• 23-02-2015
  • Reviews & MeinungenSpecials

Top 5: Die besten Casino- und Glücksspiel-Filme aller Zeiten

Nervenkitzel lässt sich bekanntlich durch zahlreiche Methoden erzeugen, doch die Mischung aus Action, viel Geld und zumeist der einen oder anderen schönen Frau hat sich als eine der erfolgreichsten entpuppt. Filme, die sich mit Casinos und Glücksspielen beschäftigen, gab es in den letzten Jahrzehnten daher so einige, von der Gangster-Komödie bis zum raffinierten Psycho-Thriller. Aber welcher Casino-Film ist eigentlich der Beste? Wir haben uns für euch an den filmischen Glücksspiel-Tischen herum getrieben und die besten Filme aufgelistet. 21 Lange Zeit war Black Jack eines der Glücksspiele, bei dem man mit ein wenig Grips seinem Glück auf die Sprünge helfen konnte. Als der Student Ben Campbell eines Tages von seinem Mathematik-Professor das Angebot erhält, mit einem Team anderer Studenten in Las Vegas das ganz große Geld abzuräumen, ist er skeptisch. Angesichts der hohen Kosten für sein geplantes Medizin-Studium willigt Steve jedoch ein und so beginnt er in der Hauptstadt des Glücksspiels eine Karriere als professioneller Kartenzähler beim Black Jack. Er uns seine Partner haben schnell Erfolg, was wiederum den Casinos natürlich nur bedingt gefällt, die darauf hin Cole Williams auf das Team ansetzen. Wo viel Geld auf dem Spiel steht, das sind die Skrupel gering und so scheut Williams keine Mühen, der Gruppe um Steve auch gewaltsam das Handwerk zu legen. Gleichzeitig beginnt Steves altes Leben zu verblassen, er verliert den Kontakt zu seinen alten Freunden und seine Ziele aus den Augen.  Actionreich und dramatisch erzählt 21 nicht nur die Geschichte des ganz großen Geldes, sondern auch der Folgen, die dieses mit sich bringt. In den Hauptrollen des 2008 erschienenen Films spielen übrigens Kevin Spacey und Jim Sturgess, die 21 in eine raffinierte Mischung aus Las-Vegas und Katz-und-Maus-Spiel verwandeln. Wer sich übrigens wie Ben selbst einmal in die Welt des Glücksspiels wagen möchte, der sollte sich vorher unbedingt über seriöse online Casinos informieren! Oceans Eleven Vor allem der gewaltige Star-Auflauf von George Clooney bis Brad Pitt und Julia Roberts bis Holly Marie Combs, verhalf der Gangster-Komödie Oceans Eleven zu einigem Erfolg. Doch so beeindruckend die schauspielerischen Leistungen der Hollywood-Riege auch ist, auch die Geschichte des Films ebenso spannend wie unterhaltsam. Sehenswert sind darüberhinaus aber auch die beiden Nachfolger von Oceans Eleven. Gemeinsam mit einer Gruppe handverlesener Komplizen plan Danny Ocean den ganz großen Coup. Statt sich in Las Vegas an den Glücksspiel-Tischen zu versuchen, will er auf weniger integere Methode zu sehr viel Geld kommen. In den Casinos auf seiner Liste liegen rund 160 Millionen Dollar, doch weil diese durch Safes und unzählige Sicherheitsmechanismen geschützt sind, braucht es Experten für den Einbruch. Die Gangster-Vereinigung macht sich also mit modernster Technik und den individuellen Stärken eines jeden an die minutiöse Umsetzung des Plans, aber auch der Casino-Betreiber Terry Benedict ist nicht auf den Kopf gefallen und wittert die aufziehende Gefahr für sein Geld. Das Benedict auch noch mit Oceans Ex-Frau Tess anbandelt, trägt dabei nicht unbedingt zur Deeskalation der Lage bei. Croupier – Das tödliche Spiel mit dem Glück Casino-Filme müssen nicht immer actionlastig sein, wie Mike Hodges Glücksspiel-Klassiker Croupier - Das tödliche Spiel mit dem Glück von 1998 beweist. Das Drama um den von Clive Owen gespielten Croupier Jack zeigt vor allem die Casino-Welt hinter den blinkenden Lichtern und dem prunkvollen Glamour. So recht glücklich war Jack mit seinem Job als Croupier nie. Doch als sein Wunsch vom Leben eines Schriftstellers nicht in Erfüllung geht, sieht er sich gezwungen, zu Poker, Roulette und Black Jack zurückzukehren. Doch auch wenn er insgeheim weiterhin hofft, die Eingebung für einen Bestseller würde ihn während dieser Arbeit noch kommen, glaubt er nicht wirklich daran. Doch plötzlich tritt Jani mehr unfreiwillig in sein Leben. Diese hat Spielschulden und plant sich durch einen Überfall auf das Casino finanzielle Luft zu verschaffen. Zwischen Verlockung und Frust zeichnet Croupier ein etwas anderes Bild der Szene. Casino Royale Schon der Name verrät eigentlich, dass der erste Bond-Film mit Daniel Craig unbedingt auf diese Liste gehört. 