Filmkritik: „Enemy“

Nach Denis Villeneuves Entführungsthriller „Prisoners“ legt der kanadische Regisseur mit dem abgehobenen Verwirrspiel „Enemy“ nun die Regie-Arbeit nach, die eigentlich als Test-Shoot vor „Prisoners“ gedacht war. Es ist ein Glücksfall, dass Villeneuve seinem Publikum den Streifen nicht vorenthält – im Stile großer Surrealisten wie David Lynch und David Cronenberg ist „Enemy“ hochspannend, nervenzerreißend und beunruhigend. Bis zum wirklich aller letzten Take. IOFP erklärt, warum. 

Jake Gyllenhaal schlüpft in "Enemy" in die Rolle des Geschichtsprofessors Adam - unter anderem.

Jake Gyllenhaal schlüpft in „Enemy“ in die Rolle des Geschichtsprofessors Adam – unter anderem.

Im vergangenen Jahr machte sich der bis dato weitgehend unbekannte Filmemacher Denis Villeneuve („Die Frau die singt“) durch seine intensiv inszenierte Entführungsstory „Prisoners“ einen Namen unter Cineasten. Mit einer Oscar-Nominierung für die Beste Kamera bedacht, lieferte das Charakterstück mit Jake Gyllenhaal und Hugh Jackman in den Hauptrollen großartigen Thrillerstoff auf dem Niveau eines „Zodiac“ oder „Sieben“. Villeneuve, der als geborener Kanadier vorab hauptsächlich in Französisch drehte, nutzte seinen abstrakten Psychothriller „Enemy“, um vorab eine Art Testlauf auf Englisch zu starten und sich mit seinem Hauptdarsteller Gyllenhaal anzufreunden. So verwundert es kaum, dass sein neuer Film, der chronologisch eigentlich vor „Prisoners“ einzuordnen ist, nicht nur aufgrund seiner äußerst geringen Kopien-Anzahl von 30 Stück deutschlandweit fast schon wie ein minimalistisches Kammerspiel anmutet. War „Prisoners“ bei all seiner Schwere immer noch überdeutlich Hollywoodkino, spielt die kanadisch-spanische Co-Produktion „Enemy“ allenfalls auf dem inszenatorischen Niveau eines Sundance-Filmfestival-Hits. Nicht umsonst war das furiose Spiel um Schein und Sein eines der Highlights bei den Fantasy Filmfest Nights 2014. Die Betonung liegt auf „Highlight“: „Enemy“ ist eines der betörendsten Verwirrspiele des neuen Jahrtausends.

Zweimal ich

Dem Geschichtsprofessor Adam (Jake Gyllenhaal) erscheint das Leben wie ein endloser, nicht greifbarer Traum. Gelangweilt von seinem Alltag und seiner Beziehung lässt er Tag um Tag in Lethargie verstreichen – bis er in einem Film den Schauspieler Anthony (Jake Gyllenhaal) entdeckt, der ihm bis aufs Haar gleicht. Verstört aber auch fasziniert von dieser Entdeckung, beschließt er, seinen Doppelgänger aufzuspüren. Je tiefer Adam in Anthonys Welt eindringt und dabei auch dessen Frau (Sarah Gadon) näher kommt, desto mehr scheinen die Grenzen zwischen den beiden Personen zu verschwimmen. Die anfängliche Neugier steigert sich zur Besessenheit; ein bizarres Spiel beginnt.

Sich einem Film zu nähern, ohne dabei auf ärgerliche Spoiler zurückzugreifen, ist bei „Enemy“ mehr denn je eine Schwierigkeit. Der Thriller ist durchzogen von einem nahezu undurchdringbaren Symbolismus, der seine volle Wucht vor allem dann entfaltet, wenn man sich den Streifen ohne jedwede Vorahnung zu Gemüte führt. Geschickt setzen Denis Villeneuve sowie sein Drehbuchautor Javier Gullòn ihre Fährten und orientieren sich dabei nur sehr vage an José Saramagos Romanvorlage „Der Doppelgänger“. So präsentiert uns das kreative Duo nicht nur eine abweichende Plotentwicklung, sondern lässt manch eine Information gezielt aus, um sie dem Zuschauer zur Interpretation freizugeben. Inszenatorisch erinnert dieses Storytelling an Nicolas Winding Refns ebenso umjubeltes wie verschmähtes Kunstwerk „Only God Forgives“, kann jedoch schlussendlich mit einer wesentlich komplexeren Handlung und eindeutigeren Interpretationsansätzen aufwarten. Erinnerungen an Steven Soderberghs „Side Effects“ werden wach.

