Filmkritik: „Dom Hemingway“

Nach dem fulminanten “Drecksau” wagt sich nun Richard Shepard an das mutige Unterfangen, ein echtes Arschloch zum Star einer Krimi-Komödie zu machen. In „Dom Hemingway“ wird Jude Law diese Ehre zu Teil. Als schmieriger Safe-Knacker begibt er sich auf eine Odyssee, die sich für das Publikum rasch zur Geduldsprobe entwickelt. IOFP verrät, warum.

Im vergangenen Jahr sorgte Jon S. Bairds groteskes Krimi-Drama „Drecksau“ für massenhaft Schlagzeilen in einschlägigen Kino-Magazinen. Aus der Feder von „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh erzählt der Film von einem korrupten, schottischen Cop, der Drogen und Alkohol am laufenden Band konsumiert, es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und Dienstvorschriften mit Füßen tritt. Während die Schotten reihenweise „Drecksau“-Tickets kauften, hielt sich der Erfolg hierzulande in Grenzen. „Filth“ – so der Originaltitel – kam nicht einmal über die 100.000-Besucher-Marke hinaus. Die Heimkino-Auswertung sowie der Soundtrack verkauften sich hingegen überdurchschnittlich. Ein Kult ward geboren. Kein Wunder: Ist das Gefühlsleben eines Scheusals doch durchaus interessanter als das eines Durchschnitts-Protagonisten. Das dachte sich wohl auch Richard Shepard. Der New Yorker Filmemacher, der vor einigen Jahren die US-Adaption der deutschen Erfolgsserie „Danni Lowinski“ inszenierte, lässt in „Dom Hemingway“ Hollywood-Beau Jude „Dr. Watson“ Law in die Rolle des Drecksacks schlüpfen. Auf seiner Odyssee durch eine nur lose durch einen roten Faden zusammengehaltene Handlung begibt sich Law mal mehr, mal weniger auf die Spuren von James McAvoy. Dieser gewann für seine abartig-großartige Darbietung des „Drecksau“-Scheusals bereits den London Film Critics Award als „British Actor of the Year“. Derartige Auszeichnungen werden der blassen Kopie Laws wohl nicht vergönnt sein. „Dom Hemingway“ ist weder mutig, noch von solch bitterbösem Zynismus wie sein augenscheinliches Vorbild.

Dom Hemingway (Jude Law) und sein Kumpel Dickie (Richard E. Grant) auf dem Weg, sich Doms Kohle zurück zu holen.

Dom Hemingway (Jude Law) und sein Kumpel Dickie (Richard E. Grant) auf dem Weg, sich Doms Kohle zurück zu holen.

Ein Arschloch und Narzisst

Nach 12 Jahren im Gefängnis will Safe-Knacker Dom (Jude Law) mit seinem Komplizen Dicki (Richard E. Grant) das Geld eintreiben, das ihm zusteht. Denn er hat all die Jahre den Mund gehalten und seinen Boss Mr. Fontaine (Demián Bichir) dadurch gedeckt. Eine Nahtoderfahrung bringt ihm seiner entfremdeten Tochter (Emilia Clarke) näher, aber schon bald wendet er sich trotzdem wieder der kriminellen Unterwelt zu – der einzigen Welt, die er kennt.

Die Schrift der Produktionsschmieden ist noch nicht ganz verschwunden, da kommt das Publikum bereits in den Genuss eines Monologs von Jude Law, der über sein bestes Stück – in den folgenden 90 Minuten ausschließlich „Schwanz“ genannt – philosophiert. Das Setting erinnert bereits hier mehr denn je an „Drecksau“, „Dom Hemingways“ Bruder im Geiste. Scharfe Konturen und grelle Farben, Zeitlupen und eine deutliche Fixierung auf das widerwärtige Antlitz des zweifelhaften Antihelden machen schnell deutlich: Die kommenden Ereignisse an der Seite von Dom zu durchstehen, wird kein Zuckerschlecken. Wie soll man schließlich mit einer Figur sympathisieren, die man nicht einmal leiden kann? James McAvoys Charakter hatte in „Drecksau“ ein ähnlich schwieriges Los gezogen. Durch die Offenlegung sämtlicher Gefühlsregungen und die komplexe Auseinandersetzung mit der ambivalent gezeichneten Figur ergibt sich jedoch nach und nach ein wesentlich breiteres Spektrum an Emotionen, die man McAvoy entgegenbringen könnte. Dom Hemingway kann nicht einmal ansatzweise mit einem solch vielschichtig gezeichneten Charakter aufwarten. Trotz der Einstreuung familiärer Verwicklungen, die in Hemingway tatsächlich so etwas wie eine expressive Regung auslösen, kommt der Zuschauer nie wirklich an die Figur dieses schmierigen Proleten heran. Denn so ganz ohne Sympathie-hervorrufende Attribute werden die Eskapaden unseres Antihelden schnell nichtig und uninteressant.

