Blu-ray-Kritik: Lost Place

Fragt man Heimkinogucker nach einem guten deutschen Horrorfilm um Rat, so würde den meisten vermutlich nicht einmal ein einziger einfallen. Das Vorurteil, die Deutschen könnten keine vernünftigen Horrorstreifen produzieren, hält sich nach wie vor hartnäckig. Mit Lost Place will man nun diesem Vorurteil ein Ende bereiten, ob dies gelungen ist verraten wir euch in unserer Kritik.

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Geocaching ist eine Art virtuelle Schnitzeljagd bei der man mit Hilfe eines GPS-Gerätes besondere Punkte aufspüren und vor Ort dann Rätsel lösen muss, dessen Antworten einen dann zu einem neuen Ort führen. Der 17-jährige Daniel (François Goeske) und die gleichaltrige Elli (Jytte-Merle Böhrnsen) sind große Fans solcher Schatzsuchen für das 21. Jahrhundert. Die beiden haben sich in einem Internetchat kennengerlernt und führen ihre erst gemeinsame Schatzsuche zusammen mit ihren Freunden Thomas (Pit Bukowski) und Jessica (Josefine Preuß) durch. Die beiden Begleitet sind allerdings nur gezwungenermaßen und eher passiv bei der Sache.

Die Suche nach neuen Hinweisen führt die vier in ein abgesperrtes Gebiet mitten im Pfälzer Wald. Nach erfolgreichem Fund des Finalen ´Schatzes´ wollen sich die abenteuerlustigen Teenager eine entspannte Zeit in dem abgelegenen und ruhigen Wäldchen machen. Als der Gruppe jedoch plötzlich ein Mann (Anatole Taubmann) in einem Strahlenschutzanzug gegenüber steht, wissen die vier das hier in etwas sehr bedrohlichem gelandet sind…

Blu-ray-Kritik Lost Place Bild 02

Nicht wer sondern was.

Lost Place ist ein sichtlich hochwertig produzierter Horrorfilm aus deutscher Hand. Naturaufnahmen sowie düstere Szenarien kommen besonders auf dem detaillierten Bildmaterial der Blu-ray Disc zum Vorschein. Schon seit der ersten Minute wird der Film von einem permanent düsteren Soundtack untermalt, so dass der Zuschauer nicht umhin kommt zu ahnen das sich etwas sehr unheilvolles zusammen braut.

Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Klein hat sich für sein Regiedebut etwas äußerst innovatives einfallen lassen. In diesem Horrorfilm sucht man massenmordende Einzelgänger wie den Kettensegenmörder vergebens. Bei dem Antagonisten handelt es sich hierbei nämlich nicht um eine Person sondern um das abgesperrte Gebiet selbst, dieses wurde in den frühen Jahren des Kalten Krieges nämlich vom amerikanischen Militär für diverse Testversuche verwendet… mit einigen Nebenwirkungen.

Ebenfalls konzentriert sich der Film auf einen überschaubaren Cast, welcher zumeist nur aus den vier Teenagern und zwei bis drei weiteren Darstellern besteht. François Goeske (Besser als nix), Jytte-Merle Böhrnsen (Schutzengel) und Pit Bukowski (Der Samuari) können bereits einige Filmprojekte vorweisen, dennoch werden sie in den meisten Szenen von Josefine Preuß (Die Pilgerin) und ihrem schauspielerischem Talent sichtlich in den Schatten gedrängt. Die 28-jährige tritt in diesem Film zwar nur in einer Nebenrolle auf doch sobald sie auf dem Bildschirm zu sehen ist nimmt sie sämtliche Präsenz für sich ein. Zu guter letzt bringt Anatole Taubmann (Casino Royale) mit seinem kurzen Gastauftritt ein wenig Hollywood-Flair in diese deutsche Produktion.

Horror mit Zulagen.

Nach Ablauf der rund 101 Minuten vom Hauptfilm kommen zufriedenen Zuschauer noch ein wenig weiter in den Genuss des Filmes, denn in den Bonus-Features finden sich nochmal weitere 100 Minuten Extramaterial, darunter Interviews mit den Schauspielern, entfallene Szenen, Aufnahmen des Soundtracks sowie ein Video-Tagebuch. Abgerundet werden diese Extras durch eine ganzen Reihe von anderen Filmtrailern mit denen Anregungen für kommende Filmanschaffungen gefunden werden können.

