Ein Dokumentarfilm soll vorwiegend einen ganz bestimmten Anspruch erfüllen – er soll authentisch sein. Demnach zeichnet sich eine gut inszenierte Dokumentation vor allem dadurch aus, dass dem Zuschauer das Gefühl vermittelt wird, Zeuge eines unverfälschten Geschehens zu sein. Dem Dokumentarfilmer Sebastian Dehnhardt ist mit „Der Perfekte Wurf“ dieses Kunststück gelungen. IOFP verrät Euch, was seinen Film so sehenswert macht!

Der Perfekte Wurf

Wenn es um die Wurst geht, ist es zu einem Ritual geworden, dass Dirk Nowitzki nicht zum Rasierer greift.

Das, was in der heutigen Zeit vielen Kinofilmen nicht mehr zu gelingen scheint, darf nicht auf den Dokumentarfilm übertragen werden. Anders als die zahlreichen Blockbuster-Streifen gelingt es diesem Filmgenre immer wieder, echte Gefühle und Emotionen zu entwickeln. Auch „Der Perfekte Wurf“ ist so ein Film, der den Zuschauern in transparenter und völlig glaubhafter Art und Weise, Einblicke in das Leben von Basketballstar Dirk Nowitzki verschafft. Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass nicht nur die sportlichen Erfolge des gebürtigen Würzburgers im Vordergrund stehen, sondern der Mensch Nowitzki selbst. So vermittelt dieser Dokumentarfilm nicht nur, dass hinter jedem Erfolg schweißtreibende Arbeit steckt, man nach derben Niederlagen wieder aufstehen muss, der Weg an die Spitze nur durch körperliche Disziplin erlangt werden kann und dass das Verlieren immer nur eine Momentaufnahme ist, sondern schießt über dieses Ziel weit hinaus – die Kernaussage ist nämlich die, dass wahre Stärke und Siegeswillen nur derjenige zeigt, der auch auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Auf welchen Sportler würde diese Beschreibung besser passen als auf Dirk Nowitzki?

Der Weg an die Spitze ist ein steiniger

Aller Anfang ist bekanntlich schwer! Erfolg wird einem nicht in die Wiege gelegt! Es gibt zahlreiche Redewendungen, die das beschreiben, was sich Dirk Nowitzki erkämpfen musste – den Erfolg. „Der Perfekte Wurf“ gibt Einblick in die jungen Jahre des mittlerweile 2,13 m großen Hünen. Das Basketballspielen erlernte Nowitzki von seinem Mentor und inzwischen sehr gutem Freund Holger Geschwinder. Dieser entdeckte schon früh Dirks Talent und nahm ihn unter seine Fittiche. Der Dokumentarfilm zeigt nicht nur in beeindruckenden Bildern, welch ausgefallene Trainingsmethoden auf dem Programm standen, sondern rückt auch immer wieder das väterlich wirkende Verhältnis zwischen Geschwinder und Nowitzki in den Vordergrund. Es ist nicht zuletzt Holger Geschwinders akribischer Arbeit zu verdanken, dass andere Vereine auf Nowitzki aufmerksam wurden. Zwischen den zahlreichen Video-Einspielungen und dokumentarischen Bildern werden immer wieder kurze Interviews von Nowitzkis Gegnern oder Weggefährten eingeblendet, die allesamt eine Bewunderung ihm gegenüber bekunden – nicht nur als Sportler, sondern vor allem auch als Mensch. Doch um seinen großen Traum zu verwirklichen – Profi in der NBA zu werden – musste Nowitzki seine geliebte Heimat und seine Familie hinter sich lassen. Ein schwerwiegender Einschnitt in seinem noch jungen Leben, den er jedoch im Blick zurück mit Sicherheit nicht bereuen wird…

Der Perfekte Wurf

Den Wunsch, NBA-Spieler zu werden, hätte Nowitzki vor einigen Jahren noch gar nicht zu träumen gewagt.