Fontaines Geliebte Paolina (Madalina Diana Ghenea) macht Dom erst schöne Augen - und dann seinem Geld.

Fontaines Geliebte Paolina (Madalina Diana Ghenea) macht Dom erst schöne Augen – und dann seinem Geld.

Drogen, Nutten, Alkohol

Während Drehbuchautor sowie Regisseur Richard Shepard schon bei seiner Figurenzeichnung auf ein Minimum an Originalität und emotionale Tiefe setzt, verhält es sich mit der Geschichte ähnlich. Dom Hemingways Knastentlassung und ein Zusammentreffen mit dessen Kumpel Dickie (vortrefflich ironisch und voller Spaß bei der Sache: Richard E. Grant) geben eingangs ein hohes Tempo vor und dem Publikum einen Einblick in das von Nutten, Alkohol und Drogen dominierte Leben der beiden. Hier lässt die Regie ihre beiden Figuren noch ordentlich overacten und schildert augenzwinkernd, wie sich vor allem Dom den Sünden seiner Vergangenheit hingibt. Jude Law hat sichtlich Spaß daran, aus seinem gewohnt bodenständigen Beuteschema auszubrechen. Ganze 15 Kilo hat sich der britische Schönling für diese Rolle angefuttert. Keine Frage, dass er seinen nun etwas rundlicher gewordenen Traumkörper sogar vollkommen nackt in die Kamera halten darf. Für die Story sind derartige Sequenzen weniger von Belangen; dienen sie doch nur dazu, die Schamlosigkeit Hemingways so plakativ wie möglich zu unterstreichen.

Leider nimmt Shepard schon sehr bald das Tempo aus seiner Inszenierung. Ab dem Moment, in welchem Dom auf seinen ehemaligen Auftraggeber Fontaine – einen x-beliebigen Ganoven in Gestalt eines Durchschnitts-Mafiosi – trifft, lässt der Filmemacher seine Charaktere erst minutenlang über wenig notwendige Dinge debattieren, um sie schließlich in einen Autounfall zu verwickeln. Die einzige Notwendigkeit dieser Szene ist die, dass aus der Geschichte ohne sie schon nach zwanzig Minuten die Luft raus wäre. So aber eröffnet Shepard die Story quasi ein zweites Mal und lässt Dom erneut allein und ohne Hab und Gut dastehen. Was nun folgt, sind die müden Versuche, aus der Hauptfigur doch noch so etwas wie einen Sympathling zu kreieren. Er trifft auf seine Tochter, schwadroniert über seine Vergangenheit, versucht, einen Sinn in all dem zu sehen und zugleich, Konsequenzen hieraus zu ziehen. Dass sich die Verantwortlichen ursprünglich dazu entschlossen, „Dom Hemingway“ als einen Film aufzuziehen, der aus dem Leben eines echten – pardon – Arschlochs erzählt, scheinen sämtliche Verantwortliche nach der Hälfte der Laufzeit vergessen zu haben. Dom wird zu einem Durchschnitts-Protagonisten; einzig die vulgäre Aussprache hat etwas mit der Figur gemein, als die er uns in der ersten Szene vorgestellt wurde. Lediglich in einer Szene darf Law schließlich doch nochmal die Sau rauslassen: Die Demonstration des Safe-Knackens wird für sämtliche Beteiligte zum anarchischen Comedy-Höhepunkt des Films und lässt erahnen, wo Richard Shepard mit seinem „Dom Hemingway“ ursprünglich hinwollte. Ebenjene Szene hätte 1:1 aus „Drecksau“ stammen können.

"Dom Hemingway": Ab dem 17. April im Kino.

„Dom Hemingway“: Ab dem 17. April im Kino.

Fazit

Visuell beschränkt sich Kameramann Giles Nuttgens („Das Glück der großen Dinge“) darauf, besonders einprägsame Szenerien entsprechend auszuleuchten, den Rest der Laufzeit jedoch vornehmlich zurückhaltend zu agieren. Ähnlich verhält es sich bei der Musik. Rolfe Kent („Fight Club“) bevorzugt einen ruhigen Score, der allenfalls pulsiert, jedoch nie vorantreibt oder anderweitig auffällt. So ist „Dom Hemingway“ in jeder Hinsicht purer Durchschnitt, der an seinem großen Vorbild zerschellt – wenn er dieses denn je hatte.

