• 01-10-2014
  • Reviews & Meinungen

DVD-Kritik: „Maleficent – Die dunkle Fee“

Der Trend zum modernen Fantasy-Märchen reißt nicht ab. Regie-Debütant Robert Stromberg liefert mit "Maleficent - Die dunkle Fee" seine ganz eigene Vision des weltberühmten Grimm'schen Märchens "Dornröschen" ab und enttäuscht leider. Zum Heimkinostart hat IOFP einen Blick auf die Blu-ray geworfen, welche auch die ungekürzte Fassung enthält! Die Historie des 1812 von den Gebrüder Grimm verfassten Märchens "Dornröschen" ist weitreichend. Allein 15 Spielfilme basieren auf der Erzählung um die schlafende Prinzessin. Hinzu kommen diverse Adaptionen für Oper, Ballett und Musical. Die wohl berühmteste Variation des Stoffes geht auf das Konto der Zeichentrickschmiede Walt Disney, die mit ihrem Entstehungsjahr 1959 bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Das animierte Märchen, das inszenatorisch eine ungewohnt erwachsene Ausrichtung besitzt, gilt auch als Grundlage für das Regiedebüt des Effekt-Spezialisten Robert Stromberg, der bereits für die künstlerische Gestaltung von Blockbustern wie "G.I. Joe", "2012", aber auch der Oscar-prämierten Roman-Adaption "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger" sowie der erfolgsverwöhnten Quality-Serie "Boardwalk Empire" zuständig war. Zusammen mit Hollywood-Schönheit Angelina Jolie in der Hauptrolle der bösen Fee Maleficent (in der deutschen Version des Disneyfilms: Malefiz) sowie einigen weiteren Schwergewichten innerhalb der US-amerikanischen Traumfabrik kreiert Stromberg zum 55-jährigen Jubiläum der dunklen Fee Dekonstruktion, Neu-Arrangement sowie modernes Fantasy-Epos zugleich. Ich erzähle euch ein Märchen... Das idyllische Leben der wunderschönen und unschuldigen jungen Maleficent (Angelina Jolie) ändert sich eines Tages schlagartig, als die Harmonie im Königreich durch den Einmarsch einer feindlichen Armee bedroht wird. Maleficent versucht ihr Land mit allen Mitteln zu verteidigen, doch ein skrupelloser Verrat beginnt ihr reines Herz in Stein zu verwandeln. Auf Rache sinnend lässt sie sich auf eine gewaltige Schlacht mit dem Nachfolger des Besatzerkönigs ein und verflucht schließlich sein neugeborenes Kind Aurora. Mit dem Heranwachsen des Kindes erkennt Maleficent jedoch, dass Aurora (Elle Fanning) nicht nur der Schlüssel zum Frieden im Königreich ist, sondern vielleicht sogar der Schlüssel zu Maleficents eigenem Glück. Dass Robert Stromberg zweifach Oscar-prämierter Szenenbildner ist, merkt man "Maleficent" bereits in der Auftaktszene an. Vor beeindruckender Kulisse, zum Großteil entstanden in den Londoner Pinewood Studios, bringt der Regie-Neuling seine ganz eigene Vision der Disney-Schurkin auf die Leinwand. Die CGI-lastige Feenlandschaft kommt nicht mit solch einer Intensität daher wie es zuletzt "Die fantastische Welt von Oz" tat, das beachtliche Setdesign gehört allerdings nicht zu den größten Schwachpunkten des Streifens. Erst als die Effekte stärker in den Vordergrund treten, Angelina Jolie als geflügelte Fee durch die Luft schweben darf und auch das Design der wesentlich kleiner geratenen Elfen negativ ins Auge fällt, wird dem Publikum bewusst, wie ungenau und willkürlich Stromberg in der Konstruktion von "Maleficent" vorgegangen ist. So kreiert er düstere Fantasy-Landschaften à la "Snow White and the Huntsman", garniert diese mit Animationsfilm-konformen Effekten und greift vor allem in Dialog-Momenten auf ein Design zurück, dass entfernt an klassische Märchenverfilmungen wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" erinnert, das Ganze jedoch aussehen lässt, als seien derartige Passagen vor schlechtem Greenscreen entstanden. Das Gefühl eines einheitlichen, großen Ganzen entsteht nicht und die Darstellung Maleficents von Angelina Jolie wird diese Schwachpunkte nicht aufwiegen können. Angelina Jolie zurück auf der Leinwand Nach dem 2010 veröffentlichten Thriller-Debakel "The Tourist" steht die Dauerverlobte von Brad Pitt in "Maleficent - Die dunkle Fee" zum ersten Mal seit vier Jahren wieder vor der Kamera. Aufgrund ihrer persönlichen Faszination für die titelgebende Hauptfigur sei ihr die Zusage für das 180 Millionen US-Dollar teure Projekt nicht schwer gefallen. Rein optisch macht die durch künstliche Ohren, Nase und Wangenknochen nahezu 1:1 in Maleficent vergewandelte Aktrice ihre Sache nicht schlecht. Auch in den ruhigeren Momenten, in denen Jolie beobachtet oder sich mit ihren Schauspielkollegen in einfachen Gesprächen übt, funktioniert sie in der Hauptrolle. Lässt man sie jedoch größer agieren, gar laut werden oder ausladende Magie anwenden, kippt ihr nuanciertes Spiel in massives Overacting und wird dadurch zum Auslöser mehrerer unfreiwilliger Lacher. Die Krone dessen ist das durch Greenscreen und Computereffekte dargestellte Fliegen, das in der hier dargebrachten Form daherkommt, als stamme es aus einem Film der frühen Neunziger, als die Computertechnik noch nicht allzu weit vorangeschritten war. Für einen Film dieser Dekade ist diese Bilanz niederschmetternd und für den perfektionistischen Designer, der vor allem für visuelle Spielereien ein Auge haben sollte, eine ernüchternde Erkenntnis. So ließen sich die im kommenden detaillierter ausgeführten Plot-Schwächen noch irgendwie mit der mangelnden Erfahrung seitens Stromberg erklären, grobe Patzer in der Optik hingegen schmerzen da umso mehr. An Jolies Seite spielen unter Anderem Sharlto Copley ("Oldboy") als König Stefan, der nicht nur aufgrund seines gesetzten Erscheinungsbildes fehlbesetzt wirkt, sondern von vornherein viel zu aggressiv agiert, Elle Fanning ("Super 8") in der Rolle des naiven Dornröschen, die optisch in die Rolle passt, die angehende Prinzessin insgesamt jedoch wesentlich jünger erscheinen lässt als das dem Stoff zugrunde liegende Disney-Märchen, und Sam Riley ("On the Road - Unterwegs"), der als von Maleficent verzauberter Rabe die stärkste Leistung innerhalb des Ensembles abgibt. Auch die Animation besagten Vogels erweist sich selbst bei näherem Hinsehen als sehr gelungen - ist seine Mimik im Detail doch wesentlich stärker ausgeprägt als die einiger menschlicher Kollegen. In den Rollen der Feen Flittle, Knotgrass und Thistlewitt (im Deutschen auch als Flora, Fauna und Sonnenschein bekannt) funktionieren Lesley Manville ("Fleming"), Imelda Staunton ("Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1") und Juno Temple ("The Dark Knight Rises") auf eine Art und Weise, die dem Film nicht gut tut. Die drei Fabelwesen und spätere Beschützer von Dornröschen werden in "Maleficent" zu oberflächlichen Comedy-Sidekicks, die weder charakterliche Tiefe besitzen, noch nachvollziehbar und vor allem glaubhaft handeln. Wenn die Damen nicht zu wissen scheinen, dass ein weinendes Baby kaum mit rohem Gemüse zufriedengestellt ist und die drei immer wieder in alberne Kabbeleien ausbrechen, wird dies der eigentlichen Figurenausrichtung nicht gerecht und entpuppt sich als ein weiterer, ärgerlicher Fehltritt. Die Story als größter Schwachpunkt Als ein einziger solcher lässt sich auch der Kernpunkt von "Maleficent" bezeichnen: Die Story. Nach einem Prolog über die Gesinnung der dunklen Fee und die dramatischen Hintergründe der Verrohung Maleficents, die mit nicht weniger als einem gemeinen Verrat und einem daraus resultierenden, gebrochenen Herzen einhergeht, ändert das Skript von Linda Woolverton ("Alice im Wunderland") und John Lee Hancock ("Snow White and the Huntsman") seinen Erzählton abrupt und ohne eine notwenige, den Plot langsam einleitende Erzählstruktur. Aus der bösen Fee wird ohne Umschweife ein Wesen, das mit sich und der Umwelt hadert und für die einst von ihr verfluchte Prinzessin gar so etwas wie mütterliche Gefühle entwickelt. Dieser eigentlich so interessante Kniff geschieht auf solch brachiale Weise, dass die sich langsam aufbauende Charakterzeichnung Maleficents auf einen Schlag in sich zusammenfällt, der Streifen vollkommen konzeptlos daherkommt und als keiner der angestrebten Genre-Beiträge funktioniert. Die weiterhin sehr düstere Ausrichtung mit eingeworfenen, viel zu lieblich geratenen Fantasy-Elementen und der fehlgeschlagene Dramaentwurf vermengen sich in dem Disney-Märchen zu einer substanzlosen Masse. Selbst erst kürzlich erschienenen Variationen anderer Grimm-Märchen - man denke nur an "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" oder "Spieglein, Spieglein" - folgten einem strikten Konzept. "Maleficent" hat dagegen nichts auszusetzen und hangelt sich von Idee zu Idee, ohne dabei einen steten Plan zu verfolgen. Selbiges gilt für die Figurenzeichnung von König Stefan; Bis zum Schluss bleibt uns der Film die Erklärung schuldig, weshalb sich dieser von jetzt auf gleich zum Tyrann entwickelt. Auch die technische Gestaltung abseits des überbordenden CGI ist maximal für einige, unfreiwillige Lacher gut. Der bemüht epische und den Film mehr als einmal überladende Orchesterscore von James Newton Howard ("The Sixth Sense") untermalt vor allem die um viel Drama bemühten Szenen akribisch, verfehlt dabei jedoch das Ziel um Längen und erscheint dadurch allenfalls aufgesetzt, nie aber dem Thema entsprechend oder gar Gänsehaut fordernd. "2012"-Kameramann Dean Semler ergötzt sich derweil liebend gern an dem makellosen Antlitz Angelina Jolies. Andauernd lässt er das blasse Profil der Schauspielerin aus dem Schatten ins Licht schreiten. Die Umrisse von Maleficent erweisen sich anfangs zwar noch als Augenweide, verlieren aufgrund ihrer permanenten Fokussierung jedoch schnell ihren Reiz. Dabei sieht Jolie ihrem Zeichentrickvorbild tatsächlich erstaunlich ähnlich. Fazit Leider enttäuscht "Maleficent - Die dunkle Fee" auf Basis des Storytellings und kann auch bei der visuellen Aufmachung nicht sonderlich überzeugen. Ein Dank geht an dieser Stelle jedoch an Disney, da sich der Konzern hierzulande für eine Veröffentlichung der ungeschnittenen Fassung entschlossen hat und die geschnittene dennoch weiterhin als DVD vertreibt. Fanservice par excellence!