Anthony verfolgt die Freundin von Adam durch die ganze Stadt. Was er wohl vorhat!?

Anthony verfolgt die Freundin von Adam durch die ganze Stadt. Was er wohl vorhat!?

David Lynch lässt grüßen!

In fiebrig-gelb getränkten Bildern und vor der Kulisse eines dadurch befremdlich wirkenden Toronto agiert Jake Gyllenhaal in einer meisterhaft verkörperten Doppelrolle. Als bodenständiger Geschichtsprofessor Adam suhlt sich Gyllenhaal in einer fast schon provokanten Lethargie; Sein Doppelgänger Anthony hingegen lebt ein zufriedenes Leben. Nuanciert lotet der Hollywoodstar die Extreme beider Charaktere aus und läuft dennoch nie Gefahr, in ein Overacting zu verfallen. Gyllenhaals Figuren sind bodenständig, greifbar und trotz ihrer Ähnlichkeit jederzeit voneinander zu unterscheiden. Dies gelingt vor allem durch das Zusammenspiel mit diversen Nebendarstellern. Mit der hübschen, jedoch oberflächlich gezeichneten Mélanie Laurent („Die Unfassbaren – Now You See Mee“) als Adams Freundin pflegt Adam einen ungezwungenen, fast nebensächlichen Umgang. Sarah Gadon („Die Tore der Welt“) als anmutig-schöne Helen und schwangere Ehefrau von Anthony wird dagegen die würdevollere Rolle zuteil, was auch Gyllenhaal – mal als Adam, mal als Anthony – sie spüren lässt. Für Gänsehaut sorgt ebenfalls Isabella Rossellini in der Rolle von Adams Mutter. Als diese ist sie nur kurz zu sehen – denkwürdig und für die Handlung von Relevanz ist ihr Auftritt trotzdem. Mit David Lynchs „Blue Velvet“ gelang Rossellini einst der Durchbruch – eine unübersehbare Hommage Villeneuves an den Surrealistik-liebenden Regisseur, an dem sich der Filmemacher mehr als einmal orientiert.

Nur in entscheidenden Momentaufnahmen surrealistisch ist „Enemy“ dennoch ein zu weiten Teilen bodenständiger Thriller, der mit der Realität spielt. Die Bilder, die Kameramann Nicolas Bolduc („Rebelle“) einfängt, sind, abgesehen vom Farbfilter, unspektakulär und alles andere als auffällig. Ab und an kommt man nicht umher, an Darren Aronofsky und dessen berühmte Verfolgungsszenerien zu denken, wenn Bolduc sich an seine Figuren anpirscht und sich mit einigem Abstand an deren Fersen heftet. Unauffällig, nahezu versteckt finden sich in diesen auf den ersten Blick unscheinbaren Aufnahmen winzige Details, die das wirre „Konstrukt Enemy“ um findige Interpretationsansätze ergänzen. Ohne Frage erzählt „Enemy“ nicht bloß von der Frage, wer hinter dem Doppelgänger des Protagonisten steckt.

"Enemy": Ab dem 22. Mai 2014 im Kino

„Enemy“: Ab dem 22. Mai 2014 im Kino

Nicht nur Adams Vorlesungen über totalitäre Systeme lassen erahnen, dass sich hinter „Enemy“ riesige Möglichkeiten der Interpretation auftun. Wirre, dabei nicht minder berauschende Traumsequenzen mit immer wiederkehrenden Symbolen oder visuell verfremdete Ansichten der Skyline von Toronto: All diese Kniffe tragen dazu bei, dass „Enemy“ auch über seine übersichtliche Laufzeit von gerade einmal neunzig Minuten voll von anspruchsvollem Inhalt ist, den andere Regisseure selbst in Streifen von doppelter Länge nicht unterbekommen würden. Denis Villeneuve gelingt das Kunststück, die Fülle an Informationen nicht als große, undefinierte Masse auf den Zuschauer loszulassen, sondern selbst auf solch beschränktem Raum eine Form von künstlerischer Behäbigkeit zu generieren, welche die einzelnen Plotelemente erst nach und nach offenlegt. Der dröhnende Soundtrack von Danny Bensi und Saunder Jurriaans („Martha Marcy May Marlene“) verleiht dieser Szenerie ihr Klangfeld; greifen die beiden Komponisten doch weniger auf harmonische Klänge denn viel lieber auf eine quälende Soundkulisse zurück. Bedrohlicher geht es nicht!