 

  • admin
  • 15. April 2014
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  • 25-03-2014
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Filmkritik: Her

Mit dem Liebesdrama "Her" meldet sich Spike Jonze auf der großen Kinoleinwand zurück - und das gleich mit voller Wucht. Dem Regisseur gelingt ein Film der ganz besonderen Art und ging zu Recht mit fünf Nominierungen bei den Oscars 2014 ins Rennen. Immerhin eine Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch konnte Spike Jonze am Ende mit nach Hause nehmen. Die Story Amerika, in naher Zukunft: Theodore (Joaquin Phoenix) schreibt Briefe. Nein, viel mehr diktiert er sie und das Betriebssystem auf seinem Computer schreibt sie für ihn nieder. Er tut das mit viel Hingabe und Emotionen. Am Ende des Tages geht ein Schwung geschriebener Briefe zum Adressaten. Wenn Theodore nach Hause kommt, ist er ziemlich einsam. Die Ehe mit seiner Frau Catherine (Rooney Mara) ist gescheitert und die Scheidungspapiere warten nur noch auf seine Unterschrift. Eines Tages kommt Theodore nach der Arbeit an einer Art Messe vorbei, die gerade für ein neues Betriebssystem wirbt. Es soll auf die individuellen Bedürfnisse des Besitzers eingehen und mit diesem kommunizieren können. Ohne sich groß etwas dabei zu denken, kauft sich Theodore eines der technischen Spielereien und installiert es zu Hause auch prompt auf seinem PC. Möchte er eine weibliche oder männliche Stimme? Klar, er wählt eine weibliche. Noch am Abend kommt Theodore mit Samantha (Scarlett Johansson), so der selbst erwählte Name des Betriebssystems, ins Gespräch. Immer öfter sprechen die beiden miteinander. Anfangs nur sporadisch, später werden die Gespräche intensiver. Das Betriebssystem ist so intelligent und ausgereift, dass es sich zwischenzeitlich auch von selbst bei seinem Besitzer meldet. Und irgendwann stellt Theodore fest: er ist verliebt! In Samantha! Was ist normal? Was ist wahre Liebe? Und muss sie zwingend mit Körperlichkeit in Verbindung stehen? Damit einher geht auch die Frage nach Normalität. Es sind die zentralen Punkte in "Her", die sich Regisseur und Drehbuchautor Spike Jonze stellt. Dieser ist für seine skurrilen Ideen bekannt. Bereits in "Being John Malkovich" und "Adaption." erschaffte er zwei entrückte, aber ganz wunderbare Filme. Der Unterschied von "Her" zu den zwei Vorgängerfilmen ist jedoch, dass Spike Jonze in diesem Fall in eine nicht allzu surreale Zukunft oder Gegenwart abdriftet. Es ist offensichtlich, dass sich der Zeitpunkt, zu dem "Her" spielt, in der Zukunft befindet - darauf lässt die technische Entwicklung schließen. Dennoch hat die Zukunft, die er darstellt, für unsereins bereits begonnen. Es gibt keine Raumschiffe oder fliegenden Autos á la "Star Trek". Es ist eine Zukunft, die nicht mehr allzu weit entfernt zu sein scheint, regelrecht greifbar. Viel interessanter in "Her" als nach der Zukunft ist jedoch die Frage nach der Liebe. Spike Jonze stellt ganz klar die realen, also körperlichen Beziehungen, den körperlosen und aus unserer Sicht surrealen gegenüber. Doch ist es alles so surreal? Wer sagt, dass Liebe mit Körperlichkeit einhergeht? Für die Menschen, die in Spike Jonzes Welt leben, ist eine Beziehung mit einem Betriebssystem, so wie sie Theodore führt, keine Seltenheit. Es ist Normalität. Dadurch bekommt der Zuschauer den Eindruck vermittelt, dass sich Spike Jonze ganz klar gegen die Liebe und die Beziehungen, wie wir sie heute kennen, ausspricht. Die Ehe von Theodore ist gescheitert und auch die Beziehung seiner besten Freundin Amy (Amy Adams) steht vor dem Aus. Ist in der dargestellten Zukunft überhaupt noch eine körperliche Beziehung möglich oder sind alle Menschen zu Eigenbrötlern verkommen, die es nur noch mit einem digitalen und körperlosen Gegenüber aushalten? Diese Fragen kreisen permanent im Kopf des Zuschauers. Körperlichkeit in "Her" Interessant ist auch ein weiteres Gedankenspiel, dass sich im Kopf der Zuschauer ereignet. Inwieweit schafft er es, die Körperlichkeit auszublenden? Das wird besonders in der Szene deutlich, in der Theodore und Samantha Sex haben. Die Leinwand wird schwarz - nur der Ton ist noch zu vernehmen. So wie Samantha keinen greifbaren Körper hat, so wird auch dem Kino sein Körper genommen: die Leinwand. Die Körperlichkeit ist also ein ganz spannender Faktor im Film, der sich nicht ausblenden lässt. Denn am Ende kehrt der Zuschauer unweigerlich zur Frage zurück: Was ist wahre Liebe? Muss Liebe zwischen zwei Menschen stattfinden? Was, wenn einer von beiden nur auf digitaler und somit körperlosen Ebene zugegen ist? Fazit Spike Jonze gelingt mit "Her" ein ganz wunderbares Liebesdrama - in meinen Augen bisher der beste Film, der im aktuellen Kinojahr angelaufen ist. Die Idee hinter der Story ist zwar Zukunftsdenken, aber dennoch ist es greifbar und nachvollziehbar. Joaquin Phoenix verkörpert Theodore mit so viel Gefühl - es ist definitiv eine seiner besseren Rollen, wenn nicht sogar die beste - Joaquin Phoenix in Höchstform. Die Kameraaufnahmen gehen zumeist direkt auf sein Gesicht und es steht zu Großteilen im Film im Mittelpunkt. "Her" ist eine Liebesgeschichte der besonderen Art, die zudem die Wahrnehmung der Zuschauer, für das, was unweigerlich in unserer digitalisierten Zeit bevorsteht, sensibilisiert. Und auch ist es ein Aufruf für die Liebe - egal, wie diese auch aussehen mag. Der Mensch braucht Zuneigung, selbst wenn diese nur durch eine Stimme kommt. Kinostart für "Her" ist der 27. März 2014.