Desweiteren sollte unbedingt die Seite des Soundeffektes und des Soundtracks positiv hervor gehoben werden. Immerhin gehört Lost Place zum ersten Film, welcher eine neue Surround-Sound Technik namens Dolby Atmos einsetzt und bei der der Zuschauer mit mehreren Boxen von allen Seiten mit der permanent finsteren Hintergrundmusik beschallt werden kann. Zusätzlich einsetzende Soundeffekte bei Jumpscare-Momenten tragen da ihr übriges zu bei. Zudem wurde dieser Gruselstreifen mit einer Red-Epic-Kamera gedreht, welche auch schon bei Peter Jacksons ´Der Hobbit´-Trilogie zum Einsatz kam. Um das ganze technisch komplett zu machen kann Lost Place wahlweise auch in einem akzeptablem 3-D abgespielt werden.

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Fazit

Wer bei diesem Horrorfilm ein Blutbad und klassisch sterbende Teenager erwartet, der wird bei Lost Place teilweise enttäuschend werden. Wer jedoch mal einen durchdachten, hochwertig produzierten Gruselstreifen aus deutscher Feder sehen möchte, der wird mit diesem Film auf seine Kosten kommen. Lost Place ist eine beispielhafte, für Deutschland mutige Filmproduktion, welche zwar mit ein paar kleinen Story-Holpern daher kommt, jedoch auch zeigt dass Film-Deutschland sehr wohl annehmbare Horrorfilme produzieren kann.

  • Phillip R.
  • 6. Mai 2014
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  • 30-10-2014
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Gewinnspiel: „Irre sind männlich“

Zum Heimkinostarts der herzlichen Komödie "Irre sind männlich" verlost IOFP tolle Preise. Schnell die Quizfrage beantworten und einen der tollen Preise absahnen! Als Daniel (Fahri Yardim) wegen seiner krankhaften Eifersucht von Mia (Josefine Preuß) verlassen wird, legt sie ihm eine Therapie nahe. Sein bester Freund Thomas(Milan Peschel) nimmt aus Solidarität mit ihm an einer Familienaufstellung teil und entdeckt dabei einen willkommenen Nebeneffekt: Mit falschem Namen und erfundenen Problemen lassen sich von den beiden Therapietouristen reihenweise Frauen abschleppen. Auf einem Wochenendworkshop der Psycho-Koryphäe Schorsch Trautmann (Herbert Knaup) kommt die therapiesüchtige Anwältin Sylvie (Marie Bäumer) den beiden auf die Schliche. Von nun an werden die Sitzungen zur postkoitalen Belastungsprobe und das erklärte Ziel, die bekannte Schauspielerin Bernadette (Peri Baumeister) flach zu legen, rückt immer mehr in weite Ferne. IOFP.de zog zum Heimkinostart von „Irre sind männlich“ das Fazit, dass der Streifen gekonnt mit den Konventionen der Durchschnitts-RomCom zu kokettieren weiß. Zusammen mit den Darstellern ergibt sich so das Bild einer deutschen Komödie, wie es sie nur alle Jubeljahre mal zu sehen gibt. Damit sich unsere Leser selbst davon überzeugen können...  ... verlosen wir zweimal die DVD zum Film! Ihr wollt Euch "Irre sind männlich" auf gar keinen Fall entgehen lassen? Dann schnell folgende Frage beantwortet und die Lösung mit dem Betreff "Mauern" an win@iofp.de geschickt. Wer führte Regie bei "Irre sind männlich"? Teilnahmebedingungen: Der Einsendeschluss ist der 06.11.2014 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Pro Teilnehmer ist nur eine Mail / Einsendung gestattet. Mitarbeiter von iofp/ingame sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

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  • 21-08-2014
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Heimkino-Tipp: „The LEGO Movie“