Fazit

In den USA galt das Ende von „Enemy“ als „the scariest filmending ever made“. Alles was vorab geschieht, bildet lediglich die Basis für ein nie dagewesenes Finale, das selbst gestandene Filmnerds für einen Moment zusammenzucken lassen wird. Auf den ersten Blick überraschend fügt sich schließlich ein Puzzlestück nach dem anderen an die Stelle, an die es gehört. „Enemy“ fasziniert, „Enemy“ fordert und „Enemy“ führt uns – den Zuschauer – an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit. Und doch macht es Spaß, sich während oder nach dem Erlebnis einen Weg durch ein Geflecht an Widersprüchen, Ungereimtheiten und offensichtlichen Lösungen zu bahnen. Nie war es spannender, den eigenen Verstand zu verlieren. David Lynch lässt grüßen!

  • admin
  • 20. Mai 2014
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  • 30-09-2014
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Heimkino-Tipp: „Blood Ties“

Der Franzose Guillaume Canet ist ein Experte auf dem Gebiet der einprägsamen Inszenierung. In seinem neuen Streifen "Blood Ties", einer Hommage an den Film Noir, versammelt eine eine ganze Schar von Hollywoods Hochkarätern und überlässt sie ihrem Schicksal. IOFP hat sich die Direct-to-DVD-Produktion einmal genauer angesehen und wundert sich ernsthaft darüber, dass es der Film hierzulande nicht in die Lichtspielhäuser schaffte. New York, 1974 Nach 9 Jahren wird Chris (Clive Owen) wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen – herzlich empfangen von seiner Schwester Marie (Lili Taylor) und seinem Vater Leon (James Caan). Sein jüngerer Bruder Frank (Billy Crudup) hingegen, der Karriere bei der New Yorker Polizei gemacht hat, verhält sich ihm gegenüber misstrauisch. Dennoch ist er bereit, Chris eine Chance zu geben: Er lässt ihn bei sich einziehen, vermittelt ihm einen Job und begleitet ihn, als Chris seine verärgerte Ex-Frau Monica (Marion Cotillard) und seine beiden Kinder besucht. Zuerst sieht es so aus, als würde Chris‘ Neustart gelingen. Er verliebt sich in seine schüchterne Kollegin Natalie (Mila Kunis), die ihn in seinem Wunsch bestärkt, seine kriminelle Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch dann wird Chris gefeuert und er verfällt wieder in seine alten Muster. Als Frank Chris dabei beobachtet, wie dieser einen Geldtransport überfällt, muss er sich entscheiden – für seinen Bruder oder für das Gesetz. Mit seinem Gangster-Epos "Blood Ties" bricht Regisseur und Schauspieler Guillaume Canet ("Jappeloup - Eine Legende") von Beginn an mit gängigen Sehgewohnheiten. Unter seiner Anleitung agiert ein namhafter Hollywood-Cast: Angefangen bei Clive Owen und Mila Kunis über Mario Cottilard, Billy Crudup, Zoe Saldana bis hin zu James Caan und Lili Taylor weiß der Regisseur sein großes Ensemble zu einer bemerkenswerten Einheit zusammenzuführen. Dieses manövriert der Filmemacher durch ein Skript, das, verfasst von Canet selbst sowie James Gray ("Two Lovers"), das dem Film Noir der Siebziger- und Achtzigerjahre einen beeindruckenden Tribut zollt und an Filme wie zuletzt "Gangster Squad" und "Broken City" erinnert. Untermalt von der kühlen Fotografie eines Christophe Offenstein ("Kleine, wahre Lügen") versetzt "Blood Ties" das Publikum direkt zurück in die Seventies. Dabei entwickelt sich die Spannung sukzessive - vor allem die erste Hälfte wird von eindringlichen, wenn auch sehr ausführlichen Dialogen dominiert. Für den Suspense ist dies jedoch förderlich: Erst nach und nach mündet die stetig beklemmender werdende Anspannung in einen großen Knall. Das wird vor allem das genreaffine Publikum zu schätzen wissen, die den düsteren Thriller lieben. Fazit Mit seinem düster-pessimistischen, starbesetzten Thriller "Blood Ties" gelingt dem Regie-Geheimtipp "Guillaume Canet" den Sprung an die internationale Filmemacher-Spitze. Sein zunächst behäbig erzählter Film wechselt ab der Hälfte in ein rasantes Cop-Manöver, das das Durchhaltevermögen des Zuschauers mit sehenswerten Choreographien und adrenalingeladenen Actionsequenzen belohnt. Der Cast spielt sich gegenseitig die Bälle zu und harmoniert insbesondere aufgrund in den Dialogsequenzen. Einzig die triste Inszenierung, die sich auch auf die technischen Ebenen niederschlägt. ist in Gänze fern von gängigen Sehgewohnheiten.