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  • 17-02-2014
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Filmkritik: „American Hustle“

Zehn Nominierungen für den Oscar. Sieben Nominierungen für den Golden Globe, davon drei Auszeichnungen in zwei Darsteller- und einer Hauptkategorie als Beste Komödie. Dreizehn Nominierungen für den Critics‘ Choice Award, davon vier Auszeichnungen. Das sind nur drei von vielen Filmpreisen, bei denen David O. Russells Gaunerstück “Amercan Hustle” in der aktuellen Award-Saison mitspielt. Die Ode an die Siebzigerjahre gilt – vor allem in den Darstellerkategorien – als heißer Anwärter auf den einen oder anderen Goldjungen und nationale wie internationale Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung. 2010 markierte das mit Oscar-Gewinner Christian Bale und Actionheld Mark Wahlberg prominent besetzte Boxerdrama “The Fighter” den Anfang einer lose miteinander verknüpften Filmreihe, die im vergangenen Jahr mit “Silver Linings” fortgesetzt wurde und mit “American Hustle” nun ihr formidables Ende findet. Die augenscheinlich zunächst vollkommen unterschiedlichen Streifen haben nicht nur einen Großteil ihrer Besetzung gemein, sondern thematisieren vor allem ein- und dasselbe Thema: O. Russell erzählt von Figuren, die versuchen, ihre aktuelle Lebenslage zu verändern und deren Weg zum „besseren Menschen“ mit vielen Hindernissen gespickt ist. Hindernisse, damit meint O. Russell zumeist andere Menschen, die unseren Protagonisten (Amy Adams, Christian Bale, Bradley Cooper und Jennifer Lawrence) das Leben schwer machen. Ob ein desillusionierter Boxer in “The Fighter”, eine psychisch angeknackste Witwe in “Silver Linings” oder ein kalkulierendes, jedoch liebenswertes Gaunerpärchen in “American Hustle”: Sämtliche Charaktere wachsen dem Zuschauer ans Herz. In “American Hustle” – ehemals “American Bullshit” – mehr denn je. New York City, 1978: Der windige Geschäftsmann Irving Rosenfeld (Christian Bale) besitzt mehrere Waschsalons und verdient sein Geld nebenher mit dubiosen Geldgeschäften. Als er auf einer Poolparty die verführerische Sydney Prosser (Amy Adams) kennenlernt, fühlt sich diese rasch von dem erfolgreichen Businessmann angezogen und beschließt, unter falschem Namen als britische Lady Edith an den Geschäften mitzuwirken. Als es scheint, als stünde ein weiteres Opfer kurz davor, zu Gunsten des gerissenen Paares seine Taschen zu leeren, entpuppt sich dieses als junger und überambitionierte FBI-Agent namens Richie DiMaso (Bradley Cooper). Er bewegt die beiden dazu, einen ungewöhnlichen Deal einzugehen: Um die Politprominenz von New Jersey der Korruption zu überführen, setzt er Irving und Sydney als Lockvögel ein. Dabei hat er es vor allem auf den Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner) abgesehen, dessen Saubermann-Image ihn nur allzu verdächtig macht, mit der Mafia und anderen zwielichtigen Gestalten im Bunde zu sein. Doch ausgerechnet Irvings unberechenbare, herrschsüchtige Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence) könnte dem ausgeklügelten Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen… Authentizität ist alles Im Zeitalter von Bombastkino, CGI und der Digitalisierung des Filmemachens scheint es zu einem schier unmöglichen Unterfangen geworden zu sein, einen Film den Atem der Vergangenheit atmen zu lassen. So sehr man sich auch bemüht: An den Charme alter Kinoperlen kann kaum eine Produktion des neuen Jahrtausends heranreichen. Ansatzweise gelang dies zuletzt Ben Afflecks “Argo”, der dafür mit dem Oscar als Bester Film ausgezeichnet wurde. Doch selbst hochgelobten Filmdramen, die sich mit einer  oder mehreren bestimmten Zeitspannen befassen, wie etwa Stephen Spielbergs Lincoln-Biopic, sieht man ihre