Was haben Alec Baldwin, Harrison Ford, Ben Affleck und Chris Pine gemeinsam? Sie alle verkörperten bereits den CIA-Agenten Jack Ryan. Im neuesten Abenteuer „Jack Ryan: Shadow Recruit“ wird jedoch mit dem bisherigen Verlauf der Franchise-Reihe gebrochen. Erstmalig wird nicht auf eine konkrete Romanvorlage des Schriftstellers Tom Clancy zurückgegriffen. Zudem wird dieser Film von den Produzenten als ein Neustart der Reihe angesehen. Doch ein Reboot darf nicht als Garant dafür gelten, dass ein Film auch wirklich funktioniert.

Jack Ryan: Shadow Recruit

CIA-Agent Thomas Harper (Kevin Costner) möchte auf die Dienste von Jack Ryan (Chris Pine) nicht verzichten.

Spionage-Thriller gibt es wie Sand am Meer. Um sich von der breiten Masse abheben zu können, muss also zumindest eine gute Geschichte vorhanden sein. Leider bietet „Jack Ryan: Shadow Recruit“ in dieser Hinsicht nicht wirklich Innovatives. VOon einer terroristischen Bedrohung durch die Russen konnten die Zuschauer schon in der Vergangenheit einige Male Zeugen werden. Fairerweise muss man aber auch zugeben, dass sich Jack Ryan einiger Prominenz gegenübersieht – so wurde dieses Genre vor allem durch die zahlreichen Auftritte von James Bond teilweise ausgeschlachtet. Aber die Erfolge neuer Franchise-Reihen wie „Mission Impossible“ oder den Jason Bourne-Filmen verdeutlichen, dass noch genügend Potenzial vorhanden ist, um die Zuschauer mit einer spannenden, actiongeladenen Story begeistern zu können. Doch was genau bietet Jack Ryan den Zuschauern?

Die Handlung

Jack Ryan (Chris Pine) wird bei einem Militäreinsatz in Afghanistan mit einer schweren Rückenverletzung ins Krankenhaus gebracht. In einem anschließenden Reha-Programm kümmert sich die angehende Ärztin Cathy Muller (Keira Knightley) darum, dass er möglichst schnell wieder das Laufen erlernt. Zu dieser Zeit wird Ryan vom CIA-Agenten Thomas Harper (Kevin Costner) angeworben, der ihm die Stelle als Analyst an der New Yorker Börse schmackhaft machen will. Szenenschnitt: Zehn Jahre sind mittlerweile vergangen und Jack Ryan arbeitet als Börsen-Analyst für terroristische Geldverschiebungen. Als er auf gesperrte russische Bankkonten stößt, beschließt er kurzerhand nach Moskau zu fliegen, um sich vor Ort einen Überblick verschaffen zu können. Er wird von dem russischen Oligarchen Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) in Empfang genommen, der ihm zu versichern, dass es keinerlei Geheimhaltung seitens der russischen Regierung gäbe. Ryan traut der Sache jedoch nicht und stellt seinerseits Nachforschungen an, indem er sich in das russische Computer-Sicherheitsnetz einloggt. Das, was er dort vorfindet, löst bei ihm das reinste Entsetzen aus. Hinter den Steuerhinterziehungen steckt nämlich etwas viel Größeres – Russland plant einen terroristischen Anschlag auf die USA, um die Nation in ihren Grundfesten zu erschüttern. Ob ihm die Verhinderung des Anschlags gelingt?

Jack Ryan: Shadow Recruit

Ob es Jack Ryan gelingt sich ins russische Computernetzwerk einloggen zu können?

Schwache Story ohne Tiefgang

Der wohl größte Kritikpunkt bei „Jack Ryan: Shadow Recruit“ ist der, dass es dem Film schlichtweg nicht gelingt, dem Zuschauer eine überzeugende Geschichte zu liefern. Es ist nicht nur die relativ einfallslose Story, die nicht zu überzeugen weiß. Hinzu kommen auch einige logische Fehlschlüsse, die nicht nur für Unverständlichkeit sorgen, sondern den Zuschauer auch daran hindern, sich auf diesem Film einlassen zu können. Das Einloggen in ein fremdes Computersystem, handgreifliche Auseinandersetzungen, die Flucht vor den Angreifern oder Verfolgungsjagden bieten dem Zuschauer wahrlich nichts Neues. Auch wenn der Film darum bemüht scheint, die Spannung hoch zu halten, sorgen nervige Diskussionen immer wieder dafür, dass der Zuschauer kurzweilig das Interesse verliert. Dennoch ist bei diesem Film nicht alles schlecht zu reden. Zu überzeugen wissen beispielsweise die – wenn auch rar gesäten – Kampfhandlungen. Der durch die militärische Kampfausbildung geschulte Jack Ryan weiß, wie er sich im Kampf zu verhalten hat. Ähnlich wie Jason Bourne benötigt er nur wenige Handgriffe, um seine Gegner bewegungsunfähig zu machen. Zudem sorgen diese Actionsequenzen dafür, dass über den einen oder anderen Storyfehler hinweggesehen werden kann.

Jack Ryan: Shadow Recruit

Jack Ryan auf der Flucht

Glaubhafte Charaktere können nur teilweise überzeugen

Zumindest in darstellerischer Hinsicht kann der Film überzeugen. Vor allem Kevin Costner spielt seine Rolle als CIA-Agent sehr überzeugend. Auch Chris Pine wirkt in seiner Rolle glaubhaft. Doch selbst große Schauspieler sind auf sich allein gestellt, wenn das Drehbuch ihnen nicht genügend Raum zur Entfaltung bietet. Das Ärgerliche an diesem Film ist, dass zwar genügend Potenzial vorhanden ist, es dem Film aber zu keinem Zeitpunkt gelingt, dieses auch ausschöpfen zu können. Die anfänglichen Bemühungen, den Charakteren mehr Tiefgang zu verleihen, werden im Keime erstickt. Wenn es einem Film schon nicht gelingt, durch die Story auf sich aufmerksam zu machen, muss wenigstens die Entfaltung der handelnden Figuren im Vordergrund stehen. Wenn beides jedoch nicht gelingt, steht man vor einem Problem. Diesem steht auch „Jack Ryan: Shadow Recruit“ gegenüber. Zwar wird unter anderem die Vorgeschichte des Titelhelden Jack Ryan kurz beschrieben, dies reicht aber nicht dazu aus, eine Vertrautheit seitens des Zuschauers für diesen Charakter zu erzielen. Alles wirkt sehr fadenscheinig und oberflächlich. Ein Blick hinter die Fassade ist für den Zuschauer kaum möglich. Eigentlich sehr schade…

Jack Ryan: Shadow Recruit

In „Jack Ryan: Shadow Recruit“ kommt es zum Aufeinandertreffen der Generationen.

Fazit

Zuschauern, die einen Top-Spionagefilm erwarten, muss an dieser Stelle von „Jack Ryan: Shadow Recruit“ abgeraten werden. Dafür hat der Film einfach zu viele Schwächen, vor allem was die Story und das Gesamtkonzept des Films betrifft. Trotz einiger Kritikpunkte  ist dieser Film aber dennoch sehenswert, auch wenn er nur für kurzweilige Unterhaltung sorgen wird. Es ist kein Film, der in einer DVD-Sammlung vorhanden sein muss, jedoch für einen Filmabend geeignet sein kann. Dies liegt ja bekanntlich eh im Auge des Betrachters.