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  • 01-09-2014
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Filmkritik: „Erlöse uns von dem Bösen“

Nicht noch ein Exorzismusfilm? Weit gefehlt! Wie schon in seinem "Der Exorzismus von Emily Rose" variiert Regisseur Scott Derrickson auch in seinem neusten Werk "Erlöse uns von dem Bösen" das dämonische Subgenre und kleidet es in einen knallharten Copthriller. Damit werden nicht nur Erinnerungen an das Neunzigerjahre-Suspense-Kino wach, sondern das neue Jahrtausend ist um einen beachtlichen Horrorbeitrag reicher. Mehr zum Film verrät Euch IOFP. Exorzismus trifft Cop-Thriller Regisseur Scott Derrickson ist ein Meister des kreativen Arrangements abgestandener Horrorfilm-Klischees. Der zumeist auch als Drehbuchautor seiner Streifen fungierende Filmemacher bewies mit seinem übernatürlichen Justizdrama „Der Exorzismus von Emily Rose“, dass das Subgenre des Exorzismus-Films auch nach William Friedkins immerwährendem Klassiker noch nicht tot ist und sein letzter Streich, die 2012 von den Kritikern hervorragend aufgenommene Dämonen-Story „Sinister“, funktionierte derart radikal nach gängigen Genre-Mechanismen, dass Derricksons Zuhilfenahme von Story und Darstellerleistungen eines der packendsten Filmerlebnisse des Jahres kreierte. In dem angeblich auf wahren Ereignissen beruhenden Horrorthriller „Erlöse uns von dem Bösen“ kombiniert der Regisseur nun einen vermeintlich konventionellen Cop-Thriller mit kompromisslosen Schockeffekten und wird somit zum Inszenator eines klassischen Schauerstücks, das trotz seines modernen Gewands an das Suspense-Kino der Neunzigerjahre erinnert. Ohne sich dabei direkt an großen Vorbildern wie „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Sieben“ zu orientieren, gerät „Erlöse uns von dem Bösen“ in seiner Tiefgründigkeit derart intensiv, dass man sich vor ein paar Jahren durchaus hätte vorstellen können, den Streifen in Oscar-Kategorien wie „Bestes Drehbuch“ oder „Bester Hauptdarsteller“ wiederzufinden. So stellt der Film wohl „lediglich“ eine der besten Horrorgeschichten des Jahres und zeigt auf, dass das Genre – trotz wiederkehrender Prophezeiung – noch lange nicht dem Untergang geweiht ist. Der Alltag des New Yorker Polizisten und Familienvaters Ralph Sarchie (Eric Bana) gerät jäh aus den Fugen, als es im Big Apple zu einer Reihe mysteriöser Verbrechen kommt. Gemeinsam mit seinem Partner Butler (Joel McHale) begibt sich Ralph auf die Spur vermeintlich religiös motivierter Morde, die ihren Ursprung einst im Irakkrieg fanden und sich nun in New York ausbreiten. Dabei stößt der Detective nicht nur an seine körperlichen und physischen Grenzen, sondern trifft alsbald auf den Exorzisten und Priester Mendoza (Édgar Ramírez), der behauptet, all diese Ereignisse seien nicht etwa irdischen, sondern dämonischen Ursprungs. Ralph, mittlerweile selbst an Visionen leidend, bleibt nichts anderes übrig, als sich notgedrungen mit Mendoza zusammenzutun und dem Bösen mithilfe von Weihwasser und Kruzifix gegenüberzutreten. Das Neunzigerjahre-Genrekino lässt grüßen Wer glaubte, ein Exorzismusfilm funktioniere die meiste Zeit bloß über hektisches Geschrei, überbordende Effektgewitter und viel, viel Blut, den belehrte im vergangenen Jahr bereits James Wans „Conjuring - Die Heimsuchung“ eines Besseren, der sich des Themas mit dem nötigen Fingerspitzengefühl annahm und der eigentlichen Teufelsaustreibung gerade einmal wenige Minuten der Gesamtlaufzeit widmete. Auch „Erlöse uns von dem Bösen“ hat trotz des verstärkt dämonisch geprägten Marketings wesentlich mehr zu bieten als einen halbgaren Schocker und präsentiert sich vor allem in der ersten Hälfte als düsterer Thriller, der sich erst spät in übersinnliche Gefilde begibt. Im Mittelpunkt steht Hollywoodstar Eric Bana („Lone Survivor“) in der Rolle des NYPD-Officers Ralph. Nicht nur, dass dem Mimen die Figur des grobmotorischen Cops schon visuell äußerst gut zu Gesicht steht, auch der Charakter erhält mithilfe genauer Dialoge und gezielter Einblicke in sein Privatleben ein markantes Profil. Bana verleiht seiner Rolle eine enorme Tiefe und sorgt so dafür, dass dem Publikum der Verbleib des Hauptcharakters ab Filmbeginn am Herzen liegt. An seiner Seite agiert „Community“-Schönling Joel McHale, der sich abseits seiner bislang vornehmlich innehabenden Schönwetter-Rollen erst einmal beweisen muss und