Gegenwarts-Herkunft überdeutlich an. Doch es geht auch anders! David O. Russell, allen voran jedoch Kameramann Linus Sandgren (“Promised Land”) sowie den Verantwortlichen für Kostüme (Oscar-nominiert: Michael Wilkinson) und Make-Up respektive Hairstyling gelingt die perfekte Illusion: “American Hustle” sieht aus wie ein waschechter Hollywood-Klassiker der späten Siebzigerjahre. Verspielte, jedoch übersichtliche Kamerafahrten, ein leicht fiebriger Sepiastich, der den Luxus und die Maßlosigkeit unterstreicht, dabei aber nie aufdringlich oder gestellt wirkt und das Schwelgen in Details – und seien es nur die prächtigen Kostüme – prägen das Bild eines Films, der sich seiner optischen Stärken überaus bewusst ist, sich jedoch nie darauf ausruht. Auch wenn “American Hustle” ein Augen- und Ohrenschmaus sondergleichen ist – Danny Elfman komponierte einen zur Verspieltheit der Bilder passenden Klimperscore unter Einbeziehung vieler 70s-Evergreens – ist es vor allem die Geschichte, die für ein kurzweiliges, gut zweistündiges Kinoerlebnis sorgt. Dabei setzt der Film, für dessen Drehbuch Eric Warren Singer (“The International”) und David O. Russell gleichermaßen verantwortlich zeichnen, vor allem auf die Komik im Detail. Für lauten Humor, gar Slapstick oder Hau-drauf-Comedy ist in “American Hustle” kein Platz. Es ist vielmehr die Absurdität der Prämisse, die dem Streifen durchgehend eine unterschwellige humoristische Auslegung verleiht. Doch auch die stimmige Chemie innerhalb des blendend aufgelegten Casts und die geschliffenen Dialoge sorgen für gleichermaßen anspruchsvolle wie lockere Unterhaltung. Denn auch, wenn “American Hustle” durch die Straffung einiger Plotelemente durchaus noch spritziger und dynamischer hätte ausfallen können, so macht die Interaktion unter den Ensemble-Mitgliedern ungeheuren Spaß. Da verzeiht man es dem Film auch, dass er sich mancherorts länger an einzelnen Szenen aufhält als nötig. They Love to Entertain Us Unter den Schauspielern ist es vor allem Jennifer Lawrence, die ihren Kollegen einmal mehr  die Show stiehlt. Ihre Darstellung einer Furie und eifersüchtigen Ehefrau findet ihren Höhepunkt in einer aggressiven Interpretation des Wings-Hits „Live And Let Die“, den sie, durch ihre Wohnung wirbelnd und wirre Grimassen schneidend, bis zur Ekstase performed – eine der besten Szenen des Films! Amy Adams verkörpert die kalkulierende Femme Fatale und versprüht eine ehrenwerte Erotik abseits billiger Sexiness, während Christian Bale hervorragend in seiner Rolle des berechnenden, aber irgendwie auch leicht verpeilten Geschäftsmannes aufgeht. Jeremy Renner gibt derweil glaubhaft einen undurchsichtigen Bürgermeister ab, der zunächst vor allem durch seinen authentischen Seventies-Look besticht, nach und nach jedoch auch schauspielerisch zur Höchstform aufläuft, die ihren Zenit in einem handfesten Streit mit Bale findet. Ein weiteres Highlight in “American Hustle”. Fazit: David O. Russell gelingt es nach “Silver Linings” ein weiteres Mal, die vier Darsteller-Kategorien des Oscars mit Schauspielern aus einem seiner Filme zu bestücken. Und dies völlig zu Recht. “American Hustle” ist spektakuläres Darstellerkino im Gewand eines wunderschönen Siebzigerjahre-Hollywoodfilms. Jedes noch so kleine Detail scheint bewusst platziert, die Dialoge sind gleichermaßen von stiller Tragik wie Komik geprägt und wenn der Film nach zwei Stunden auf sein Finale zusteuert, scheinen dem Rausch keine Grenze gesetzt. Auch wenn das Drehbuch schlussendlich einige kleine, unerwartete Haken schlägt, bewahrt “American Hustle” stets seine Glaubwürdigkeit und liefert dem Publikum ein rundum gelungenes Gaunerstück, auf das wir in einigen Jahrzehnten zurückblicken – dann allerdings bestimmt als echten „Klassiker“.

