• 06-02-2014
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„Boardwalk Empire“: Ein Muss für jeden Gangsterfilm-Fan

"Boardwalk Empire" überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Intrigen, Action und Spannung. IOFP stellt die Hitserie ausführlich vor. Die aufwendig und künstlerisch gestaltete HBO-Serie ist in den USA bereits seit dem Erscheinungsjahr (2010) ein großer Erfolg. In Deutschland konnte "Boardwalk Empire" noch nicht wirklich Fuß fassen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es bisher nur auf TNT-Serie ausgestrahlt und noch von keinem großen Sender gekauft wurde. Dabei hat die großartige Serie einen hohen Suchtfaktor. Boardwalk Empire ist eine Adaption von Nelson Johnsons Buch "Boardwalk Empire: The Birth, High Times, and Corruption of Atlantic City." Terence Winter, der früher als Drehbuchautor und Produzent für "Die Sopranos" arbeitete, ist der Macher der Serie. Zu den Executive Producern gehören unter anderem Martin Scorsese und Mark Wahlberg. Scorsese führte bei der ersten Folge der ersten Staffel auch Regie. Die Welt von "Boardwalk Empire" Der Zuschauer wird in eine längst vergangene, aber glorifizerte Epoche zurückversetzt: Die 'Goldenen Zwanziger' oder 'Roaring Twenties'. Der erste Weltkrieg ist vorbei, die Wirtschaft boomt, die Anziehungskraft der Großstädte erreicht einen neuen Zenit und die Prohibition (Alkoholverbot) hat gerade begonnen. Die Handlung setzt am Tag der Verabschiedung des Prohibition-Gesetzes ein. Zur Zeit der Prohibition wurde in den USA mehr Alkohol konsumiert als jemals zuvor, unter anderem, weil durch das Verbot ein Schwarzmarkt geschaffen wurde. Nicht umsonst gilt diese Periode als Beginn des organisierten Verbrechens - und das ist auch das zentrale Thema von "Boardwalk Empire." Dazu gesellen sich Inhalte wie Korruption, Politik, Mafia, Mord und auch familiäre und zwischenmenschliche Konflikte. Der Hauptschauplatz der Serie ist Atlantic City in New Jersey. Das Atlantic City der 20er Jahre ist ein wahrer Sündenpfuhl: Glücksspiel, Alkoholkonsum, Nachtklubs und uneheliche Beziehungen. Mit anderen Worten: Atlantic City ist guter Zielort für Spaß und Unterhaltung. Außerdem ist die Stadt durch ihre günstige Küstenlage ein großer Umschlagplatz für Schmuggel, da Großstädte wie New York, Chicago und Philadelphia leicht erreichbar sind. Auch Anhänger von realistischen Filmen oder Serien können sich freuen: Sehr viele Charaktere von "Boardwalk Empire" beruhen auf wahren Personen. So begegnet man zum Beispiel Enoch Thompson (die reale Person hieß Enoch L. Johnson) oder Mafiagrößen wie Al Capone, Giuseppe 'Joe The Boss' Masseria, Charles 'Lucky' Luciano, Arnold 'The Brain' Rothstein und Meyer Lansky. Das sind die Hauptfiguren: Enoch 'Nucky'  Thompson Er ist der Protagonist und wird von Steve Buscemi ("Reservoir Dogs", "Der unglaubliche Burt Wonderstone") porträtiert. Nucky, der irische Wurzeln hat, ist der Stadtkämmerer von Atlantic City, er kümmert sich also um die finanziellen Angelegenheiten der Stadt. Und wie es so oft ist: Wer das Geld regiert, regiert alles - so ist es auch in diesem Fall. Nucky kontrolliert mehr oder weniger ganz Atlantic City und hat einen weitaus höheren Einfluss als etwa der Bürgermeister. Durch sein Engagement innerhalb der Gemeinde zeigt er jedoch eine andere Facette. Ein Grund, weshalb er bei den Leuten seiner Stadt so beliebt