2006 schlüpfte Craig das erste Mal in die Rolle des Geheimagenten und landete sofort einen weltweiten Erfolg. Wie der Name schon sagt, dreht sich in Casino Royale die Mission von 007 um das Glückspiel. Seine Zusammenarbeit mit Terroristen hat den Börsenspekulant Le Chiffre in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten gebracht und so plant der begnadete Poker-Spieler, seine Schulden durch ein großes Turnier im Casino Royale zu tilgen. Bekanntlich schätzt Ihre Majestät Terroristen und deren Unterstützer aber nur bedingt und so wird der in diesem Film noch Agenten-Rookie Bond auf Le Chiffre angesetzt. Am und abseits des Pokertischs ist also für jede Menge Action und Konfliktpotential gesorgt. Casino Welcher andere Film hätte die Krone unserer Top 5 erlangen können, wenn nicht der Casino-Film schlecht hin? Casino gehört zu einem der ganz großen Gangster-Filme und brachte Regisseur Martin Scorsese viel Respekt ein. Dabei geht es in dem Krimi von 1995 eigentlich nur in Maßen um Glücksspiel, sondern eher um die düstere Welt hinter der Fassade. Robert de Niro und Joe Pesci begeben sich tief in den Sumpf des organisierten Verbrechens, was natürlich nicht ohne Folgen bleibt. Aber seht euch doch unser großes Special zu Casino an. Welcher Casino- oder Glücksspiel-Film ist euer Favorit und welches Meisterwerk gehört unbedingt noch auf unsere Liste?  

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  • 21-01-2015
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Casino: Der beste Krimi aller Zeiten?

Ein Film, den man gesehen haben muss! „Casino“ ist ein Krimi-Drama aus dem Jahr 1995 des Regisseurs Martin Scorsese, der das Drehbuch zusammen mit Nicholas Pileggi schrieb. Der Film wurde fast zur Gänze in Las Vegas und Umgebung gedreht. Die Kasino- und Büroszenen entstanden im Riviera Las Vegas. Das Trio De Niro, Woods und Pesci spielte ebenfalls im Sergio-Leone-Film „Es war einmal in Amerika“, der vom Aufstieg einiger Mobster der Kosher Nostra in New York handelt. Dieser Film ist eine ebenso minutiöse Analyse der Spielerstadt wie eine Beschreibung von Macht, Geld und Stolz versuchter Menschen. Wenn es die Mafia nicht gäbe, dann müsste man sie erfinden! Man fühlt sich wie im echten „Casino“. Fast wie in einem Dokumentarfilm zeigt Scorsese, wie die Spielhöllen von Las Vegas funktionieren, und wie die Mafia ihre Gewinne sichert. SPASS UND SPIEL Die Hintergrundgeschichte um die Intrigen in einem bombastischen Casino in Las Vegas gibt einen einzigartigen Einblick in das ganze Genre. Robert de Niro, Sharon Stone und Joe Pesci bewegen sich in der dunklen Welt der organisierten Kriminalität, die sich hinter dem Glanz und Glamour der Glücksspiel-Hauptstadt Las Vegas verbirgt. Vielleicht haben Sie diese Anekdote über den Film schon gehört: „Das Wort „Scheiße“ wird insgesamt 428 Mal ausgesprochen, durchschnittlich 2,4 Mal pro Minute.“ Obwohl es sich um einen fiktiven Spielfilm handelt, basiert die Geschichte in vielen Bereichen auf tatsächlichen Begebenheiten. Das dargestellte „Tangiers-Kasino“ entspricht beispielsweise dem Stardust-Kasino. In diesem Filme konnte Scorsese die Vergangenheit vergrößern und verklären, ohne seinen genauen Realismus aufgeben zu müssen. Die Geschichte von Las Vegas ist die Geschichte vom ganz großen Geld, das rund um die Uhr mit enormem Geschick und kühler Routine aus den Besuchern gemolken wurde. Also erzählt der Film, der auf einer authentischen Reportage beruht, vom Schmieren der Politiker mit Geld, Komfort und