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  • 22-03-2013
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Kinovorschau: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Am 25. April 2013 startet der Thriller „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ in den deutschen Kinos. Damit ihr euch bereits jetzt ein Bild machen könnt, liefern wir euch Informationen zum Film und bereits den ersten deutschsprachigen Trailer. Plot: Obwohl Emily Taylor endlich die Wiedervereinigung mit ihrem Ehemann feiern kann, der aus dem Gefängnis entlassen worden ist, wird sie von starken Depressionen mit Stimmungsschwankungen und Selbstmordgedanken heimgesucht. Als alle Medikamente keine Wirkung zeigen, berät sich ihr Psychologe, Jonathan Banks, mit der ehemaligen Ärztin von Emily. Diese empfiehlt ihm eine neue Arznei namens Ablixa zu testen. Kurz darauf scheinen sich erste Verbesserungen in Emilys Verhalten zu zeigen, doch die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung als die Nebeneffekte des Medikaments Emily in einen schlafwandlerischen Zustand versetzen, in dem sie ihren Mann tötet. Mit Emilys Einweisung in eine psychiatrische Anstalt scheint die Episode abgeschlossen. Doch Jonathan Banks, dessen Praxis auf Grund des Vorfalls kurz vor dem Ende steht, will nicht die volle Verantwortung für die Geschehnisse übernehmen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, um seine Ehre wiederherzustellen. Was folgt ist eine Suche nach der Wahrheit, bei der Dr. Banks alles riskiert, was von seinem Leben noch übrig ist, bis er ein diabolisches Komplott aufdeckt. Jude Law, der zuletzt in „Sherlock Holmes“ und „Anna Karenina“ überzeugte, übernimmt die Hauptrolle des Jonathan Banks. Channing Tatum („G.I. Joe“) und Rooney Mara („Verblendung“) spielen das Ehepaar Taylor, dessen Leben durch ein neues Medikament völlig aus den Fugen gerät. Ein weiterer zentraler Part wird dargestellt von Oscar-Preisträgerin Catherine-Zeta Jones. In Szene gesetzt wurde der Thriller von Erfolgsregisseur Steven Sonderbergh, der durch Filme wie „Ocean's Eleven“ und „Erin Brockovich“ Berühmtheit erlangte. Den ersten deutschen Trailer zu "Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen" könnt ihr euch gleich hier anschauen: [youtube q6FVHoVQhsE nolink]

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  • 30-10-2014
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Gewinnspiel: „Irre sind männlich“