ist. Besonders aber die ärmeren Menschen der Stadt sind von ihm angetan, weil Nucky oftmals den Bedürftigen etwas spendet. Er ist intelligent, charmant und weiß, wie man Leute um den Finger wickelt. Zu Beginn der Serie kommt Nucky sehr sympathisch rüber. Er ist zwar bereits korrupt, aber ansonsten halten sich seine kriminellen Aktivitäten noch in Grenzen. Er steigt allerdings zu einem Schmuggler von Alkohol auf, einem wahren 'Bootlegger', der schon bald über ein kriminelles Imperium verfügt, das über die Grenzen von New Jersey weit hinaus geht. Er schließt Handelsabkommen mit dem Chicagoer Mafiaklan und mit den New Yorkern ab; sogar bis nach Irland reichen Nuckys geschäftliche Beziehungen. Nucky macht eine starke Wandlung durch und da seine Handlungen zunehmends heftiger werden, verliert er ein paar Sympathie-Punkte. Trotzdem bleibt er schon die vorherrschende Identifikationsfigur. Zumal die Figur von Nucky Thompson viele Schichten hat und nicht als stereotyper Bösewicht bezeichnet werden kann.   Elias 'Eli' Thompson Er ist Nuckys Bruder und wird von Shea Whigham ("American Hustle", "The Wolf of Wall Street") gespielt. Er ist verheiratet und Vater von zehn Kindern. Er liebt seine Familie und ist ein engagierter Vater. Er hat allerdings eine cholerische Seite und ist nicht loyal. Durch die machtvolle Position seines Bruders ist Eli der Polizeichef, der Sheriff von Atlantic County, geworden. Zeit seines Lebens stand Eli im Schatten seines großen und erfolgreichen Bruders. Dementsprechend haben Nucky und Eli eine komplizierte und oftmals unharmonische Beziehung zueinander. Die beiden verbindet eine unschöne, gewalttätige Kindheit, über die sie ungern sprechen. Sie schaffen es zwar einige Zeit gemeinsam über Atlantic City zu regieren, indem sie die korrupte Regierung unter Kontrolle halten, doch das Spannungsverhältnis bleibt dabei offensichtlich.   James 'Jimmy' Darmody Er wird von Michael Pitt ("Mord nach Plan") dargestellt. Jimmy ist der Sohn des früheren, zu Beginn der Serie schon sehr alten, politischen Oberbosses Louis "Commodore" Kaestner und des Showgirls Gillian Darmody. Als der Commodore 54 Jahre alt war, bat er Nucky darum, ihm ein Mädchen zur Befriedigung seiner perversen Gelüste zu arrangieren. Nucky schickte dem Commodore Gillian, die zu dem Zeitpunkt erst 12 Jahre alt war. Aus diesem Arrangement entstand Jimmy. Gillian und der Commodore führten verständlicherweise keine Beziehung und Jimmy baute auch keine Beziehung zu seinem Vater auf, da seine Mutter ihn verabscheut. Außerdem zeigte der Commodore auch keinerlei Interesse an seinem Sohn. Vielmehr sieht Jimmy in Nucky eine Vaterfigur, da er sich seiner angenommen und ihn zu seinem Protegé gemacht hat. Jimmy kämpft im Ersten Weltkrieg und wird im Einsatz verletzt. In der ersten Folge der ersten Staffel ist er aber wieder gesund und zurück in Atlantic City. Doch er ist nur körperlich in gutem Zustand, jedoch verfolgen ihn die schrecklichen Erinnerungen aus dem Schützengraben. Er beginnt für Nucky zu arbeiten. Allerdings beschränkt sich sein Aufgabenfeld darauf, Nucky zu eskortieren und ihm als Bodyguard zu dienen - nicht ganz das, was Jimmy sich vorgestellt hat. Er schafft es im Laufe der Zeit, sich hochzuarbeiten - allerdings macht er sich dabei auch Feinde. Richard Harrow Er wird von Jack Huston ("American Hustle") gespielt. Richard hat ebenfalls im Ersten Weltkrieg