dessen bemüht ruppiges Auftreten zunächst etwas befremdlich wirkt. Doch auch ihm gelingt durch glaubwürdiges Spiel das Formen einer interessanten Figur, die leider weniger von starken Dialogen profitieren kann als Bana. Édgar Ramírez („The Counselor“) verleiht seiner Rolle des Priesters Mendoza eine beachtliche Würde und erscheint entgegen vieler seiner Genrekollegen weder abgehoben, noch bemüht bedrohlich. Gerade dieser Faktor verhilft „Erlöse uns von dem Bösen“ zur für den Film so wichtigen Glaubwürdigkeit, die im Exorzismus-Genre normalerweise eher weniger im Vordergrund steht. Sowohl den Haupt-, als auch den durchweg ordentlich aufgelegten Nebendarstellern wird die Ehre zuteil, ein beeindruckendes Skript mit Leben zu füllen. Wie schon in seinen Vorwerken zeichnet auch hier Scott Derrickson himself für das Drehbuch verantwortlich, das auf den Aufzeichnungen eines New Yorker Polizisten basiert. Obgleich sich (wieder einmal) die Frage stellt, wie viel PR und wie viel Wahrheit tatsächlich in dieser Aussage steckt, setzt „Erlöse uns von dem Bösen“ wenig auf horrorfilmtypische Effekthascherei, sondern konzentriert sich auf ein ausgewogenes Storytelling, was einmal mehr zur Bodenständigkeit der Story beiträgt. Bereits die ersten zwanzig Minuten, die sich vor der nächtlichen Kulisse eines Zoos in der Bronx abspielen, sind beachtlich einnehmend und profitieren von dem ungewöhnlichen Setting. Erzählt wird von vermeintlich ganz normalen Ermittlungen in einem obskuren Fall von Kindsmord. Erst nach und nach werden unerklärliche Ereignisse zutage gefördert, denen sich die Cops Sarchie und Butler mit einer Mischung aus „Akte X“-Euphorie und zurückhaltender Furcht annehmen. Dabei verlässt sich Derrickson vor allem in der ersten Filmhälfte noch ein wenig zu oft auf abgestandene Genre-Klischees: Wenn gleich in mehreren Szenen kein Monster, sondern ein harmloses Tier für unheimliche Geräusche zuständig ist, gerät die Szenerie zuvor zwar unheimlich, der Schock erweist sich dafür als umso billiger. Das alles beraubt „Erlöse uns von dem Bösen“ dennoch nie um Atmosphäre. Kameramann Scott Kevan („Underworld: Awakening“) kleidet den Film in bedrohliche, manchmal etwas zu dunkle Bilder und Christopher Youngs Gänsehaut provozierende Disharmonien lassen Erinnerungen an „Sinister“ wach werden. Dabei steht dem Horrorthriller die Blockbuster-Herkunft aus der Produktionsschmiede von Jerry Bruckheimer ("Lone Ranger") nicht immer gut zu Gesicht; ein wenig kleiner und dreckiger hätte der Streifen gern daherkommen dürfen. Mit der Zeit findet „Erlöse uns von dem Bösen“ immer mehr zu seiner Form und wird mit fortschreitender Dauer sukzessive um unerklärliche Ereignisse reicher, die sich jedoch nicht in Gänze von weltlichen Tatsachen weg bewegen. Verärgerten diverse Auflösungen moderner Horrorfilme in der Vergangenheit aufgrund hanebüchener Theorien und finaler Erklärungen, bleibt „Erlöse uns von dem Bösen“ weitestgehend realitätsnah und fesselt damit umso mehr, als sich vornehmlich auf Jump-Scares verlassende Genrekollegen. Einige Logiklöcher, die bisweilen das realistische Handeln der Figuren infrage stellen, zum Trotz, besitzt der Streifen eine plausible Dramaturgie, die in ein krachendes Finale mündet, das in seiner Konsequenz überzeugt und trotz eines harschen Tonfallwechsels im Vergleich zur Resthandlung nicht abgehoben wirkt. Ebenjener Schlussakt erweist sich gar als großes Highlight; besticht er doch aufgrund von tollen Effekten (einschließlich Effekt-Make-Up) und triumphal aufspielenden Darstellern. So steigert sich „Erlöse uns von dem Bösen“ bis zur aller letzten Minute und sorgt somit nicht nur für durchgehende Unterhaltung, sondern entlässt das Publikum zudem mit einem Knall aus dem Kinosaal. Fazit Auch wenn sich Scott Derrickson seinen Film an manchen Stellen ein Stück weit selbst kaputt macht, indem er abgestandenen Klischees nicht zur Genüge variiert, unterstreicht der Filmemacher mit „Erlöse uns von dem Bösen“ einmal mehr sein Image als begnadeter Horror-Regisseur. Vor beachtlicher Atmosphäre und mit tollen Darstellern bestückt, erzählt der Film eine ebenso abwechslungsreiche wie spannende Geschichte, die nicht ganz an den Überraschungseffekt von „Sinister“ heranreicht, dafür den Charme der Neunziger-Thriller wieder aufleben lässt und Lust darauf macht, die Filme dieser zeitlosen Dekade noch einmal Revue passieren zu lassen.