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 30-09-2014
  • Reviews & Meinungen

Heimkino-Tipp: „Blood Ties“

Der Franzose Guillaume Canet ist ein Experte auf dem Gebiet der einprägsamen Inszenierung. In seinem neuen Streifen "Blood Ties", einer Hommage an den Film Noir, versammelt eine eine ganze Schar von Hollywoods Hochkarätern und überlässt sie ihrem Schicksal. IOFP hat sich die Direct-to-DVD-Produktion einmal genauer angesehen und wundert sich ernsthaft darüber, dass es der Film hierzulande nicht in die Lichtspielhäuser schaffte. New York, 1974 Nach 9 Jahren wird Chris (Clive Owen) wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen – herzlich empfangen von seiner Schwester Marie (Lili Taylor) und seinem Vater Leon (James Caan). Sein jüngerer Bruder Frank (Billy Crudup) hingegen, der Karriere bei der New Yorker Polizei gemacht hat, verhält sich ihm gegenüber misstrauisch. Dennoch ist er bereit, Chris eine Chance zu geben: Er lässt ihn bei sich einziehen, vermittelt ihm einen Job und begleitet ihn, als Chris seine verärgerte Ex-Frau Monica (Marion Cotillard) und seine beiden Kinder besucht. Zuerst sieht es so aus, als würde Chris‘ Neustart gelingen. Er verliebt sich in seine schüchterne Kollegin Natalie (Mila Kunis), die ihn in seinem Wunsch bestärkt, seine kriminelle Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch dann wird Chris gefeuert und er verfällt wieder in seine alten Muster. Als Frank Chris dabei beobachtet, wie dieser einen Geldtransport überfällt, muss er sich entscheiden – für seinen Bruder oder für das Gesetz. Mit seinem Gangster-Epos "Blood Ties" bricht Regisseur und Schauspieler Guillaume Canet ("Jappeloup - Eine Legende") von Beginn an mit gängigen Sehgewohnheiten. Unter seiner Anleitung agiert ein namhafter Hollywood-Cast: Angefangen bei Clive Owen und Mila Kunis über Mario Cottilard, Billy Crudup, Zoe Saldana bis hin zu James Caan und Lili Taylor weiß der Regisseur sein großes Ensemble zu einer bemerkenswerten Einheit zusammenzuführen. Dieses manövriert der Filmemacher durch ein Skript, das, verfasst von Canet selbst sowie James Gray ("Two Lovers"), das dem Film Noir der Siebziger- und Achtzigerjahre einen beeindruckenden Tribut zollt und an Filme wie zuletzt "Gangster Squad" und "Broken City" erinnert. Untermalt von der kühlen Fotografie eines Christophe Offenstein ("Kleine, wahre Lügen") versetzt "Blood Ties" das Publikum direkt zurück in die Seventies. Dabei entwickelt sich die Spannung sukzessive - vor allem die erste Hälfte wird von eindringlichen, wenn auch sehr ausführlichen Dialogen dominiert. Für den Suspense ist dies jedoch förderlich: Erst nach und nach mündet die stetig beklemmender werdende Anspannung in einen großen Knall. Das wird vor allem das genreaffine Publikum zu schätzen wissen, die den düsteren Thriller lieben. Fazit Mit seinem düster-pessimistischen, starbesetzten Thriller "Blood Ties" gelingt dem Regie-Geheimtipp "Guillaume Canet" den Sprung an die internationale Filmemacher-Spitze. Sein zunächst behäbig erzählter Film wechselt ab der Hälfte in ein rasantes Cop-Manöver, das das Durchhaltevermögen des Zuschauers mit sehenswerten Choreographien und adrenalingeladenen Actionsequenzen belohnt. Der Cast spielt sich gegenseitig die Bälle zu und harmoniert insbesondere aufgrund in den Dialogsequenzen. Einzig die triste Inszenierung, die sich auch auf die technischen Ebenen niederschlägt. ist in Gänze fern von gängigen Sehgewohnheiten.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 29-09-2014
  • Reviews & Meinungen