Ein Film aus Bauklötzen? Ist das nicht total retro? Und wie! Und genau deshalb ist "The LEGO Movie" ein solches Erlebnis! Zum Heimkino-Start hat IOFP den kunterbunten Animationsspaß aus dem Hause Warner Bros. Animation für Euch gesehen und ist hellauf begeistert. Die Konkurrenz im seit Jahren tobenden Kampf um den Titel „erfolgreichstes Animationsstudio der Welt“ hat ab dieser Woche einen neuen Kandidaten hinzugewonnen. Während Pixar qualitativ nach wie vor das Maß aller Dinge ist und Walt Disney mit "Die Eiskönigin – Völlig unverfroren" derzeit den meistgesehenen Vertreter stellt, nehmen vor allem Illumination ("Ich – Einfach unverbesserlich 1 und 2") sowie die für "Ice Age" und "Rio" verantwortlichen Blue Sky Studios merklich die Verfolgung auf. Und selbstredend wird auch Dreamworks Animation weiterhin mitmischen; bereits im Sommer dieses Jahres erscheint der zweite Teil der hochgelobten "Drachenzähmen leicht gemacht"-Reihe. Um die Animationsschmiede Warner Bros. Animation entbrannte nie der Hype, der seinen Mitbewerbern vergönnt war. Zu den einzigen großen Hits von WBA gehörten bislang hauptsächlich "Space Jam" und "Looney Tunes: Back in Action" – letzterer liegt mittlerweile 11 Jahre zurück. So sah sich Warners Animation-Factory lieber in der Gestaltung bekannter Serien und ließ das Spielfilm-Segment über ein Jahrzehnt fast beiseite. Um sich mit "The LEGO Movie" in diesem Jahr mit einem Knall zurückzumelden. In den USA hielt sich das dreidimensionale Filmerlebnis wochenlang auf Platz eins der Kinocharts und spielte bei einem Budget von rund 60 Millionen US-Dollar fast das Siebenfache wieder ein – bislang. Die Einnahmen aus dem Merchandising und der DVD-Auswertung stehen noch aus. Der Erfolg der kleinen Steinchen Verwunderlich ist dieser Erfolg keineswegs. Seit der Firmengründung 1932 gehören die Sets und Bausteine des dänischen Konzerns LEGO zu den meistverkauften Spielwaren weltweit. Als Kind mündete die Entscheidung „Lego oder Playmobil?“ rasch in einen Gewissenskonflikt – und hielt schließlich ein Leben lang. Auch die mit viel Fanliebe selbst gedrehten Videos, bei Youtube derzeit rund 10.000.000 an der Zahl, erfreuen sich vor allem bei der älteren Generation einer immensen Beliebtheit. Sich dessen bewusst, kreierten die Regisseure von "The LEGO Movie", Phil Lord und Chris Miller ("22 Jump Street") eine dem Geschmack des LEGO-Fandoms entsprechende Welt, in der die Fantasie keine Grenzen kennt. Zu 100 Prozent aus (virtuellen) Legosteinen gebaut und mit seiner perfekt aufeinander abgestimmten Mischung aus Stop-Motion- und CGI-Technik lassen die Filmemacher den Traum eines jeden LEGO-Nerds wahr werden: "The LEGO Movie" sieht aus wie von Hand gebaut und live bespielt. Emmet (gesprochen von Patrick Schröder) ist ein ganz normaler, völlig durchschnittlicher Typ, der stets all die Regeln befolgt, die ihm der regierende Lord Business vorgibt. Durch ein Missverständnis hält ihn die rebellische Lucy alias Wyldstyle (gesprochen von Claudie Urbschat-Mingues) für „den Besonderen“ – einen außergewöhnlichen Helden, der als Einziger die Welt retten kann. Begleitet von einer Gruppe von Fremden, startet Emmet eine gewaltige Mission: Wird er es rechtzeitig schaffen, dem über alles herrschenden Tyrann Lord Business das Handwerk zu legen und die Welt vor ihrem immerwährenden Stillstand zu bewahren? Prominente LEGO-Fans In einem unterscheiden sich die US-amerikanische Fassung von der, die hierzulande in den Kinos gezeigt wird: die Promidichte unter den Synchronsprechern aus Übersee ist enorm. So kann "The LEGO Movie" in den USA im Gegensatz zu Deutschland zwar nicht mit dem Original Batman-Sprecher aufwarten (David Nathan ist in seiner Paraderolle einmal mehr hervorragend aufgelegt), doch mit Jonah Hill, Channing Tatum, Colbie Smulders, Elizabeth Banks, Morgan Freeman, Liam Neeson und Will Farrell als Oberschurke Lord Business ist das kunterbunte Baustein-Abenteuer