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  • 29-07-2014
  • googlenewsKino

„The Purge 2: Anarchy“: Im Gespräch mit Jason Blum

Zum Start des Thriller-Spektakels "The Purge 2: Anarchy" hatte IOFP die Gelegenheit, Filmproduzent Jason Blum in Berlin zum Interview zu treffen. Seht das Gespräch im Video. Der gebürtige Kalifornier Jason Blum, der sich mit seiner Produktionsfirma Blumhouse Productions auf die Veröffentlichung von Low-Budget-Horrorfilmen spezialisiert, begann seine Karriere mit kleineren Arthouse-Produktionen, ehe er 2008 als ausführender Produzent an der Oscar-prämierten Bestsellerverfilmung "Der Vorleser" beteiligt war. Parallel zu den Komödien "Zufällig verheiratet", "Zahnfee auf Bewährung" sowie einigen Projekten für das US-Fernsehen entdeckte er das Horror-Genre für sich und widmete sich alsbald schmalbudgetierten Produktionen. Seit 2007 agiert er hinter den Kulissen der "Parnaormal Activity"-Reihe, produziert sämtliche Filme des "Insidious"-Franchise, begeisterte Kritiker mit der Dämonen-Story "Sinister" und machte selbige 2013 mit dem Überraschungshit "The Purge - Die Säuberung" auf sich aufmerksam, in welchem James deMonaco eine düstere Zukunftsvision auf die Leinwand bringt. In dieser ist es der amerikanischen Bevölkerung einmal im Jahr erlaubt, ungehemmt zu morden, ohne eine Strafe zu fürchten. Jason Blum, bekennender Horrorfan und passionierter Filmemacher verrät im Interview, wie er zum Genre kam, was uns in der Thriller-Fortsetzung "The Purge 2: Anarchy" erwartet und für wie realistisch er ein Säuberungsszenario wirklich hält. Klickt Euch ins Interview mit dem Produzenten: Werdet Ihr Euch "The Purge 2: Anarchy" anschauen und wie hat Euch der erste Teil gefallen? Schreibt es uns in den Kommentaren.

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  • 05-03-2019
  • Archiv (nicht mehr nutzen)Reviews & Meinungen

Fifa Ultimate Team – Trading kurz erklärt

Was ist Trading? Das ist die Frage, die sich viele neue Ultimate Team-Spieler fragen, wenn sie noch nicht lange dabei sind. Um es ganz einfach zu erklären: Beim Trading ( oder auf Deutsch „handeln“) versucht ihr im Falle von Fifa, Spieler günstig zu erwerben und gewinnbringend zu verkaufen. An sich klingt das ganz einfach, jedoch muss man gewisse Strategien nutzen oder sich neue ausdenken.   Beispiel: Eine Taktik wäre es zum Beispiel, Events zum eigenen Vorteil zu nutzen. So gibt es jeden Monat eine neue Squad Building Challenge, in welcher immer ein neuer Spieler thematisiert wird, der aktuell sehr gut in Form ist. Diese Methode erfordert auch etwas Glück, denn ihr müsst voraussagen, welcher Spieler es sein wird. Erwerbt ihr nun die normale Karte von ihm im Voraus, könnt ihr diese zum Event Beginn mit bis zu zehnfachem Gewinn verkaufen. Dies liegt einfach daran, dass er gebraucht wird, um die SBC zu vollenden und die Nachfrage aufgrund dessen rapide steigt.   Konventionelle Methoden Dann gibt es natürlich auch einfachere Methoden, wie zum Beispiel das „Fluten“. Dabei kauft ihr einen Spieler mit einem Wert von ca. 800 Coins 10-20 Mal und stellt ihn dann erneut rein für 1500. Durch diese „Flut“, die dann entsteht, finden suchende Spieler diesen mehrfach für den Preis von 1500 Münzen. Die Chance steht nun hoch, dass sie ihn erwerben. So entsteht pro Welle ein Absatz von 3-5 Spielern, die euch 2100-3500 Münzen Gewinn in die Kasse spülen. Diese könnt ihr dann immer nachkaufen und so mit eurem Spieler-Arsenal den Markt bereichern. Oder Ihr schaut auch mal bei Casino Deutschland vorbei. Natürlich könnt ihr auch einfach versuchen, morgens auf Spieler zu bieten. Da dort viel weniger Spieler als Abends online sind, könnt ihr auch dort ein paar Schnäppchen machen und diese gewinnbringend verkaufen.   Startkapital Damit ihr aber zu Beginn auch schon ein paar Münzen habt, müsst ihr natürlich ein Startkapital mitbringen. Dies sollte mindestens 20.000 betragen, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wollt ihr euch den Startbetrag nicht mühsam erspielen, könnt ihr auch bei Startselect vorbeischauen. Dort könnt ihr PSN Guthaben für faire Preise erhalten und so schnell und bequem eure Fifa Points aufladen. Außerdem gibt es dort ebenfalls so manches Schnäppchen, wie aktuell das Google Play Guthaben Promo Angebot.