Sex, vom Kaufen der Gewerkschaften und vom Abschrecken der Konkurrenten, vom Bestrafen der Verräter und Betrügen der Betrüger. Weiterer Grund, warum Sie diesen Film gesehen haben sollten, ist die Rolle von Robert de Niro. Für alle Liebhaber der Gangster-Epen ist „Casino“ ein Muss. Robert de Niro brilliert in diesem Film in der Rolle von Sam „Ace“ Rothstein. Durch seine Erfolge als Berufsspieler und seine guten Verbindungen zur Mafia von Chicago wird „Ace“ mit der Leitung eines Casinos in Las Vegas beauftragt. Von diesem Punkt an beginnt sich die Spirale um Geld, Macht und Liebe zu drehen, bis am Ende der unvermeidliche Knall folgt. Und jetzt – interessante Fakten: Die Produktionskosten wurden auf rund 52 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Musik, die während des Vorspanns und gegen Ende des Films zu hören ist, ist der Schlusschor der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach („Wir setzen uns mit Tränen nieder“). Der Blackjack-Dealer, der im Film von Joe Pesci als „hübsches Kerlchen“ bezeichnet wird und einige Beleidigungen von ihm zu ertragen hat, wird von Nick Mazzola dargestellt, der tatsächlich als Kartengeber in den Kasinos von Las Vegas sein Geld verdiente. Er hatte bereits in Rain Man (1988) die Karten für Dustin Hoffman und Tom Cruise gegeben. „Casino“ ist eine der besten Krimi-Geschichten und eine Metapher der brutalen Welt.

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  • 15-01-2015
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Heimkino-Tipp: „Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag“

In der frech-charmanten Animationskomödie "Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag!" holen die Thanksgiving-Truthähne zum Gegenschlag aus! Nun ist der kunterbunte Streifen auch endlich fürs Heimkino zu haben - IOFP.de hat genauer hingeschaut! Frech, charmant - und unheimlich komisch! Truthahn Reggie hat es schon immer gewusst. Er und seine Freunde picken nicht zum Vergnügen tagein, tagaus Körner. Sie alle haben nur eine Bestimmung: Der leckerste Festtagsbraten zum Thanksgiving-Fest zu werden. Wegen so viel Schwarzseherei wird Reggie eines Tages von seinem Hof verstoßen und in alljährlicher Tradition prompt vom US-Präsidenten begnadigt. Von nun an fristet Reggie sein Dasein in Camp David, stopft sich den Bauch mit Pizza voll und schaut den lieben langen Tag Soaps im Fernsehen. Das Schicksal seiner Artgenossen schlägt ihm dabei nicht aufs Gefieder, bis er Jake von der Truthahn-Befreiungs-Front trifft. Der entführt Reggie und hat einen Plan: Mithilfe einer Zeitmaschine sollen beide in die Vergangenheit reisen, um zu verhindern, dass "Truthahn" an Thanksgiving jemals auf dem Speiseplan steht. Wer "Free Birds" nicht lustig findet, der muss wohl einen Vogel haben! Das dynamisch-spritzige Trick-Abenteuer von Gag-Spezialist Jimmy Hayward ("Horton hört ein Hu!") bietet kunterbunten Spaß für die ganze Familie. Liebevolle Charaktere und eine herzerwärmende Geschichte werden mit tollen Actionsequenzen und viel Humor aufgepeppt. Detailgetreue Animationen und ein hohes Tempo machen "Free Birds" zu einem rasanten Spaß für Groß und Klein. Die Stimmen kennt man doch...!? In der deutschen Fassung ist "Free Birds – Esst uns an einem anderen Tag" zudem mit tollen Sprechern bestückt. Neben den ehemaligen "Bullyparade"-Stars Christian Tramitz und Rick Kavanian sind unter anderem auch Nora Tschirner ("Keinohrhasen"), Thomas Fritsch ("Der Wixxer") und Oliver Kalkofe ("Kalkofes Mattscheibe") als Zeitmaschine S.T.E.V.E. zu hören. Überraschend gelungen: "Free Birds - Esst uns an einem anderen Tag" kann die Kleinen mit viel Slapstick und Wortwitz begeistern! Die erwachsenen Filmliebhaber können sich an der tollen Sprecherbesetzung erfreuen. Darüber hinaus gestaltet sich der Film mit seinen vielen Anspielungen mutig und ist dadurch mehr als sehenswert! Erst recht dann, wenn man die glattgebügelten Pixar-Welten langsam aber sicher satt hat!