Zum Heimkinostarts der herzlichen Komödie "Irre sind männlich" verlost IOFP tolle Preise. Schnell die Quizfrage beantworten und einen der tollen Preise absahnen! Als Daniel (Fahri Yardim) wegen seiner krankhaften Eifersucht von Mia (Josefine Preuß) verlassen wird, legt sie ihm eine Therapie nahe. Sein bester Freund Thomas(Milan Peschel) nimmt aus Solidarität mit ihm an einer Familienaufstellung teil und entdeckt dabei einen willkommenen Nebeneffekt: Mit falschem Namen und erfundenen Problemen lassen sich von den beiden Therapietouristen reihenweise Frauen abschleppen. Auf einem Wochenendworkshop der Psycho-Koryphäe Schorsch Trautmann (Herbert Knaup) kommt die therapiesüchtige Anwältin Sylvie (Marie Bäumer) den beiden auf die Schliche. Von nun an werden die Sitzungen zur postkoitalen Belastungsprobe und das erklärte Ziel, die bekannte Schauspielerin Bernadette (Peri Baumeister) flach zu legen, rückt immer mehr in weite Ferne. IOFP.de zog zum Heimkinostart von „Irre sind männlich“ das Fazit, dass der Streifen gekonnt mit den Konventionen der Durchschnitts-RomCom zu kokettieren weiß. Zusammen mit den Darstellern ergibt sich so das Bild einer deutschen Komödie, wie es sie nur alle Jubeljahre mal zu sehen gibt. Damit sich unsere Leser selbst davon überzeugen können...  ... verlosen wir zweimal die DVD zum Film! Ihr wollt Euch "Irre sind männlich" auf gar keinen Fall entgehen lassen? Dann schnell folgende Frage beantwortet und die Lösung mit dem Betreff "Mauern" an win@iofp.de geschickt. Wer führte Regie bei "Irre sind männlich"? Teilnahmebedingungen: Der Einsendeschluss ist der 06.11.2014 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Pro Teilnehmer ist nur eine Mail / Einsendung gestattet. Mitarbeiter von iofp/ingame sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

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Gewinnspiel: Mauern der Gewalt

Zum Heimkinostarts des weltweiten Kritikerlieblings "Mauern der Gewalt" verlost IOFP tolle Preise. Schnell die Quizfrage beantworten und einen der tollen Preise absahnen! „Starred up“ nennt man es in England, wenn ein Minderjähriger vorzeitig vom Jugendknast ins Erwachsenen-Gefängnis verlegt wird. So ein „Aufsteiger“ ist Eric. Der 19jährige ist hochaggressiv, eine tickende Zeitbombe. Er kennt die Tricks, weiß wie man aus Alltagsgegenständen Waffen baut und wo man sie versteckt. Seine explosiven Gewaltausbrüche gegen Wärter und Gefangene stören immer wieder die geregelten Abläufe. Und damit kommt er dem führenden Knastdealer in die Quere, der um sein Geschäft fürchten muss. Denn gute Deals klappen nur, wenn Frieden herrscht im Flügel. Eric kapiert die Zusammenhänge noch nicht, aber einer weiß genau, wie der Hase hier drin läuft: Nev, Häftling, Alphamann – und Erics Vater… Eine brutale Knast-Story, randvoll mit Wut und Gewalt, liefert Regisseur David Mackenzie hier ab. Kino, das unter die Haut geht, und eine tour de force für die Darsteller, allen voran der junge Jack O'Connell! Ein so kraftvoll physisches Drama kommt selten auf die Leinwand. Worte spielen in dieser düsteren Machowelt kaum eine Rolle. Hier ist alles körperlich, die Wut, die Angst, der Hass und die Enttäuschung. Dafür braucht man Schauspieler, die diese physische Intensität geradezu ausschwitzen. Und so einer ist O'Connell. Wenn er sich mit mehreren Wärtern gleichzeitig anlegt oder wie eine Bombe unter seinen Mithäftlingen explodiert, gehört ihm ganz allein die Leinwand. Kein Wunder, dass die Presse die Geburt eines Stars bejubelt. Dass "Mauern der Gwalt" so ein authentisches Knastdrama geworden ist, verdankt es neben seinen exzellenten Darstellern seinem Autor. Jonathan Asser kennt sich aus in dieser engen Welt hinter Gittern, war er doch selbst als Aggressionstherapeut dort tätig. Mit wenigen Worten entwirft er ein Drama, das ebenso spannend wie packend ist. Hier treffen keine Superhelden in choreographierten Fights aufeinander, sondern echte Menschen, die Regisseur Mackenzie in eindringlichen Bildern einfängt. Wir verlosen je eine zwei DVDs und zwei Blu-rays zum Film! Ihr wollt Euch "Mauern der Gewalt" auf gar keinen Fall entgehen lassen? Dann schnell folgende Frage beantwortet und die Lösung mit dem Betreff "Mauern" an win@iofp.de geschickt. Schreibt außerdem in die Mail, ob Ihr im Falle eines Gewinns die DVD oder Blu-ray bevorzugt. Viel Glück!. Wer führte Regie bei "Mauern der Gewalt"? Teilnahmebedingungen: Der Einsendeschluss ist der 09.11.2014 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Pro Teilnehmer ist nur eine Mail / Einsendung gestattet. Mitarbeiter von iofp/ingame sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