gekämpft. Sein Gesicht wurde schwer entstellt. Er hat sein linkes Auge verloren und der Rest der linken Gesichtshälfte liegt mehr oder weniger offen. Aus diesem Grund trägt er eine halbseitige Blechmaske, die an seiner Brille befestigt ist. Er lernt Jimmy in einem Militär-Krankenhaus kennen und versteht sich auf Anhieb gut mit ihm. Jimmy nimmt ihn mit nach Atlantic City und Richard wird sein Partner im Alkoholschmuggel-Geschäft. Richard macht einen sanftmütigen Eindruck, da er aufgrund seiner Entstellung und dem damit verbundenen Tragen der Maske anderen Menschen gegenüber extrem zurückhaltend ist. Er hat aber auch eine ganz andere Seite: Er handelt auf Befehl und hat keine Mühe, auch grausame Dinge zu tun. Trotzdem ist er ein Sympathie-Träger. Nelson Van Alden Er arbeitet in einer führenden Position beim 'Department of Internal Revenue' vom 'Bureau of Prohibition', dessen Aufgabe es ist, die Einhaltung des Prohibitionsgesetzes sicher zu stellen. Er wird von Michael Shannon ("The Iceman","Man of Steel")gespielt. Nelson ist ein frommer und pedantischer Fundamentalist. Seine Abteilung und er fokussieren sich relativ schnell darauf, Nucky Thompson auf die Schliche zu kommen. Auch in seinem Beruf agiert Nelson auf fanatische Weise und ist mit einem eisernen Willen und Hartnäckigkeit ausgestattet. Doch er stößt auf einige Probleme und wird bald selbst zum Gejagten. Sein Leben verändert sich von Grund auf und Nelson Van Alden ist sicherlich die Figur, die die drastischste Entwicklung durchmacht.   Albert 'Chalky' White Er ist ein Afro-Amerikaner und wird von Michael K. Williams ("The Wire") porträtiert. Er gilt als der inoffizielle Anführer der afro-amerikanischen Gemeinde von Atlantic City. Auch Albert ist ebenfalls ein so genannter 'Bootlegger', denn er handelt mit Alkohol. Er ist sehr gut betucht und hat auch zu Nucky Thompson geschäftliche Beziehungen. Eine weitere beständige Einnahmequelle von Chalky sind horrende Geldbeträge von vor allem republikanischen Politikern, die bei Chalky schwarze Wählerstimmen kaufen. Chalky ist ein smarter Mann, der für die damalige Zeit  als Schwarzer ungewöhnlich viel Respekt bekommt.   Fazit: "Boardwalk Empire" ist eine mit Golden Globes und Emmys ausgezeichnete Serie, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man gern Gangster- oder Mafia-Filme schaut. Sie ist nicht nur mit einer abwechslungsreichen Story und vielschichtigen Charakteren bestückt, sondern noch dazu einfach etwas für das Auge:Die Produzenten scheuten weder Mühen noch Kosten, um den historischen Look der Serie perfekt darzustellen. Die berühmte Promenade (der Boardwalk) Atlantic Citys wurde in Originalgröße nachgebaut, um das richtige Flair einfangen zu können. Und das gelingt auch: Der Zuschauer wird durch die grandiosen Kostüme und das umwerfende Bühnenbild regelrecht in die Atmosphäre der 20er Jahre eingesogen. Sollte das noch nicht genügen: Die schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Steve Buscemi und Michael Shannon, sind mehr als beachtlich. In Deutschland ist "Boardwalk Empire" bisher leider nur auf einem privaten Sender zu sehen, aber drei von vier Staffeln sind bereits auf DVD und Blu-Ray erhältlich. IOFP kann euch guten Gewissens empfehlen, Euch die Serie einmal anzusehen - Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.        

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