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  • 14-01-2015
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Heimkino-Tipp: „Irre sind männlich“

Kaum ein Genre ist so mit Vorurteilen belastet wie die deutsche Komödie. Anno Saul schickt sich mit "Irre sind männlich" nun an, einen erneuten Angriff auf die Lachmuskeln der hiesigen Kinogänger zu starten. (Fast) ganz ohne Schweiger und Schweighöfer. Zum Heimkinostart des Films verrät IOFP, wie gut ihm dies gelingt. Die deutsche Komödie befindet sich fest in der Hand der beiden großen SCHs. Während Til Schweiger konsequent sein Ding durchzieht und spätestens seit „KeinOhrHasen“ Filme des immer selben Stils auf die Leinwand bringt, ist Matthias Schweighöfer dabei, seinem Kollegen nach und nach den Rang abzulaufen. Auch wenn sich Letzterer in puncto Regie weiterhin beweisen muss – immerhin: „Vaterfreuden“ stellte nach „What a man“ und „Schlussmacher“ den bislang gelungensten seiner Filme – scheint der Erfolg des sympathischen Filmemachers ungebrochen. Da ist es wenig verwunderlich, dass der neuste Streifen von Anno Saul („Die Tür“)  mit einem Kurzauftritt ebenjenes Matthias Schweighöfer beginnt. Ein Schelm, wer hinter diesem genialen Schachzug knallhartes PR-Kalkül vermutet. Doch, man mag es unter dem Wust an schwachen deutschen Durchschnitts-Comedies der letzten Jahre gar nicht mehr vermuten: Eine derartige Platzierung des blonden Publikumsmagneten hätte „Irre sind männlich“ gar nicht nötig. Hinter der Psycho-Variante von „Die Hochzeitscrasher“ verbirgt sich eine der besten deutschen Komödie des laufenden Jahrzehnts. Du musst lernen, zu nehmen! Als Daniel (Fahri Yardim) wegen seiner krankhaften Eifersucht von Mia (Josefine Preuß) verlassen wird, legt sie ihm eine Therapie nahe. Sein bester Freund Thomas (Milan Peschel) nimmt aus Solidarität mit ihm an einer Familienaufstellung teil und entdeckt dabei einen willkommenen Nebeneffekt: Mit falschem Namen und erfundenen Problemen lassen sich von den beiden Therapietouristen reihenweise Frauen abschleppen. Auf einem Wochenendworkshop der Psycho-Koryphäe Schorsch Trautmann (Herbert Knaup) kommt die therapiesüchtige Anwältin Sylvie (Marie Bäumer) den beiden auf die Schliche. Von nun an werden die Sitzungen zur postkoitalen Belastungsprobe und das erklärte Ziel, die bekannte Schauspielerin Bernadette (Peri Baumeister) flach zu legen, rückt immer mehr in weite Ferne. Zugegeben: Einen Originalitätspreis hat weder das Skript von Ilja Haller und Philip Voges („Wo ist Fred?“), noch die damit einhergehende Skizzierung sämtlicher Figuren verdient. Allen voran die Hauptcharaktere - der Frauenaufreißer Thomas sowie sein bodenständiger Freund Daniel - entsprechen einem Schwarz-Weiß-Schema, das üblicherweise auf eine der zig Durchschnittskomödien schließen lässt. Doch bereits an dieser Stelle hat Anno Saul die Darsteller auf seiner Seite. Fahri Yardim, Dauer-Sidekick von „Tatort“-Komissar Til Schweiger alias Nick Tschiller, ist nicht nur mit Herzblut bei der Sache, sondern genießt es sichtlich, seine Figur über die Stränge schlagen zu lassen. Gerade in den offensichtlich improvisierten Passagen sitzt Yardims komödiantisches Timing; jede einzelne Pointe wird mit Genuss