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  • 29-08-2018
  • Reviews & Meinungen

Diese Poker-Überzeugungen werden Ihnen Gänsehaut bereiten

Es gibt unzählige Geschichten und Aberglauben über Video Poker. Der Glaube an "heiße Streifen" und "Casinos, die die Spiele reparieren" ist reichlich vorhanden - aber die meisten, wenn nicht alle, sind falsch oder missverstanden. Wenn Sie nicht möchten, dass wir Ihre Blase platzen lassen, lesen Sie diesen Abschnitt nicht. Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen, lesen Sie weiter. Der berüchtigte Random Number Generator (RNG) Der Schlüssel zum Verständnis, wie legitime, klassische Class III Video Poker Spiele funktionieren, ist das Verständnis der Rolle und Funktion eines Zufallsgenerators. Dies bezieht sich auf Spiele wie IGT's Game King und Triple-Play Poker, die Sie übrigens bei spielen können. Der RNG ist das am härtesten arbeitende Gerät, das bekannt ist, und sorgt jedes Mal für ein faires Spiel. Es liegt in seiner alleinigen Verantwortung, das Kartenspiel mit 52 Karten (oder 53 in Joker Poker) ständig zu mischen. Diese manische Aktivität geht weiter und weiter, bis Sie den "Deal" -Knopf drücken. Wenn Sie auf die Schaltfläche "Deal" klicken, zeigt das Gerät zu diesem Zeitpunkt die 5 Karten ganz oben auf dem Stapel an. Der RNG arbeitet die ganze Zeit. Vierundzwanzig Stunden am Tag. Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr. Dann mischt er die restlichen 47 Karten (oder 48 in Joker Poker) weiter, bis Sie den Deal-Button drücken und die aussortierten Slots mit dem gefüllt sind, was sich zu diesem Zeitpunkt oben auf dem Deck befindet. Es ist diese streng regulierte und genau überwachte Technologie, die alle Spiele fair und mathematisch vorhersagbar macht. Es gibt kein "Muster" und keine Strategie dafür, wie es funktioniert - es wechselt einfach ständig zufällige Kartenkombinationen herum, bis Sie "Draw" und "Deal" treffen. Es ist einer der Schlüssel zum legalisierten Glücksspiel: Es versichert den Aufsichtsbehörden, dass Casinos faire Spiele anbieten und versichert Ihnen, dass Sie ein "legitimes" Spiel spielen. "Heiße" und "kalte" Maschinen Nee. Keine solche Sache. Mathematisch sowieso. Ich hatte sicherlich einen Teil meiner Sessions, bei denen ich nicht aus Liebe oder Geld vier Gleiche gewinnen konnte, aber das waren meine GEFÜHLE, nicht die tatsächlichen Abläufe der Maschine. Ich habe zu verschiedenen Zeiten geredet, geschrieen und Maschinen angefleht, aber sie hören einfach nicht besser zu als mein halbwüchsiger Sohn, wenn ich möchte, dass er sein Zimmer aufräumt. Die tatsächliche Temperatur einer Maschine wird am besten bestimmt, NACHDEM Sie mit dem Spielen aufgehört haben - wenn Sie über Ihre Session nachgedacht haben und hoffentlich weggelaufen sind oder Ihr Budgetlimit überschritten haben. Alle Video Poker Maschinen werden von einem Zufallszahlengenerator gesteuert und jede mögliche Kartenkombination kann zu jeder Zeit auftreten. Es gibt 2,6 Millionen einzigartige Video Poker Kartenkombinationen, die auftreten können. Da es so viele Kombinationen gibt, sieht man selten viele großartige Kombinationen in derselben Sitzung, aber es ist großartig, wenn man das tut. Die Maschine ist "fällig" Wie oben erklärt, gibt es so etwas leider nicht. Es fühlt sich sicher so an, als ob Sie eine miserable Pechsträhne haben, aber es ist nicht so. Es scheint noch wahrscheinlicher zu sein, dass man "fällig" ist, wenn man immer wieder drei Asse bekommt, aber dieses vierte Ass kann man nicht bekommen. Dieser RNG durchbricht alle Kombinationen und, leider, ist die einfache Wahrheit, dass es in 52 Karten mehr Verlustkombinationen gibt, als es gewinnende gibt.