Filmkritik: „Borgman“

Der niederländische Beitrag zur kommenden Oscar-Verleihung steht bereit und "Borgman" hat schon im Voraus - allein durch Ausschnitte und Bilder - Lust auf mehr hervorgerufen. Was dann jedoch passiert, macht absolut sprachlos. Alex van Warmerdam steht als wichtigster Mann hinter der niederländisch-belgisch-dänischen Co-Produktion "Borgman": Er schrieb das Drehbuch und führte Regie. Dass er eine der Nebenrollen im Film übernahm, schien hier eine Herzenssache zu sein, denn mit dem pulsierenden Mittelpunkt des menschlichen Körpers muss er vollends dabei gewesen sein, um einen derartigen Film zu schaffen. "Borgman" hat es in sich, aber was das genau ist, lässt sich doch nur schwer erfassen. Unter der Erde Camiel Borgman (Jan Bijvoet) haust in einer selbstkonstruierten Erdhöhle, die er durch einen angelegten Notausgang verlassen muss, als drei Bewohner eines niederländischen Dörfchens Jagd auf ihn machen. Auf dem Weg aus dem Wald erweckt er seine zwei Anhänger ebenfalls aus ihren Schlupfwinkeln und bewegt sich weiter in Richtung eines vornehmen Wohngebiets. Dort angekommen fragt er am erstbesten Haus nach einem Bad, welches ihm verwehrt wird. Sein zweiter Versuch beim Haus von Richard (Jeroen Perceval) und Marina (Hadewych Minis) endet blutig, denn der aggressive Ehemann verprügelt Borgman, als dieser behauptet seine Frau zu kennen. Doch Marina plagt ein schlechtes Gewissen und so versorgt sie Borgmans Wunden, als dieser erneut auftaucht. Auch eine Unterkunft bietet sie ihm an - unter der Voraussetzung. dass er sich von ihrem Mann und den drei Kindern fernhält. Doch der Gast ignoriert die Anweisungen, taucht immer wieder im Wohnhaus auf, um sich später als Gärtner zu bewerben. Von nun an lebt er offiziell bei der Familie im Gästebereich und lässt auch seine Mitstreiter Ludwig (Alex van Warmerdam) und Pascal (Tom Dewispelaere) im Gartenhaus wohnen. Die Vorkommnisse und Beziehungen in der Vorzeigefamilie geraten aus den Fugen und eskalieren mehr und mehr auf abstruse Art und Weise. Das Böse lauert überall Man muss Borgman als Metapher sehen, als Darstellung der Abgründe, die in jedem von uns lauern. Er ist kein "sei vorsichtig gegenüber Fremden"-Zeigefinger, keine Warnung vor Landstreichern, sondern die Inkarnation dessen, was die Menschen entzweit, was sie argwöhnisch macht und gegeneinander aufbringt. Er infiltriert die erwählte Familie scheinbar mühelos, sät Unbehagen, Missgunst, Feindschaft und Tod. Es sind Alpträume, Manipulationen und das Kreieren einer geheimnisvollen Anziehungskraft gegenüber Marina, den Kindern und dem Kindermädchen. Nur der grundsätzlich aufbrausende Richard scheint durch seine Grundaggressivität nicht von Borgman bedroht zu sein. Kurze Dialoge, wenige Ortswechsel und eine schleichende Veränderung der Charaktere lassen den Zuschauer nicht nur sämtliches Zeitgefühl verlieren, sondern auch die Fähigkeit zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. All das vor einem warmen sommerlichen Hintergrund, der die heile Welt in Bild und Ton aufrechterhält, wird ein permantes Kribbeln geschaffen, eine Spannung, die sich bis zum Ende aufbaut und den großen Knall erwarten lässt. Doch wo bleibt er? Gewollt unfertig fertiggestellt Regisseur van Warmerdam sagt selbst, dass er einen offenen Film entstehen lassen wollte, der mehr Fragen stellt, als er am Ende Antworten gibt. Für Liebhaber ein Fest, für alle anderen eine Qual. Ratlosigkeit und viele Fragezeichen häufen sich im Laufe der nichtsdestotrotz spannenden 113 Minuten. Auch vor der Annahme, Borgman sei eine Metapher, bleibt offen, ob er nicht doch real ist. Doch wer sind deine Anhänger? Woher sie kommen, warum sie tun, was sie tun und was sie da eigentlich tun - offen. Die offensichtliche Manipulation Marinas steht hier der unerklärten körperlichen Beeinflussung der Kinder gegenüber. Gebannt verfolgt man das düstere, teilweise schockierende Geschehen. Man nimmt die Taten des Borgman-Clans hin, die Szenen, die aus dem Kontext gerissen scheinen und wartet auf das alles auflösende Ende. Doch die Münder stehen offen und man darf und muss zugeben: Das habe ich nicht verstanden. Doch nicht nur hier füllt man sich verloren. Die Zeitlosigkeit, der unbestimmte Handlungsort, Wesen und Menschen, die auftauchen, von denen man aber weder sicher weiß wo sie herkommen noch weshalb sie überhaupt eine Rolle spielen. Trotzdem oder gerade deshalb verfehlt "Borgmann" sein Ziel der ständig steigenden Spannung zu keiner Miunte, verbreitet vor der Leinwand das gleiche Unbehagen, das auch die Charaktere beschleicht - ein absolut gelungener Thriller, der seine Intention jedoch in keiner Sekunde preisgibt. Fazit Es fällt schwer "Borgman" klar zu mögen oder eben nicht zu mögen, doch eins steht fest: Auch wenn van Warmerdams Oscar-Beitrag die Gemüter verwirrt zurücklässt, ist er einer der großen Kandidaten im Rennen um die Goldjungs, die trotz metallner Hülle gern mehr Tiefe und Charakter zeigen können. Wer sich auf diese surreale Reise begibt, muss es auch wirklich wollen, denn wenn sie einmal angetreten wurde, gibt es kein Zurück.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 27-09-2014
  • Reviews & Meinungen

Filmkritik: „The Giver – Hüter der Erinnerung“

Getreu dem Motto "Was lange währt, wird endlich gut" hat sich Walden Media zehn Jahre für die Vorbereitung der Produktion von "The Giver - Hüter der Erinnerung" genommen. Ob sich die Dekade gelohnt hat und Ihr am 2. Oktober ins Kino gehen solltet, erfahrt Ihr bei uns. Buchverfilmungen verlieren niemals ihren Reiz. Ob Romanze, Drama oder Science Fiction - alles findet die nötige Resonanz und letztendlich auch Studio und Gelder. So auch Lois Lowrys "The Giver - Hüter der Erinnerung", der in den USA längst zur schulischen Pflichtlektüre geworden ist und für den herausgebenden Verlag eines der erfolgreichsten eBooks des Sci-Fi-Genres ist. Auch für Jeff Bridges, der die namensgebende Rolle im Film spielt, erfüllt sich mit der Verfilmung einen Herzenswunsch: Für ihn und seine Töchter ist "The Giver" ein unverzichtbarer Bestandteil des Bücherregals geworden. Bridges' Streben nach einer Verfilmung reicht jedoch schon 20 Jahre zurück, als er durch Zufall auf das Buch stieß und seinen Vater in der Rolle des Hüters vor sich sah. Durch Lloyd Bridges' Tod im Jahre 1998 konnte dies zwar nicht mehr verwirklicht werden, hat aber in Form seines Sohnes einen mehr als würdigen Nachfolger bekommen. Alles ist rein In einer unbestimmten Zukunft ist das Leben der Menschen geordnet, gesäubert und perfide geregelt. Bis ins kleinste Detail herrscht Ordnung, die sich selbst in der Symmetrie der Bäume widerspiegelt. In diesem durch neblige Abgründe abgegrenzten Lebensraum gehen auch Jonas (Brenton Thwaites), Fiona (Odeya Rush) und Asher (Cameron Monaghan) ihren tagtäglichen Aufgaben nach. Sie und all die anderen Bewohner richten sich nach den Regeln, die seit Generationen von den Ältesten bewacht und aufrecht erhalten werden. Die drei Freunde stehen jedoch vor einem Wandel, denn ihnen wird in einer Zeremonie ein Beruf und somit die letzte neue Aufgabe zugewiesen. Am Ende steht Jonas allein vor den versammelten Bewohnern und wird als Auserwählter verkündet: Er soll der neue Hüter der Erinnerung werden. Damit völlig überfordert, begegnet er seinem namenlosen Mentor (Jeff Bridges): "The Giver". Dieser ist der einzige unter all den schwarz-weißen Menschen, der die Erinnerungen vergangener Generationen in sich trägt und diese nun an seinen Nachfolger Jonas weitergeben soll. Dieser ist zunächst begeistert, merkt aber schnell, dass in dem Leben, das die Menschen führen, etwas fehlt. Jonas beginnt Regeln zu brechen, das System anzuzweifeln und einen Plan zu schmieden, der alles ändern soll... Wenn aus Fehlern gelernt wird "The Giver" präsentiert eine fiktive, zeitlose Welt, die die Ausmaße des Überlebenskampfes der Menschen verdeutlicht: Um sich von allem Bösen zu trennen, musste auch all das Gute und Positive aus den Erinnerungen getilgt werden. Umgesetzt wird dies seit unzähligen Generationen mit als Medizin getarnten Injektionen, die längst niemand mehr hinterfragt. Doch die bestehende Welt funktioniert für die isolierten Menschen einwandfrei. Zweifel kommen keine auf. So gehört auch das "Aussortieren" von Alten und Schwachen dazu und wird als selbstverständlich bzw. als nötiger Schritt für das Aufrechterhalten der Gemeinschaft angesehen. Neben dem permant gleichhohen Wissensstand der Menschen, sorgen auch die vollkommene Symmetrie, die Vereinheitlichung der Kleidung und Gebrauchsgegenstände und die zugeordneten Familien für einen Einheitsbrei, an den sich alle sehr gut gewöhnt haben. Doch diese emotionslose, triste Stimmung, die vor allem durch das anfängliche schwarz-weiß intensiviert wird, überträgt sich selbstläufig auf den Zuschauer. Man braucht keine Fantasie, um sich diese Welt ohne Emotionen, Liebe und körperliche Nähe vorzustellen, eine Welt in der Familien sind zu Einheiten mit gezüchteten Kindern geworden sind und das Töten kultiviert, statt ausgemerzt wurde - so wird sie aussehen. Durch all das führt uns  ein äußerst sympatischer und mitreißender Brenton Thwaites, der immer mehr erfährt und uns die Welt mit seinen Augen sehen lässt. So trifft auch Jonas' plötzliche Fähigkeit Farben wahrzunehmen den Zuschauer ebenso intensiv wie den Hauptcharakter selbst. Er entdeckt sie zum ersten Mal und wir entdecken sie neu. Was für seine Welt verloren schien, bekommt durch das dargestellte, gräulich-biedere Leben eine ganz besondere Bedeutung. All das, was für uns so selbstverständlich ist, erhält durch "The Giver" wieder den Hauch der Bedeutung, die es eigentlich verdient und dringend braucht. Ein Leben ohne Emotionen ist so trist wie ebenjene erste schwarz-weiß-Einstellungen, die gekonnt ins Farbenprächtige übergehen. Diese Zukunftsvision ist faszinierend und erschreckend zugleich und macht die Hauptrolle umso authentischer. Auch wenn Jonas durch seine Aufgabe des zukünftigen Hüters nicht nur Freude, sondern auch Leid erfährt, beginnt er eine schier unmögliche Reise, um sich und die, die er liebt, zu befreien. Über den Rand zu blicken wird hier wörtlich genommen und die Gefahren, das Auseinandersetzen mit Ängsten und das Überschreiten eigener sowie geografischer Grenzen spiegelt die menschliche Tendenz zu immer gleichem Trott wider. Um diesem Trott, dem man zu jeder Zeit verfallen kann, zu entkommen, braucht es Mut und Stärke. "The Giver" beweist beides gekonnt und trotz Utopie besonders glaubhaft. Fazit "The Giver" existiert mit der kreierten Welt für sich und ist doch zeitlos aktuell. Ein emotionaler Weckruf ohne mit dem drohenden Zeigefinger die Sicht zu versperren und ohne durch zu viel Fiktion den Bezug zur Realität zu verlieren.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 22-09-2014
  • Reviews & Meinungen