ein einziges Schaulaufen von Hollywoods A-Riege. Auf deutschem Boden wird man jedoch nicht etwa mit einer schnöden Mittelklasse-Synchronisation abgespeist. Zwar ist selbst David Nathan allenfalls dem durchschnittlichen Synchro-interessierten Zuschauer ein Begriff; trotz ihres nicht vorhandenen Promi-Status machen sämtliche am deutschen Voice-Over beteiligten Sprecher einen großartigen Job. Patrick Schröder (u. A. Michael Sheen, John White) verleiht seinem Emmet, dem Paradebeispiel eines unauffälligen Durchschnittstypen, die perfekte Mischung aus Skepsis und Abenteuerlust, während Claudia Urbschat-Mingues (u. A. Jada Pinkett Smith und Jennifer Connelly) mit ihrer Stimme ordentlich rebellisch sein darf. Vor allem durch das Weglassen modern gewordener Promi-Sprecher bleibt der Fokus auf den Figuren selbst. Da braucht es keinen Manuel Neuer, keinen Boris Becker oder Roberto Blanco. Visuell spielt "The LEGO Movie" offenkundig in einer gänzlich anderen Liga als "Die Monster Uni" und Co. Nachdem das Animationsstudio Laika Animations 2012 mit "ParaNorman" die Stop-Motion-Technik wiedererweckte und Disney ein Jahr später mit "Frankenweenie" nachzog, bauen nun auch Phil Lord und Chris Miller auf den Retro-Look. Im Stile der eingangs erwähnten LEGO-Fanvideos lassen die Animatoren der australischen Firma Animal Logic (erweckten bereits "Happy Feet" und "Die Legende der Wächter" zum Leben) ihre LEGO-Männchen so über die Leinwand jagen, als hätte man diese Bild für Bild montiert. Dass der Film eigentlich aus dem Computer stammt, ist für das durchschnittliche Auge nur dann zu erkennen, wenn das Staunen über die komplexe Arbeit Überhand nimmt. Kurzum: Irgendwann muss einfach die digitale Technik nachgeholfen haben. Dieser ganz besondere Look Den über alle Maße beeindruckenden Bildern tut das Zurückgreifen auf computergenerierte Effekte jedoch keinen Abbruch: Die Welten, in die uns "The LEGO Movie" in seiner perfekt ausgenutzten Laufzeit von rund 100 Minuten entführt, sind von solch einem Detailreichtum, dass vor allem den LEGO-Konstrukteuren unter den Kinogängern der Mund offen stehen bleibt. Eines der Highlights bildet ein (selbstverständlich) ausschließlich aus LEGO-Steinen gebautes Meer; die unterschiedlichen Blau-Töne und sogar die einzelnen Schaumkronen, die sich wellenförmig ausbreiten, lassen in einem bisweilen den Wunsch aufkommen, mit solch einer Kreativität gesegnet zu sein, wie es augenscheinlich die verantwortlichen Animations-Designer sind. Perfekt gleichen sich atemberaubende Kulissen, die an fertige Bausets erinnern, mit denen aus, die auf den ersten Blick wahllos zusammengesetzt wurden. Doch der Schein trügt: Im hier erschaffenen Filmuniversum hat jeder Baustein seinen Sinn. Anders als in den USA kritisiert ist "The LEGO Movie" nicht die erwartete Selbstbeweihräucherung oder gar der raffinierte Werbe-Schachzug seitens des dänischen Spielekonzerns. Der Film ist eine Ode an die Kreativität. Nicht umsonst sorgt das Wort „Anleitung“ unter unseren gelben LEGO-Freunden im Film regelmäßig für Angst und Schrecken. "The LEGO Movie" lässt Themenwelten verschwimmen und überlässt es schlussendlich dem Zuschauer, seine ganz eigene LEGO-Welt zu kreieren. So kommt es auch, dass der Film sich nicht explizit an eine Altersgruppe richtet. Erst recht nicht an die augenscheinlich anvisierte der Unter-12-jährigen. Vor allem auf der Humor-Ebene ist "The LEGO Movie" erstaunlich erwachsen. Meta-Humor und solcher, der ein gewisses popkulturelles Vorwissen erfordert, sorgen ganz sicher nicht für Kinderlachen. Doch dies ist kaum von Bewandtnis; sind die Jüngeren unter den Zuschauern doch viel zu sehr damit beschäftigt, über wohldosierten Slapstick zu lachen und die faszinierenden Welten zu bestaunen. Fazit "The LEGO Movie" erweist sich als klarer Anwärter auf den Titel „Bester Animationsfilm 2014“. Um es mit den Worten von Emmet zu sagen: Hier ist alles super!

