüngste Tochter, die das familiäre Nest nie so ganz verlassen hat und unterstützt ihre Eltern seit Jahren. Als der Vater später tot aufgefunden wird, erscheinen auch die verbliebenen Familienmitglieder im Haus der Matriarchin. Jedes bringt sein eigenes Päkchen mit: Barbara „Barb“ (Roberts) erscheint mit ihrem Mann Bill (McGregor) und Tochter Jean (Breslin). Nicht nur die Ehe der beiden steht vor dem Aus, auch die pubertierende Tochter bereitet Barb Probleme. Die zweitgeborene Karen bringt zur Beerdigung des Vaters ihren aktuellen Freund und Verlobten Steve (Mulroney) mit. Beide sind wunderbar einfach gestrickt, aber sorgen gerade deshalb für ihren Teil am Familienclinch. Zuletzt versammelt sich die Familie Aiken, bestehend aus Violets Schwester Mattie Fae (Martindale), Charles (Cooper) und dem Versager Little Charles (Cumberbatch).

Das Drama beginnt:

Violet ist schon immer zynisch und direkt, doch durch ihre Tablettensucht hat sie kaum noch Kontrolle über all die Dinge, die sie ihrer Familie sagt. Beim Leichenschmaus werden die ersten Geheimnisse hart kommentiert: Barbs kriselnde Ehe, das Jungfern-Dasein Ivys – die so unschuldig nicht ist – und auch die Leichtlebigkeit Karens stehen auf Violets Programm. Barb kann irgendwann nicht mehr an sich halten und stürzt sich auf ihre Mutter. Das Eingreifen der restlichen Familie verhindert Schlimmeres, doch die drei Schwestern ziehen eine Konsequenz: Die Mutter wird auf Entzug gesetzt. Das gesamte Haus wird auf den Kopf gestellt, Tabletten konfisziert und die belasteten Nerven bis zur Grenzenlosigkeit gespannt. Nun muss ein Plan her, den die drei entfremdeten Schwestern unter der Verantwortung Barbaras durchsetzen müssen. Als Mattie Faes Sohn Little Charles auftaucht, tritt ein neues, die Familie spaltendes Geheimnis zu Tage…

Im August in Osage County: Wenn die Nerven zerbrechen: Barbara stürzt sich auf ihre Mutter.

Wenn die Nerven zerbrechen: Barbara stürzt sich auf ihre Mutter.

Warum ist Osage County so gut:

Die Wertung schonmal vorweg genommen, kann nur eins zum Film gesagt werden: Das ist Schauspielkunst allererster Güte. Jeder einzelne Charakter ist bis aufs kleinste Detail ausgearbeitet, jede noch so kleine Nebenrolle besticht durch Glaubwürdigkeit und Tiefe. Das dies so wunderbar gelungen ist, haben wir Tracy Letts zu verdanken, denn der Mann schrieb nicht nur das Theaterstück, sondern sorgte mit dem Verfassen des Drehbuchs für die optimale Darstellung der Charaktere. Nicht oft gelingt es in einem Film, der eine derartige Menge an Rollen vereint, diese auch mit entsprechender Aufmerksamkeit zu bedenken. Keiner der zwölf ist harmlos, keiner ohne Geheimnis oder Fehler. Meryl Streep brilliert in ihrer Rolle als fieses, schwarzhumoriges Familienoberhaupt, das sie schon zu Lebzeiten ihres Mannes war. Diese Rolle scheint ihr wie auf den Leib geschneidert und niemand hätte sie besser ausfüllen können. Die hochgelobte Julia Roberts erklimmt neue Höhen und zeigt eine Seite, die sie viel zu lang versteckt hat: Sie ist laut, aggressiv, geplagt und sie flucht was das Zeug hält, ohne die schwierige Familiensituation ins Lächerliche zu ziehen.

Fazit

Wir halten fest: „Im August in Osage County“ ist kein reiner Frauenfilm, sondern ein Familiendrama, das für jeden etwas bietet. Wer jedoch in einer Großfamilie aufgewachsen ist, sollte sich in acht nehmen, denn dieser Film befördert auch die dreckigsten Geheimnisse und Erinnerungen, die man so erfolgreich verdrängt hat, ans Licht. Nichtsdestotrotz kommen Humor und positive Emotionen nicht zu kurz und es gibt kein verklärendes Happy End, sodass nach den zwei Stunden Filmerlebnis die Glaubwürdigkeit nicht verloren geht. Auch wenn Meryl Streep und Julia Roberts bei der Oscar-Verleihung leer ausgegangen sind, erwartet Euch ein großartiger, authentischer und charakterstarker Film, der zu den besten seines Genres gehört.