Filmkritik: „I Origins – Im Auge des Ursprungs“

In "I Origins - Im Auge des Ursprungs" suchen zwei Wissenschaftler im menschlichen Auge nach etwas Höherem. Um dies filmisch umzusetzen werden einige Genres miteinander verknüpft. Dazu gehören Liebesfilm, Drama, aber auch Science-Fiction. Wie sich diese Verflechtung auf die Geschichte des zweiten Films von Mike Cahill ausgewirkt hat, verrät Euch IOFP. Für Mike Chahill ist "I Origins - Im Auge des Ursprungs" erst der zweite große Kinofilm nach "Another Earth". Drei Jahre nach seinem Erstling hat Cahill wieder die Regie und das Drehbuch in die Hände genommen. Zudem hat er nicht nur seine Hauptdarstellerin Brit Marling in sein aktuelles Filmprojekt wieder involviert, sondern auch erneut eine romantische Geschichte mit futuristischen Elementen gepaart. Für seinen neuen Film sind diese Elemente in der Geschichte um einen jungen Wissenschaftler verpackt, der gemeinsam mit seiner Laborpartnerin die Evolution des Auges untersucht. Licht Zunächst zu den guten Eigenschaften des Films: Hauptdarsteller Michael Pitt spielt den jungen Wissenschaftler Ian wirklich überzeugend. Schon in seiner Rolle des James 'Jimmy' Darmody in der HBO-Serie "Boardwalk Empire" war Pitt der Symphatieträger der Zuschauer und nach seinem Ausscheiden in der zweiten Staffel, hat die Serie einen ihrer wichtigsten Charaktere verloren. Auch in seinen bisherigen kleineren Kinorollen, wie bei "Funny Games U.S." in dem er einen der sadistischen Jungen spielte, machte auf seine schauspielerische Leistung neugierig und man wollte mehr von diesem Newcomer Hollywoods sehen. In "I Origins" bestätigt Pitt diesen Eindruck. Ian lernt auf einer Halloweenparty die maskierte Sofi (Astrid Bergés-Frisbey) kennen und fragt, ob er für seine Untersuchungen ein Foto ihrer Augen machen darf, die aus ihrer Strumpfmaske herausstrahlen. Er darf und nach kurzem Geplänkel verschwinden die beiden schnell zusammen auf einer Toilette. Jedoch bevor es zum Akt kommt springt die immernoch maskierte Sofi auf, flieht und fährt mit dem nächsten Taxi hinfort. Ian kann in den kommenden Tage die Frau nicht vergessen, doch alles was er von ihr hat, ist ein Foto ihrer Augen. Wie das Schicksal so will, treffen sich die beiden in der U-Bahn wieder. Sie sagen erstmal nichts. Sie gibt ihm ein Frucht-Mentos. Er setzt ihr am Bahn-Ausstieg seine Musikkopfhörer auf. Sie geht mit seinen Kopfhörern am Kopf raus und er folgt ihr mit seinem MP3-Player in der Hand nach draußen. Die nächsten Minuten des Films drehen sich um die Liebesgeschichte von Sofi und Ian und sind sehr schön vom Regisseur umgesetzt. Es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie sich die Liebe des Hipster-Pärchens entwickelt und wie sie miteinander umgehen. Die besten Szenen des Films. Schatten Regisseur Mike Cahill hat in dem Film eine ordentliche Leistung abgelegt und sorgt gemeinsam mit seinem Kamerateam für tolle Bilder. Auch die Sci-Fi-Details aus der Ophtalmologie (griech. Lehre des Auges) sind in dem Film interessant eingearbeitet. Das Drehbuch hätte er allerdings jemand anderem überlassen sollen. "I Origins" lebt von seinen Zufällen, was die Geschichte unglaubwürdig und ziemlich weit hergeholt erscheinen lässt. Ian sieht zufällig ein Plakat mit Sofis Augen darauf. Ian trifft Sofi zufällig in der Bahn. Ians Kind hat zufällig dieselben Augen wie jemand anderes auf der Welt. Dies zieht sich durch den kompletten Film. Nach dem tragischen Tod von Sofi, versucht Ians Laborpartnerin Karen (Brit Marling) den deprimierten Wissenschaftler zu trösten und bringt etwas zu Essen mit zu seiner Wohnung. Die beiden kommen sich näher und die nächste Szene spielt sieben Jahre später: Ian und Karen sind verheiratet und erwarten ein Kind. Diesen ungeschickten Übergang hätte man sicherlich auch besser gestalten können. Insgesamt wirkt die Geschichte von "I Origins" nicht genügend durchdacht. Nach der Entdeckung, dass Ians Kind dieselben Augen wie ein verstorbener Mann besitzt, stellen Karen, Ian und dessen ehemaliger Mitbewohner Kenny (Steven Yeun) mit Hilfe einer Datenbank fest, dass es ein Kind in Indien mit Sofis Augen gibt. Um zu testen, ob es Dinge aus Sofis Leben visuell erkennen kann, beschließt Ian nach Indien zu reisen und das Kind nur mit dem Bild der Augen zu suchen. Natürlich jagt in Indien wiedermal ein Zufall den Nächsten... Fazit Für Freunde des anspruchsvollen Kinos ist dieser Film nichts. Wer die leichtere Unterhaltung sucht, mit einer netten Liebesgeschichte, der ist bei "I Origins" schon eher an der richtigen Stelle. Für einen Pärchenabend im Kino geht dieser Film in Ordnung, da dem Zuschauer wirklich nette Bilder geboten werden. Dazu passen die Science-Fiction-Elemente in das Drama gut hinein. Die Geschichte ist jedoch leider zu schwach. Dabei leisten die Schaupieler, wie Michael Pitt oder Astrid Bergés-Frisbey, eigentlich gute Arbeit und man traut ihnen einfach mehr zu. Nächstes Mal gibt Mike Cahill das Drehbuch einfach in andere Hände und am Ende entsteht dann ein richtig guter Film.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 21-09-2014
  • Reviews & Meinungen