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  • 22-05-2018
  • Reviews & Meinungen

Fernsehen: Zukunft oder Vergangenheit

Eine Frage, die sich viele kluge Köpfe in der Medienbranche stellen. Wie lange wird sich das Fernsehen noch halten? Natürlich lieben wir alle die abendliche Unterhaltung. Doch die Konkurrenz wird immer stärker. Als das Fernsehen seinen Einzug in die Gesellschaft erhielt, bestand es aus einem krisseligen, kaum zu erkennenden Schwarzweißbild in einer dicken Röhre. Man nutzte es hauptsächlich, um informiert zu bleiben, genau wie das Radio. Doch die Menschheit entwickelte sich. Damit auch die Technik, mit der sich verschiedenste Dinge übertragen ließen. Bald wollte man sich nicht mehr einfach informieren. Man wollte eine gute Zeit vor der Röhre haben. Deshalb entwickelten sich verschiedenste Sender, die auch vom normalen Programm abwichen und keinen Bildungsauftrag mehr hatten, sondern sich pure Unterhaltung auf die Fahne geschrieben haben. Das war ein echter Boom für die Unterhaltungs und Werbeindustrie. Hollywood produzierte tausende Filme nach Schema X und machte Millionen Dollar mit Produktplatzierungen, Schleichwerbungen und Werbeschleifen. Mittlerweile gibt es sogar ganze Sender, welche 24/7 nur Werbung ausstrahlen. Im Jungel der Anbieter und Ausstrahlungen kann man leicht die Übersicht verlieren. Genau so wie auf den verschiedensten Online Casino Seiten die momentan angeboten werden. Wenn man sich aber im Vorraum auf novoline orientiert, kann einen dies nicht verwirren. Beim Fernsehen ist es leider anders immer mehr Produktionen versuchen so billig wie möglich das stümpfste Unterhaltungsmaterial zu schaffen. Wenn man sein Auge auf die verblödeten Konzepte verschiedenster RTL-Sendungen richtet, wird einem schnell klar, wohin das Fernsehen steuert. Es scheint sich um ein sinkendes Schiff zu handeln. Amazon Prime, Netflix, oder meinetwegen auch illegale Streaming Seiten. Sie alle Bieten besseren Service als die besten Fernsehsender und trotzdem machen sie wahrscheinlich noch mehr Geld dabei. Selbst Formate bei denen jeder mit Erfolg gerechnet hätten, wie die neue Latenight Show von Klaas Heufer Umlauf scheinen nicht wirklich zu starten. Joko Winterscheid, sein ehemaliger Co Moderator hat sogar in eine Zeitschrift anstatt in ein neues Fernsehformat investiert. Joko Winterscheids Druckerzeugnis ist die Antwort auf die Frage nach der Zukunft des Fernsehens. Wenn jemand Retro bleiben will und sich nicht den leichten Reizen von Netflix und Co hingeben will, dann holt er sich doch lieber eine Zeitschrift am Kiosk, als sich mit dem fernsehen zu beschäftigen. Die Flimmerkiste ist uncool, was für alte Leute. Genau wie Facebook. Mittlerweile muss man sogar in seiner privaten Unterhaltung auf den Style achten. Niemand redet mehr über Serien, die er irgendwann mal im Fernsehen gesehen hat, Streaming ist die Zukunft! Alle wollen alles immer haben. Das geht nur mit dem Internet. Doch wo bleibt in diesem Moment das live Spektakel. Das zusammen mit anderen gleichzeitig mitfiebern. Selbst das wird im Internet mehr gefeiert als im altbekannten Fernsehen. So Verdienen sogenannten Twitch Livestreamer Millionen von Euro durchs live Zocken.

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