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  • 03-05-2014
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Filmkritik: „Nächster Halt: Fruitvale Station“

Wenn Fremdenhass und Polizeiwillkür aufeinandertreffen, ereignet sich das, was in der Silvesternacht 2008/2009 an der U-Bahnstation Fruitvale passierte. Damals erschoss ein weißer Polizist einen Schwarzen. Regisseur Ryan Coogler setzt dem Opfer mit seinem Drama "Nächster Halt: Fruitvale Station" nun sein filmisches Denkmal. Ohne auf Biegen und Brechen Wut zu schüren, dafür umso ergreifender gelingt dem Filmemacher ein großartiges Biopic. Das Schicksal des mit 22 Jahren Polizeiwillkür und Fremdenhass zum Opfer gefallenen Oscar Grant kennt in den USA so gut wie jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Rassismus und Gewalt gegen Schwarze auseinandersetzt. Der sich in der Silvesternacht 2008/2009 an der Underground-Station Fruitvale ereignete Vorfall ließ die schwarze Gesellschaft schockiert zurück und gab der unkontrollierten Polizeigewalt Weißer gegen Schwarze ein Gesicht. Noch heute pilgern Tag für Tag Tausende Menschen zur Fruitvale Station in Oakland, legen Blumen nieder und gedenken Oscar Grant sowie seiner Witwe und Tochter, die er in dieser verhängnisvollen Nacht allein zurückließ. Der für den tödlichen Schuss auf Grant verantwortliche Polizist plädierte damals auf fahrlässige Tötung – habe er sein Elektroschock-Gerät doch versehentlich mit der Schusswaffe verwechselt. Der Richterspruch: 2 Jahre und 11 Monate Haft. Für viele bis heute unverständlich. Kurzfilm-Regisseur Ryan Coogler setzt dem Opfer in seinem Langfilm-Debüt “Nächster Halt: Fruitvale Station” ein filmisches Denkmal und beweist darin zum einen, dass Spekulationen um eventuelle Oscar-Nominierungen in der vergangenen Award-Saison nicht von ungefähr kamen, zum anderen aber auch, wie wenig Mittel es benötigt, um herzergreifendes Kino zu machen. Die letzten 24 Stunden im Leben des Oscar Grant Als Oscar Grant (Michael B. Jordan) am Morgen des 31. Dezember 2008 aufwacht, spürt er, dass etwas in der Luft liegt. Ohne genau zu wissen, was es ist, nutzt er die Gelegenheit, um endlich seine guten Vorsätze in die Tat umzusetzen: Als Vater, Partner und Sohn möchte er ein besserer Mensch werden. Für seine vierjährige Tochter Tatiana (Ariana Neal), die ihn trotz eines zweijährigen Gefängnisaufenthalts noch immer vergöttert, für seine Freundin Sophina (Melonie Diaz), mit der er nicht immer ganz ehrlich war, und für seine Mutter (Octavia Spencer), die an diesem Silvestertag Geburtstag hat. Freunde, Familie und Fremde kreuzen seinen Weg, doch im Laufe des Tages muss Oscar feststellen, dass Schwierigkeiten und Herausforderungen nicht ausbleiben, wenn man sich selbst und sein Leben verändern will. Von seinem Plan, ein besserer Mensch zu werden, will er sich trotzdem nicht abbringen lassen. Aber soweit kommt es nicht: nach einer fröhlichen Silvesternacht in San Francisco gerät er auf seinem Rückweg im Zug in einen Streit. Vollkommen unerwartet wird er von einem weißen Polizisten erschossen – in der U-Bahn-Station Fruitvale. Mit “Nächster Halt: Fruitvale Station” überrascht Ryan Coogler, der nicht nur auf dem Regiestuhl platznahm, sondern auch das Drehbuch schrieb, gleich auf mehreren Ebenen. Schon bei der Wahl des Hauptakteurs Michael B. Jordan, der mit seinen 27 Jahren perfekt auf die Rolle des nur fünf Jahre jüngeren, realen Vorbilds passt, beweist der Filmemacher Mut. Mit Jordan greift er auf einen Darsteller zurück, dessen Image des Teenie-Schwarms in der Vergangenheit durch Filme wie “Chronicle”, “Red Tails” und “Für immer Single?” unterstrichen wurde. In “Fruitvale Station” schlüpft der Schauspieler nicht nur in eine Figur gänzlich anderer Ausrichtung, sondern verkörpert die dabei auch derart glaubhaft, dass es ihm gelingt, die 85 Filmminuten in Gänze allein zu tragen. Ganz gleich ob Oscar Grant in der Realität tatsächlich ein derartiger Sympathling