Filmkritik: „Sieben verdammt lange Tage“

Innerfamiliäre Konflikte sind gern genommene Szenerien für tragikomische Filme, in denen Generationen, Moralvorstellungen und Lebenspläne aufeinander prallen. Auch Shawn Levys Versuch, einmal abseits des Hollywood-Blockbusters zu überzeugen, verlässt sich auf diese erfolgversprechende Situation. In "Sieben verdammt lange Tage" muss eine Großfamilie von Jetzt auf Gleich eine Woche lang miteinander auskommen. Wie unterhaltsam das ist, verrät IOFP. Familientreffen mit Hindernissen Anfang des Jahres begeisterte ein beeindruckend gecastetes Star-Ensemble um Meryl Streep, Julia Roberts, Benedict Cumberbatch und Ewan McGregor in der Leinwandadaption des Theaterstücks „Im August in Osage County“ als sich mehr hassende denn liebende Großfamilie, die sich im Rahmen des Todes des männlichen Oberhaupts im Haus der Witwe trifft, um dort eine gemeinsame Zeit zu verbringen. Im Rausch von Trauer und Selbsthass fördert diese gemeinsame Zeit allerhand Kellerleichen zutage. Doch gleichzeitig erweist sich ein solches, fast alltägliches Szenario als ungemein unterhaltsame Szenerie, die den Zuschauer mit seinen eigenen Ängsten, Sorgen und eventuellen Familienproblemen konfrontiert. Wo sich John Wells auf ein bitterböses Drama mit nur leicht komödiantischem Einschlag konzentrierte, versucht sich der eher auf Blockbuster spezialisierte Kanadier Shawn Levy („Nachts im Museum 1 und 2“) an einer wesentlich optimistischeren und leichtfüßigeren Variante der nahezu identischen Situation. Auch in seiner tragikomischen Familienfehde „Sieben verdammt lange Tage“ lädt die von Jane Fonda grandios verkörperte Witwe ihre Zöglinge zum gemeinsamen Umtrunk, lässt diese jedoch auf Wunsch des Verstorbenen eine ganze Woche bei sich zuhause auflaufen, um das verloren gegangene Zusammengehörigkeitsgefühl wieder aufleben zu lassen. Was wie der wenig inspirierte Versuch klingt, „Im August in Osage County“ auch der breiten Masse zugänglich machen zu wollen, erweist sich als unterhaltsame Variation eines Themas, das seit jeher ein ungeheuer unterhaltsames Charisma versprüht. So lassen sich beide Filme vielleicht aufgrund der angerissenen Thematik vergleichen, den Status des Nachahmers muss Levy angesichts seiner kreativen Variation jedoch lange nicht fürchten. Vier erwachsene Geschwister treffen sich in ihrem Elternhaus wieder, um ihren Vater zu beerdigen. Jedes ist im eigenen Leben mehr oder minder gescheitert, und jetzt müssen sie zusammen eine ganze Woche unter einem Dach verbringen – in Gesellschaft ihrer gluckenhaften Mutter, etlicher Ehe-, Ex- und Wunschpartner. Niemand kann sich hier verstecken – im Gegenteil: Es ist Zeit, die Vergangenheit und die problematischen Verwandtschaftsbeziehungen aufzuarbeiten. In diesem ebenso irrwitzigen wie emotional ergreifenden Chaos kommt endlich wieder zusammen, was zusammengehört: Solche zu Herzen gehenden, komischen und versöhnlichen Situationen können nur im Familienkreis entstehen – was letztlich selbst uns Zuschauer an den Rand des Wahnsinns treibt. Denn in der Wahrhaftigkeit all dieser Schwächen und Stärken erkennen wir auch uns selbst wieder. Ein Starcast rückt sich auf den Pelz Um noch kurz bei dem Vergleich beider Filme zu bleiben, muss wie schon bei „Im August in Osage County“ auch bei „Sieben verdammt lange Tage“ der erste Blick auf den perfekt harmonierenden Cast gelegt werden. Angeführt von Jane Fonda („The Newsroom“), da hier mehr oder weniger die Rolle einnimmt, die in „Osage“ Meryl Streep innehatte, gehören Jason Bateman („Disconnect“), Tina Fey („Muppets Most Wanted“), Rose Byrne („Bad Neighbors“) und Connie Britton („American Horror Story“) zu den bekanntesten Namen des Ensembles. Doch auch Adam Driver („Inside Llewyn Davis“), Corey Stoll („Non-Stop“), Kathryn Hahn („Das erstaunliche Leben des Walter Mitty”) und Timothy Olyphant („Justified“) integrieren sich mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen perfekt ins Familientreffen. Dabei gelingt es dem Drehbuchautor Jonathan Tropper, der mit „Sieben verdammt lange Tage“ seine erste Arbeit an einem Langspielfilm ablegt, gekonnt, mit kleinen Gesten die Eigenheiten dieses großen, anfangs etwas unübersichtlichen Ensembles herauszuarbeiten. Dies ist keine Selbstverständlichkeit: „This Is Were I Leave You“, wie der Streifen im Original heißt, funktioniert überwiegend durch Dialoge und entwickelt mit seinem fast ausschließlichen Aufenthalt im Haus der Familie Altman nach und nach die Atmosphäre eines Kammerspiels. Obgleich jeder innerhalb der Familie sein eigenes Päckchen zu tragen hat – in der ersten Szene erwischt Batemans Figur Judd seine Ehefrau Quinn (Abigail Spencer) beim Fremdgehen, seine Schwägerin, herrlich hysterisch gespielt von Kathryn Hahn, versucht sich seit Monaten daran, mit ihrem Mann schwanger zu werden und sein jüdischer Bruder Philip (beweist ein Händchen für komödiantisches Timing: Adam Driver) leidet noch immer unter den Hänseleien seiner Brüder – gehen all diese einzelnen Konfliktherde in der Masse an angerissenen Thematiken nahezu unter. Einzig Jason Bateman, der einmal mehr hervorragend in der Rolle des bodenständigen Realisten von nebenan funktioniert, wird eine etwas tiefer gehende Analyse der Ereignisse gegönnt; Die Schicksale seiner Geschwister werden dagegen nur am Rande thematisiert. Das ist vor allem deshalb schade, weil Jonathan Tropper trotz der genauen Beobachtungsgabe für menschliche Eigenheiten lediglich zwei oder drei Charaktere aus der Erzählung hätte streichen müssen, um die Story zu straffen und so für mehr Übersicht zu sorgen. So kristallisiert sich alsbald heraus, welche Figuren dem Autor besonders am Herzen liegen und welche er den anderen zuliebe eher vernachlässigt. Mit der psychoanalytischen Tiefe, mit der „Im August in Osage County“ daherkam, kann „Sieben verdammt lange Tage“ entsprechend nicht mithalten. Schlimm ist das jedoch noch lange nicht. Während das Oscar-nominierte Drama Anfang des Jahres mit geschliffenen und vor allem ehrlichen Dialogen begeisterte, vermisste manch einer so etwas wie eine optimistische Weltsicht. Damit kann nun Shawn Levys Blick auf Familienstreitigkeiten auftrumpfen. Wo andere dem Film Oberflächlichkeit unterstellen mögen, wird sich manch anderer daran erfreuen, dass „Sieben verdammt lange Tage“ stets bestrebt ist, seine Figuren nicht dem tragischen Schicksal zu überlassen. Ohne mit taschenpsychologischen Weisheite so ernste Themen wie ungewollte Schwangerschaften abzuarbeiten, gibt sich Levy Mühe, derartigen Problempunkten die Zeit zu widmen, die sie benötigen, anschließend jedoch eine Lösung zu liefern. Dadurch entwickelt der Streifen eine mitreißende Dynamik und gefällt mit Optimismus und Schwung, beraubt sich dadurch jedoch selbstredend sämtlicher, etwaiger Oscar-Chancen.  Auch die technische Gestaltung spricht dahingehend Bände. Nicht uninspiriert, dafür überdeutlich dem Massengeschmack angepasst, kommt „Sieben verdammt lange Tage“ in einem Hollywoodfilm-typischen Hochglanzlook daher, der eindeutig die Handschrift von Terry Stacey trägt; nicht umsonst hat dieser schon mehrmals mit Vorzeigeromantiker Nicolas Sparks zusammengearbeitet. Dafür weißt besonders der Verzicht auf stereotype Radiosongs zu gefallen. Obwohl „Sieben verdammt lange Tage“ an vielen Stellen immer wieder dazu einlädt, verlässt sich Michael Giacchino („Star Trek into Darkness“) ganz auf einen verspielten, Piano-lastigen Score mit Wiedererkennungswert. Fazit „Sieben verdammt lange Tage“ gefällt als massentauglichere Variante des großartigen Dramas „Im August in Osage County“ und kommt zwar nicht mit solch einer emotionalen Durchschlagskraft daher, wie die Oscar-nominierte Theaterstückadaption, hat jedoch eine angenehmere Weltsicht und gefällt durch Optimismus und Sympathie.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 21-09-2014
  • KinoReviews & Meinungen

Kinotipp: „Who am I“ ist einen Kinobesuch wert!