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Zum Kinostart des 3D-Action-Spektakels "Teenage Mutant Ninja Turtles" verlost IOFP ein tolles Fanpaket. Schnell die Quizfrage beantworten und einen der tollen Preise absahnen! Die humanoiden Kult-Schildkröten Donatello, Leonardo, Raphael und Michelangelo nehmen, unterstützt von ihrem Mentor Splinter (Danny Woodburn), der furchtlosen Journalistin April O’Neil (Megan Fox) und dem ehrgeizigen Kameramann Vern Fenwick (Will Arnett), den Kampf gegen ihren ultimativen Endgegner auf: Ninja-Meister Shredder (William Fichtner) und seine Fußsoldaten. Ihre wichtigsten Waffen dabei sind nicht nur ihre Ninja-Ausbildung, Nunchucks, Bo Stab und Co., sondern vor allem ihr Witz, ihr stets heldenhafter Einsatz für das Wohl der Menschheit und, nicht zu vergessen, eine tiefe brüderliche Verbundenheit, die die vier zu einem unschlagbaren Team macht. Ob mit Leonardos (Pete Ploszek) Führungstalent, Donatellos (Jeremy Howard) technisch versiertem Verstand, Michelangelos (Noel Fisher) energetischem Wesen oder Raphaels (Alan Ritchson) stürmischer Emotionalität: Solange die vier Ninjas zusammenhalten, hat kein Gegner eine Chance, gegen sie anzukommen. Doch der martialische Bösewicht Shredder hat einen Plan, der alles ändern könnte … Kaum eine Comicfigur hat es bislang geschafft, sich so tief in den Herzen ganzer Generationen zu verankern, wie die pizzafanatischen Freunde. Regisseur Jonathan Liebesman („Zorn der Titanen“) bringt die vier grünen Helden nun als spektakuläres Live-Action-Abenteuer auf die große Kinoleinwand. Ein mit Spannung erwartetes 3D-Popcorn-Spektakel, das mit neuester CGI-Technologie und der Unterstützung von Mastermind Michael Bay („Transformers“) den Charme und Mut der Turtles in ein hochexplosives Action-Paket verwandelt. Abgerundet wird die Turtles-Power mit der richtigen Prise Humor sowie einem hochkarätigen und bunt gemischten Cast: Heiß, heißer, Megan Fox („Transformers“) spielt die toughe TV-Journalistin April O’Neil, die erfahrenen Comedy-Mimen Whoopi Goldberg („Sister Act“) und Will Arnett („Jonah Hex“) garantieren kurzweilige Unterhaltung, während William Fichtner („The Dark Knight“) den Fiesling Shredder verkörpert. Unter den Schildkrötenpanzern verstecken sich vier attraktive und aufregende Nachwuchstalente: Alan Ritchson („Die Tribute von Panem“) als Hitzkopf Raphael, Jeremy Howard („Men in Black II“) als Technik-Fan Donatello, Noel Fisher („Twilight Saga: Breaking Dawn Part 2“) als Witzbold Michelangelo und Pete Ploszek („Parks and Recreation“) als Anführer Leonardo. Wir verlosen ein Fanpaket mit je zwei Freikarten, einem coolen Pizza-Schneider und einer Schaumstoff-Hand in "Turtles"-Optik! Ihr wollt Euch "Teenage Mutant Ninja Turtles" auf gar keinen Fall entgehen lassen? Dann schnell folgende Frage beantwortet und die Lösung mit dem Betreff "Turtles" an win@iofp.de geschickt. Schreibt außerdem in die Mail, ob Ihr im Falle eines Gewinns die DVD oder Blu-ray bevorzugt. Viel Glück!. Wer produzierte "Teenage Mutant NInja Turtles"? Teilnahmebedingungen: Der Einsendeschluss ist der 26.10.2014 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Pro Teilnehmer ist nur eine Mail / Einsendung gestattet. Mitarbeiter von iofp/ingame sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

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