war, oder ob einige kritische Stimmen Recht behalten und Skript sowie Film dessen Lebensstil beschönigen: Michael B. Jordans nuancierte Spielweise verleiht seiner Figur eine ungeheure Intensität, die das Publikum nach und nach mit einer facettenreichen, ungeheuer interessanten Figur konfrontiert. Im Laufe der Zeit lernt der Zuschauer die Liebenswürdigkeit, aber auch die Schattenseiten Oscar Grants kennen und fühlt sich so schneller als erwartet wie ein enger Vertrauter. Ohne Effekthascherei, intensiv erzählt Zu einer solch intimen Sichtweise trägt vor allem die reduzierte Inszenierung bei. Technische Spielereien hat “Nächster Halt: Fruitvale Station” keine zu bieten. Ludwig Göransson, der bereits Filme wie “Wir sind die Millers” und Serien wie “Community” musikalisch ausstattete, kreiert hier einen solch zurückhaltenden Score, dass er bei all den vielen, emotionalen Eindrücken nahezu untergeht. Passend dazu dreht die so gut wie unbekannte Kamerafrau Rachel Morrison ihren Film fast durchgehend mit der Handkamera. Hochglanzaufnahmen oder ein typischer Hollywoodlook hätten “Nächster Halt: Fruitvale Station” niemals derart gut getan, wie es die unverfälschten, fast dokumentarischen Aufnahmen von Morrison tun. Sogar die obligatorisch gewordenen Aufnahmen von Stadt und Umgebung sind hier keine Lückenfüller, sondern dienen als bewusst gewählte Impressionen der Lebensumstände des Protagonisten. Mit ihrer Kamera stets ganz nah am Geschehen gerät der Einblick in Oscar Grants Leben so nahe und lebensecht, dass einen das Finale umso härter erwischt – auch wenn das Publikum durch Handybilder schon vor dem Vorspann über den Ausgang der Geschichte informiert wird. Gerade dieser inszenatorische Kniff beraubt “Nächster Halt: Fruitvale Station” jedoch auch um ein klein wenig Spannung. Obgleich die Macher die Kenntnis um die Hintergründe und Konsequezen der Geschichte augenscheinlich voraussetzen, hätte es dem Suspenseaufbau gut getan, auf das sehr frühe Verraten des Story-Ausgangs zu verzichten. So könnte sich ein Teil der Zuschauerschaft möglicherweise um eine Art Überraschungseffekt beraubt fühlen. Trotzdem manövriert Ryan Coogler seinen Cast so stilsicher durch die Geschichte, kehrt die einzelnen Charakterzüge so treffend heraus und setzt solch punktgenaue Plot-Akzente, dass der Schlussakt zu einem ungemein nahegehenden Kinoerlebnis gerät. Ganz so, als hätte man gerade von dem Verlust einer einem persönlich nahestehenden Person erfahren. Zusammen mit der absolut perfekt auf den Punkt gewählten Schwarzblende wirkt die Story auch noch Tage später nach. Neben Michael B. Jordon agiert der übersichtliche Cast ebenso berührend. Allen voran Melonie Diaz (“Save the Date”) durchläuft innerhalb der eineinhalb Stunden einen glaubhaften Wandel. Verurteilt sie ihren Lebenspartner zu Beginn noch für dessen Abdriften auf die schiefe Bahn, honoriert sie schließlich dessen Bemühungen darum, ein besserer Mensch zu werden. Das alles innerhalb eines auf knapp neunzig Filmminuten herunter gekürzten Tages glaubhaft darzustellen, ist beachtlich. Nachwuchsaktrice Ariana Neal (“Repentance”) komplettiert das junge Familienglück, während Octavia Spencer (“The Help”) als besorgte Mutter für einige der ausdrucksstärksten Szenerien verantwortlich ist. Wenn Spencer herzzerreißend um ihren toten Sohn weint, kommt man kaum mehr drum herum, nicht auch die eine oder andere Träne zu vergießen. Fazit “Nächster Halt: Fruitvale Station” ist trotz oder gerade wegen seines für viele bekannten Ausgangs das äußerst aufwühlende Portrait eines jungen Mannes, der dem Publikum entgegen der zweifelhaften Vergangenheit unweigerlich ans Herz wächst. Überragend gespielt wirft das Drama einen der intimsten Blicke der Filmgeschichte auf das Thema Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass – warum die Academy das nicht für auszeichnungswürdig hielt, wird wohl ein Rätsel bleiben.

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