Tom Schilling und seine Freunde tauchen in "Who am I - Kein System ist sicher" in die Tiefen der Hackerszene ab und zeigen, dass deutsches Kino ganz und gar nicht langweilig sein muss. Benjamin Engel (Tom Schilling) ist der typische Außenseiter. Unbemerkt von seiner Umwelt ist er ein Niemand. Er lebt mit seiner demenzkranken Großmutter zusammen und arbeitet als Pizzabote. Als er eines Tages seine Jugendliebe Marie (Hannah Herzsprung) wiedertrifft, soll sich alles ändern. Er versucht für Marie Prüfungsfragen vom Uniserver zu stehlen und wird erwischt. Benjamin wird zu Sozialstunden verdonnert, bei denen er den charismatischen Max (Elyas M'Barek) kennenlernt. Dieser führt Benjamin in eine ganz neue Welt ein, eine Welt, in der er plötzlich kein Niemand mehr ist sondern jeder sein kann. Max ist das Gegenteil von Benjamin. Er ist direkt, offen, dreist, charmant und erfolgreich bei den Frauen. Gemeinsam mit ihm und seinen Freunden Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot, Jr.) bildet Benjamin die Hackergruppe CLAY ("Clowns Laughing @ You"). Anfangs nutzen sie ihre Fähigkeiten um Konzerne und Medien öffentlich vorzuführen, doch um Anerkennung in der Hackerszene zu bekommen braucht es etwas größeres. Sie legen sich mit dem BKA und schließlich mit Europol an. Plötzlich ist nicht mehr nur die Justiz hinter den vier Hackern her. 103 Minuten Spannung Die Geschichte in "Who am I - Kein System ist sicher" wird rasant erzählt und Regisseur Baran bo Odar hat ganze Arbeit geleistet. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit Jantje Friese. Bereits mit seinem eher nachdenklichen Erstlingswerk "Das letzte Schweigen" sorgte der Regisseur für Aufmerksamkeit. In seinem neuesten Film schaffen es die vier Hacker nicht nur die ermittelnde Europol-Agentin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) in die Irre zu führen, auch der Zuschauer erlebt Momente, in denen die Geschichte nicht vorhersehbar ist. Besonders diese Komponente sorgt für ein besonderes Vergnügen beim Sehen des Filmes. Der Ausgang bleibt bis zum Ende ungewiss. Gesucht und gefunden Das Thema "Hacken" wollten Max Wiedemann ("Das Leben der Anderen", "Friendship") und sein Mitproduzent Quirin Berg ("Das Leben der Anderen", "Männerherzen") nutzen, um den deutschen Film auf internationales Niveau zu bringen. Das haben sie geschafft. Sie kombinieren eine Superheldengeschichte mit der Realität. Benjamin wollte immer ein Superheld sein und seine Superkraft ist das Hacken, er kann Maschinensprache. Trotz des zügigen Erzähltempos und der teilweise "verdrogten", lauten Szenen verliert der Film nicht die Bodenhaftung. Ausführende Produzentin Justyna Müsch erklärte: "Bei der intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema Hacken haben wir festgestellt, dass uns vor allem die menschliche Komponente interessiert". Der Thriller wird so davor bewahrt  zu einem völlig überdrehten Abenteuerspielplatz unrealistischer Überhelden zu werden. Stattdessen gibt er einem die Gelegenheit sich klarzumachen, dass sich die Machtverhältnisse in unserer heutigen Welt deutlich verändern könnten. Durch das Internet bekommen Anonymität und gleichzeitige Durchsichtigkeit des normalen Bürgers eine neue Bedeutung. Das Individuum hat plötzlich Zugang zu viel Macht, kann aber auch nicht mehr so schnell in der Masse untertauchen, es hinterlässt überall Spuren. Spätestens seit dem NSA-PRISM-Skandal ist in der breiten deutschen Bevölkerung das Interesse an der Grenzenlosigkeit des Internets geweckt. Dementsprechend günstig ist das Erscheinen von "Who am I". Nicht nur hinter der Kamera haben die Beteiligten ganze Arbeit geleistet, auch die Rollen sind stimmig und erstklassig besetzt. Tom Schilling ("Napola - Elite für den Führer", "Oh Boy") war für  Baran bo Odar ("Das letzte Schweigen", "Unter der Sonne") die erste Wahl als Benjamin Engel und auch Schilling wollte die Rolle unbedingt spielen: "Im Grunde war es genau der Film, genau das Genre, das ich mir gewünscht hatte". Besonders stimmig ist die Darstellung des Deep Web. Die Hacker treffen sich in einer dunklen U-Bahn und bleiben aufgrund veschiedenster Masken anonym. Das Internet als U-Bahnnetz zu visualisieren passt sehr gut. Nur mit verschiedenen Werkzeugen und Schlüsseln lassen sich die Türen zu den einzelnen Wagons öffnen. Auch Trine Dyrholm ("In China essen sie Hunde") glänzt in ihrer Rolle als Hanne Lindberg. Die Dänin kämpfte sich mithilfe einer Deutschlehrerin durch das Drehbuch und sagte, sie sei "nicht traurig, wenn [sie] nie wieder in [ihrem] Leben das Wort 'Zeugenschutzprogramm' sagen muss". Das ist doch recht charmant. Den Machern von "Who am I - Kein System ist sicher" war es wichtig, keine rein deutsche Besetzung zu haben, um eine internationale Komponenente miteinzubringen. Dies entspricht mehr dem Hacker-Klientel. Es ist ein Phänomen, das nicht territorial begrenzt, sondern weltweit verbreitet ist und keine politischen Grenzen kennt. Gedreht wurde "Who am I" in Berlin. Berlin soll als "pulsierende Weltstadt" gezeigt werden. Eine facetttenreiche Stadt, die neben lichten Touristenmagneten auch dunkle, rauhe Ecken hat. Zwar sagt MaxWiedemann, Berlin spiele eine Hauptrolle, richtig ersichtlich wird das für den Zuschauer aber nicht. Wo es spielt ist für die Geschichte unerheblich, denn bezeichnend für die virtuelle Welt ist doch, dass es sich überall abspielen kann. Weder das Aussehen eines Hackers noch sein Alter oder der Ort an dem er sitzt, spielt eine Rolle, denn im Netz können Jungs wie Benjamin Helden sein. Eine runde Sache Alles in allem ist der Film sehr gelungen und kann sich locker auch international sehen lassen. Die Geschichte wird spannend und mit Tempo erzählt, ohne in platte Unterhaltung zu verfallen. Ein Film der es endlich einmal wieder schafft, den Zuschauer zu überraschen. Schaut in den Trailer und lasst Euch ins Kino locken.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 16-09-2014
  • Archiv (nicht mehr nutzen)Reviews & Meinungen