Welcome to Texas

Besonders beeindruckend sind die Bilder, die Nowitzkis Anfänge in den USA zeigen. Für den damals 20-Jährigen war dies zunächst einmal vor allem ein Kulturschock. Aber auch das Basketball-Spiel ist in Amerika ein ganz anderes. Es wird viel körperbetonter und aggressiver gespielt. Doch Nowitzki nahm all diese neuen Herausforderungen an. Der Dokumentarfilm skizziert den mühsamen Weg der Dallas Mavericks, bis an die Spitze. Höhepunkt dabei ist der Gewinn des NBA-Finals in der Saison 2010/2011. Zudem wird Dirk Nowitzki als wertvollster Spieler der Final-Serie ausgezeichnet und ist damit endlich am Ziel seiner Träume angelangt. Da, wo andere Dokumentationen nun vielleicht enden würde, hält die Kamera bei „Der Perfekte Wurf“ weiter drauf. Dadurch werden nicht nur jede Menge Emotionen eingefahren, sondern der Zuschauer scheint regelrecht zu spüren, welch Ballast mit dem Gewinn des Titels von Nowitzkis Schultern fällt. Und um eines bereits jetzt schon vorwegzunehmen: Auch Sportmuffel werden an dieser Dokumentation durchaus Gefallen finden. Das Bildmaterial, das Ausschnitte aus Spielen zeigt, nimmt nur eine sehr geringe Spielzeit in Anspruch. Vielmehr stehen die Person Dirk Nowitzki, seine Familie, sein soziales Umfeld und die Aufnahmen außerhalb der Sporthalle im Vordergrund.

Abseits der Sporthalle

Dirk Nowitzi gewährt den Zuschauern einen erstaunlich offenen Einblick in sein Privatleben. Der sonst eher etwas zurückhaltende Basketball-Star zeigt sich von einer Seite, die viele so wohl noch nicht gesehen haben. So engagiert er sich für schwer erkrankte Kinder, die er regelmäßig im Krankenhaus besucht und plaudert ganz offen mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt über seine berufliche Karriere nach seiner sportlichen Laufbahn. Dies wirkt teilweise nicht nur sehr amüsant, sondern verdeutlicht abermals den weichen Kern, der in dem sympathischen Riesen steckt. Nowitzki ist sich dabei für keinen Scherz zu schade und nimmt sich auch gerne selbst auf den Arm. So zählt er in einer US-Talkshow mögliche neue Kosenamen für sich auf (z.B. „The Seven Foot Schnitzel“). Was ihn dabei so sympathisch macht, ist, dass er trotz seiner großen Erfolge sehr bodenständig geblieben ist. Die enge Beziehung zu seinen Eltern ist ihm sehr wichtig. Zu Wort kommt auch Nowitzkis Freundin, die wohl am besten beschreiben kann, was für er ein Typ er wirklich abseits der Sporthalle ist. Es gibt keinen Zeitpunkt bei dieser Dokumentation, an dem der Zuschauer den Eindruck gewinnen könnte, Nowitzki verhalte sich nicht authentisch. Er ist einfach ein Typ, den man gern haben muss – egal ob aus sportlicher oder menschlicher Perspektive.

Der Perfekte Wurf

Dirk Nowitzki kann sein Glück kaum fassen.

Fazit

Dem Dokumentarfilmer Sebastian Dehnhardt ist mit „Der Perfekte Wurf“ eine außergewöhnliche Dokumentation gelungen, die vor allem durch ihre authentisch wirkenden Bilder zu beeindrucken weiß. So werden auch mit Sicherheit diejenigen Zuschauer daran Gefallen finden, die sonst für Basketball nicht allzu viel übrig haben. „Der Perfekte Wurf“ ist zugleich eine Hommage an die Person Dirk Nowitzki, als auch ein Loblied darauf, dass man seine Träume durch harte Arbeit und Disziplin erreichen kann.