Filmkritik: „Der Perfekte Wurf“

Ein Dokumentarfilm soll vorwiegend einen ganz bestimmten Anspruch erfüllen - er soll authentisch sein. Demnach zeichnet sich eine gut inszenierte Dokumentation vor allem dadurch aus, dass dem Zuschauer das Gefühl vermittelt wird, Zeuge eines unverfälschten Geschehens zu sein. Dem Dokumentarfilmer Sebastian Dehnhardt ist mit "Der Perfekte Wurf" dieses Kunststück gelungen. IOFP verrät Euch, was seinen Film so sehenswert macht! Das, was in der heutigen Zeit vielen Kinofilmen nicht mehr zu gelingen scheint, darf nicht auf den Dokumentarfilm übertragen werden. Anders als die zahlreichen Blockbuster-Streifen gelingt es diesem Filmgenre immer wieder, echte Gefühle und Emotionen zu entwickeln. Auch "Der Perfekte Wurf" ist so ein Film, der den Zuschauern in transparenter und völlig glaubhafter Art und Weise, Einblicke in das Leben von Basketballstar Dirk Nowitzki verschafft. Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass nicht nur die sportlichen Erfolge des gebürtigen Würzburgers im Vordergrund stehen, sondern der Mensch Nowitzki selbst. So vermittelt dieser Dokumentarfilm nicht nur, dass hinter jedem Erfolg schweißtreibende Arbeit steckt, man nach derben Niederlagen wieder aufstehen muss, der Weg an die Spitze nur durch körperliche Disziplin erlangt werden kann und dass das Verlieren immer nur eine Momentaufnahme ist, sondern schießt über dieses Ziel weit hinaus - die Kernaussage ist nämlich die, dass wahre Stärke und Siegeswillen nur derjenige zeigt, der auch auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Auf welchen Sportler würde diese Beschreibung besser passen als auf Dirk Nowitzki? Der Weg an die Spitze ist ein steiniger Aller Anfang ist bekanntlich schwer! Erfolg wird einem nicht in die Wiege gelegt! Es gibt zahlreiche Redewendungen, die das beschreiben, was sich Dirk Nowitzki erkämpfen musste - den Erfolg. "Der Perfekte Wurf" gibt Einblick in die jungen Jahre des mittlerweile 2,13 m großen Hünen. Das Basketballspielen erlernte Nowitzki von seinem Mentor und inzwischen sehr gutem Freund Holger Geschwinder. Dieser entdeckte schon früh Dirks Talent und nahm ihn unter seine Fittiche. Der Dokumentarfilm zeigt nicht nur in beeindruckenden Bildern, welch ausgefallene Trainingsmethoden auf dem Programm standen, sondern rückt auch immer wieder das väterlich wirkende Verhältnis zwischen Geschwinder und Nowitzki in den Vordergrund. Es ist nicht zuletzt Holger Geschwinders akribischer Arbeit zu verdanken, dass andere Vereine auf Nowitzki aufmerksam wurden. Zwischen den zahlreichen Video-Einspielungen und dokumentarischen Bildern werden immer wieder kurze Interviews von Nowitzkis Gegnern oder Weggefährten eingeblendet, die allesamt eine Bewunderung ihm gegenüber bekunden - nicht nur als Sportler, sondern vor allem auch als Mensch. Doch um seinen großen Traum zu verwirklichen - Profi in der NBA zu werden - musste Nowitzki seine geliebte Heimat und seine Familie hinter sich lassen. Ein schwerwiegender Einschnitt in seinem noch jungen Leben, den er jedoch im Blick zurück mit Sicherheit nicht bereuen wird... Welcome to Texas Besonders beeindruckend sind die Bilder, die Nowitzkis Anfänge in den USA zeigen. Für den damals 20-Jährigen war dies zunächst einmal vor allem ein Kulturschock. Aber auch das Basketball-Spiel ist in Amerika ein ganz anderes. Es wird viel körperbetonter und aggressiver gespielt. Doch Nowitzki nahm all diese neuen Herausforderungen an. Der Dokumentarfilm skizziert den mühsamen Weg der Dallas Mavericks, bis an die Spitze. Höhepunkt dabei ist der Gewinn des NBA-Finals in der Saison 2010/2011. Zudem wird Dirk Nowitzki als wertvollster Spieler der Final-Serie ausgezeichnet und ist damit endlich am Ziel seiner Träume angelangt. Da, wo andere Dokumentationen nun vielleicht enden würde, hält die Kamera bei "Der Perfekte Wurf" weiter drauf. Dadurch werden nicht nur jede Menge Emotionen eingefahren, sondern der Zuschauer scheint regelrecht zu spüren, welch Ballast mit dem Gewinn des Titels von Nowitzkis Schultern fällt. Und um eines bereits jetzt schon vorwegzunehmen: Auch Sportmuffel werden an dieser Dokumentation durchaus Gefallen finden. Das Bildmaterial, das Ausschnitte aus Spielen zeigt, nimmt nur eine sehr geringe Spielzeit in Anspruch. Vielmehr stehen die Person Dirk Nowitzki, seine Familie, sein soziales Umfeld und die Aufnahmen außerhalb der Sporthalle im Vordergrund. Abseits der Sporthalle Dirk Nowitzi gewährt den Zuschauern einen erstaunlich offenen Einblick in sein Privatleben. Der sonst eher etwas zurückhaltende Basketball-Star zeigt sich von einer Seite, die viele so wohl noch nicht gesehen haben. So engagiert er sich für schwer erkrankte Kinder, die er regelmäßig im Krankenhaus besucht und plaudert ganz offen mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt über seine berufliche Karriere nach seiner sportlichen Laufbahn. Dies wirkt teilweise nicht nur sehr amüsant, sondern verdeutlicht abermals den weichen Kern, der in dem sympathischen Riesen steckt. Nowitzki ist sich dabei für keinen Scherz zu schade und nimmt sich auch gerne selbst auf den Arm. So zählt er in einer US-Talkshow mögliche neue Kosenamen für sich auf (z.B. "The Seven Foot Schnitzel"). Was ihn dabei so sympathisch macht, ist, dass er trotz seiner großen Erfolge sehr bodenständig geblieben ist. Die enge Beziehung zu seinen Eltern ist ihm sehr wichtig. Zu Wort kommt auch Nowitzkis Freundin, die wohl am besten beschreiben kann, was für er ein Typ er wirklich abseits der Sporthalle ist. Es gibt keinen Zeitpunkt bei dieser Dokumentation, an dem der Zuschauer den Eindruck gewinnen könnte, Nowitzki verhalte sich nicht authentisch. Er ist einfach ein Typ, den man gern haben muss - egal ob aus sportlicher oder menschlicher Perspektive. Fazit Dem Dokumentarfilmer Sebastian Dehnhardt ist mit "Der Perfekte Wurf" eine außergewöhnliche Dokumentation gelungen, die vor allem durch ihre authentisch wirkenden Bilder zu beeindrucken weiß. So werden auch mit Sicherheit diejenigen Zuschauer daran Gefallen finden, die sonst für Basketball nicht allzu viel übrig haben. "Der Perfekte Wurf" ist zugleich eine Hommage an die Person Dirk Nowitzki, als auch ein Loblied darauf, dass man seine Träume durch harte Arbeit und Disziplin erreichen kann.

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 15-09-2014
  • Reviews & MeinungenSpecials

Die Raubzüge der amerikanischen Filmindustrie

"3...2...1...meins!" könnte auch das Motto der Filmindustrie lauten. Besonders Hollywood scheint eine Vorliebe dafür zu haben, sich rasch die Rechte an ausländischen Produktionen zu sichern. IOFP zeigt Euch das Raubgut der Amerikaner. Dass Filme oder Serien häufig nur Adaptionen von Comics, Büchern, geschichtlichen Ereignissen oder sehr alten Vorgängern sind, ist schon lange normal geworden. Wenn aber über den Ozean hinweg Filme anderer Kontinente "verbessert" werden, grenzt das an eine Beleidigung. Amerikanische Filme sind beinahe überall weltweit zu sehen und oft zu Recht. Sie scheinen so gemacht zu sein, dass sie eine internationale Sprache auf der Gefühlsebene sprechen. Allgemein leichte Zugänglichkeit und Gefälligkeit sind sicher positive Attribute, die den westlichen Hochglanzproduktionen zugestanden werden können. Viele sehr gute und originelle Filme haben es über den Atlantik schon zu uns geschafft und wurden freudig aufgesogen. Ein Austausch scheint aber nicht zu entstehen. Amerikanische Filmemacher und Produktionsfirmen lassen sich gerne von asiatischen oder europäischen Filmen und Serien inspirieren, um sich dann die Rechte an ihnen zu sichern. Vielleicht soll das nur Ausdruck der Begeisterung für das Gesehene sein. Vielleicht zeigt ein Vertreter Hollywoods seine Achtung, indem er versucht es zu besitzen? Verständlich wäre das nur, wenn eine Geschichte wirklich neu ist und ein Regisseur etwas an ihr entdeckt, das noch fehlt. Warum aber werden 08/15-Geschichten gekauft? Solche Filme oder Serien, die in erster Linie aufgrund ihres Humors oder ihrer kulturellen Einflüsse etwas besonderes sind. Welche versteckte Geschichte mag Will Ferrell hinter der "Hellfjords" noch entdeckt haben, die es verdient hätte, nochmal besonders hervorgehoben zu werden? Manche Dinge leben einfach von ihrem Humor, es wäre großer Unfug diesen zu ersetzen. Man nehme das Beispiel "Hellfjord". Die Serie erzählt eine ziemlich einfache Krimigeschichte, die mit Kuriositäten verziert ist. Ferrell hätte also eine x-beliebige Geschichte nehmen können um sie mit seinem Humor zu verzieren. Warum braucht er dafür die Rechte an ""Hellfjord"? Welchen Reiz könnte es haben, sie mit neuen Plattitüden zu schmücken, anstatt einen neuen, eigenen Film zu machen? Besonders viel wird aus Japan ("Ringu" - "The Ring", "Ju-on" - "The Grudge", "Gojira" - "Godzilla") und Frankreich ("LOL-Laughing Out Loud" - "LOL", "La sirène du Mississippi" - "Original Sin", "Anthony Zimmer" - "The Tourist") stibitzt. Es scheint also in Hollywood Liebhaber von Filmen bestimmter Länder zu geben. Doch anstatt für die Originale auf herkömmlichem Wege zu werben, nutzt man sie lieber als Vorlage für neue Kassenschlager. Zugegeben, auch hier wird adaptiert und zwar in rauen Mengen. Allerdings kommen diese Produktionen selten über das Fernsehen hinaus. Man kennt die Sat.1-Kopien sämtlicher US-Filme, ganz zu schweigen von den unzähligen Shows, die leider, leider importiert wurden. Aber warum musste Stig Larssons Millenium-Trilogie nochmal gemacht werden? Schon die skandinavische Verfilmung war großartig. Das muss nicht heißen, dass Neuverfilmungen schlecht sind. Eine Eins-zu-eins-Umsetzung war die Serie "In Treatment - In Behandlung", welche eine Adaption der israelischen Serie "Be Tipul" ist. Nicht nur das Drehbuch der beiden Serien ist identisch, die Schauspieler Gestikulieren nahezu genauso wie die Originaldarsteller. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, sich "In Treatment" anzusehen, vorausgesetzt, man führt sich erst die amerikanische Fassung zu Gemüte. Zudem muss zu dieser Adaption gesagt werden, dass auch Serbien, Polen und die Niederlande ihre jeweils eigene Fassung herausbrachten. Auch "The Killing" kann sich als gute Kopie von dem dänischen Original "Forbrydelsen" sehen lassen. Dennoch - warum? Besonders irritierend ist der kurze Abstand zwischen der Originalausstrahlung und der der Kopien. Der dänische Film "Brødre" von Susanne Bier taucht bereits fünf Jahre später auf US-Leinwänden wieder auf, Südkoreas "Juno" ist zwei Jahre nach Erscheinen als Westfassung zu sehen und "Das Haus am Meer", ebenfalls aus Südkorea, wird schon nach einem Jahr von der amerikanischen "Verbesserung" mit Kevin Kline abgelöst. Das sind keine Filme, die von technischen Neuerungen profitieren müssten, geschweige denn, dass sich binnen dieser wenigen Jahre die Filmtechnik so gravierend verbessert hätte. Welche Botschaft sendet also die wiederkäuende amerikanische Filmindustrie mit ihren Repliken? Ist es der Rezipient, der keine ausländischen Produktionen sehen will oder ist es Ausdruck der Begeisterung? Vielleicht geht es auch tiefer und es ist ein amerikanischer Wunsch schöne Dinge zu besitzen. Mit solchen Vermutungen bleibt man natürlich im rein Spekulativen. Fakt ist aber, dass Hollywood sich lieber Fremdes zu eigen macht, als das eigene im Fremden zu suchen. Erstaunlich für Filmemacher eines Landes, welches eine Fülle an verschiedenen Ursprungskulturen hat. Doch scheint es, als schöpfe zumindest die Blockbuster-Produktion nicht aus der kulturellen Vielfalt, sondern klammert sich an Klischees von Heldentypen, Überemotionaliät und platte Geschichten. Amerikanische Filme verbreiten sich leichter und schneller über den Globus. Sie sind meist so einfach in ihren Botschaften und in der Art wie sie Gefühle transportieren, dass sie für jede Kultur verständlich sind. Eine Hollywood-Kopie erreicht meist ein bedeutend größeres Publikum, als es ein Original je könnte. Dadurch kann sich aber auch für das Original ein neuer Markt öffnen. Adaptionen können als Werbung für die sonst meist regional begrenzten Originale fungieren. Dementsprechend sollte man sie einfach als langen Trailer für Filme aus den letzten Winkeln der Erde sehen, die uns sonst womöglich entgangen wären. Welche Filme und Serien fallen Euch noch ein? Wann gefiel Euch die Kopie besser als das Original und andersherum?

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  • 14-09-2014
  • Archiv (nicht mehr nutzen)Reviews & Meinungen

Filmkritik: „Sin City 2: A Dame To Kill For“

Neun Jahre ist Frank Millers Comicverfilmung "Sin City" inzwischen schon alt. Nun startet endlich die Fortsetzung des Kultfilms. Obwohl sie in den USA an der Kinokasse gefloppt ist, verrät Euch IOFP, was "Sin City 2: A Dame To Kill For" zu bieten hat. "Sieht aus wie Weihnachten" 2005 schufen Frank Miller und Robert Rodriguez mit "Sin City" einen Meilenstein der Kinogeschichte. So einen Film hatte man noch nie zuvor gesehen: Diesen eigenartigen schwarz-weiß Comicstil, der von realen Schauspielern umgesetzt wird. Ein Cast, der vollgepackt ist mit Hollywoodstars. Dazu noch die einzelnen Episoden in der Geschichte, die alle in dieser düsteren Stadt namens "Sin City" spielen. Frank Miller versuchte mit "The Spirit" drei Jahre später einen ähnlichen Film zu drehen. Der Stil war dem von "Sin City" sehr ähnlich und mit Samuel L. Jackson, Eva Mendes, Scarlett Johansson und einigen weiteren Stars war auch dieser Film top besetzt. Die Comicverfilmung war allerdings ein Flop. Sowohl von seiner Umsetzung, als auch an der Kinokasse. Viele Effekte und einige Stars sind halt nicht alles. Die Fans von "Sin City" ersehnten eine Fortsetzung ihres Kultfilms und nun, neun Jahre nach dem Original, werden ihre Rufe erhört. "Sin City 2: A Dame To Kill For" geizt ebenfalls nicht mit Hollywoodgrößen. Es gibt viele neue Gesichter zu sehen (Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Josh Brolin, Christopher Lloyd, Lady Gaga) und die Stars von damals konnten gehalten werden (Jessica Alba, Bruce Willis, Mickey Rourke, Rosario Dawson). Umbesetzungen forderten nur die Rolle von Manute, da Michael Clarke Duncan verstorben ist, die Rolle von Miho, da Devon Aoki während der Dreharbeiten schwanger war, und die Rolle von Dwight, da dieser Charakter eine Gesichtsoperation vor "A Dame To Kill For" hatte. Nach Frank Millers Fehlschuss mit "The Spirit" kann man froh sein, dass es in der Regie keine Umbesetzungen gab und mit Robert Rodriguez sein kongenialer Partner für die richtige Umsetzung von Millers Comic wieder dabei ist. Optisch hat die Fortsetzung einiges draufgelegt. Die Technik hat sich in den letzten neun Jahren weiterentwickelt und das merkt man auch dem Film an. Die 3D-Effekte bekommen dem "Sin City"-Stil ganz ausgezeichnet. Noch mehr grafische Spielereien und Rodriguez-typische Kampfszenen mit viel herumspritzendem Blut machen "Sin City 2" zu einem visuellen Kinoerlebnis. Inhaltlich hinkt die Fortsetzung seinem Vorgänger dagegen etwas hinterher. Die Geschichten wirken nicht mehr ganz so durchdacht und die Charaktere sind schon zum größten Teil bekannt und nicht mehr ganz so mysteriös. "Eine Braut, für die man mordet" In vier Geschichten aufgeteilt, beginnt der Film mit "Just Another Saturday Night" und einer mit Alkohol durchzechten Nacht von Marv (Micky Rourke). Der Fanliebling aus dem ersten Film muss sich im ersten Teil mit einer Bande Jugendlicher herumschlagen. Die Geschichte dient aber eher nur als Intro zum Film. In "The Long Bad Night" geht es anschließend um den jungen Spieler Johnny (Joseph Gordon-Levitt). Weil er ständig Glück im Spiel hat und nur gewinnen kann, entschließt er sich am Pokerspiel des größten Schurken von "Sin City", Senator Roark (Powers Boothe), teilzunehmen. Natürlich gewinnt Johnny auch dieses Spiel, allerdings zeigt sich der Senator nicht als guter Verlierer. In der Hauptstory "A Dame To Kill For" trifft Dwight (Josh Brolin) auf seine Exfreundin Ava Lord (Eva Green). Sie bitte ihn um Hilfe, da sie von ihrem Ehemann misshandelt und von dem Chauffeur Manute (Dennis Haysbert) ständig verfolgt wird. Dwight und sein Freund Marv beschließen sie zu befreien, allerdings muss Dwight bald erkennen, dass alles nur eine Falle war. In "Nancy's Last Dance" wird die Geschichte um Nancy Callahan (Jessica Alba) aus dem ersten "Sin City" weitererzählt. Damals verliebte sie sich in den Polizisten John Hartigan (Bruce Willis), der sie aus den Fängen des Sohnes von Senator Roark, dem gelben Bastard befreite. Um Nancy zu schützen beging Hartigan anschließend Selbstmord. Nancy hat den Verlust ihres Retters nicht verkraftet und angefangen zu trinken. Alles was sie will, ist Rache an dem Senator nehmen. Marv ist mal wieder zur Stelle und unterstützt die Tabledancerin beim Rachefeldzug. Die Gewalt im Film ist härter als im Vorgänger und das Mindestalter für "Sin City 2" liegt völlig zurecht bei 18 Jahren. Marv sorgt in den gewaltgeladenen Szenen mit seinen Sprüchen für zusätzlichen schwarzen Humor. Außerdem wird in der Fortsetzung mehr Sex geboten. Eva Green läuft im kompletten Film quasi nur nackt herum. Es ist also nicht verwunderlich, dass sämtliche Männer dieser Frau zum Opfer fallen. Das größte optische Highlight ist jedoch Jessica Alba. Diese Frau kann sich einfach bewegen und Miller und Rodriguez haben alles richtig gemacht, dass Nancy mehrere Tanzauftritte im Film bekommt. Die 3D-Effekte unterstützen die Tanzszenen zusätzlich sinnvoll. Fazit "Sin City 2: A Dame To Kill For" ist eine gelungene Fortsetzung und führt das "Sin City"-Universum adäquat weiter. Es ist zwar alles nicht mehr so aufregend und neu wie im ersten Teil, jedoch sind die Geschichten wieder toll umgesetzt und es gibt viel zu sehen und zu staunen. Die 3D-Effekte passen sich optimal dem Film an und machen "Sin City 2" zu einem spaßigen Kinoerlebnis. Es ist von allem ein bisschen mehr dabei als im ersten Teil, was dem Film aber gut bekommt. Die Erwartungen werden voll erfüllt!

Interesse geweckt? Jetzt weiterlesen
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. ...
  8. 27