zelebriert. Auch Milan Peschel scheint sich von seiner Rohrkrepierer-Performance aus „Schlussmacher“ wieder erholt zu haben. Seine Figur des Thomas lässt trotz des rebellischen Grundtons und einer gewissen Lebens-Naivität nie seine sympathischen Seiten missen. Voller Spontanität und Wortwitz ergeben Peschel und Yardim ein harmonisches Duo, von dessen Dynamik manche ihrer Kollegen nur träumen können. Und Deutschland kann doch Comedy Wenn sich besagtes Duo von nun an durch die einzelnen Therapiesitzungen schläft, ist anarchischer Humor nicht weit. Zeitgleich punktet „Irre sind männlich“ mit einer beeindruckenden Ehrfurcht vor der Prämisse: Obgleich die Psychotherapien jeweils das Grundgerüst für die Handlung bilden, vor allem aber als Vorlage diverser sketchartiger Einschübe dienen, beweist der Regisseur nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch einen bemerkenswerten Respekt vor der Thematik. Trotz grobschlächtigem Schenkelklopfer-Humor – etwa wenn Patienten in einer Therapiesitzung in die Rolle von Geschlechtsteilen schlüpfen müssen – stellt sich nie die Frage, ob psychologische Behandlungen in dieser Form tatsächlich von Nutzen sind. Anno Saul macht sich nicht lustig oder stellt Menschen mit psychologischem Problem per se als Idioten dar. Und trotzdem gelingen dem Filmemacher einige über alle Maße komische Szenerien. Hier beweist sich die humoristische Qualität, die „Irre sind männlich“ von der breiten Masse an 08 15-Komödien abhebt. Die klassische Liebesgeschichte, um die auch „Irre sind männlich“ selbstverständlich nicht herumkommt, kennzeichnet sich durch einige, durchaus überraschende Wendungen. Dabei orientieren sich die Macher zwar an den Erwartungen des Publikums, allerdings nur, um diese schließlich geschickt zu unterwandern. Für eine Persiflage auf die Durchschnitts-RomCom reicht es zwar nicht ganz, doch die augenzwinkernden Einschübe versorgen den Film mit frischem Wind. Plötzlich abbrechende, zuvor dramatisch anschwellende Musik und ein Zeitraffer-Happy-End für Thomas und seine Liebste sind nur zwei Beispiele dafür, dass Anno Saul genau weiß, wie eine Romantikkomödie üblicherweise funktioniert. So gelingt es ihm geschickt, sein Publikum mit der eigenen Erwartungshaltung zu konfrontieren und sorgt so für einige zusätzliche Lacher. Da verzeiht man dem Film auch einige formelhaftere Entwicklungen: So sei das Klischee-Finale der etwas überdramatischeren Art den Figuren gegönnt. Für Lacher sorgt derweil auch die weibliche Darstellerriege. Josefine Preuß („Die Hebamme“) spiegelt überspitzt „die moderne Frau von heute“ wieder, während Marie Bäumer („Der Schuh des Manitu“) – zeitweise das Beste am Film – so großartig biestig ist, dass ihr die lautesten Lacher zuteilwerden. Als psychisch angeknackste Anwältin, die mehr denn alle anderen in derartige Therapie-Gruppen passt, steht ihr das Overacting verdammt gut. Zusammen mit Milan Peschel ergibt sich eine herrliche Eigendynamik, der selbst der Regisseur zeitweise nicht ganz gewachsen scheint. Die zuckersüße Peri Baumeister („Russendisko“) geht bei so viel Temperament fast ein wenig unter. Charmant ist sie dennoch. Des Weiteren ist der selbstironische Auftritt des ehemaligen „Alarm für Cobra 11“-Mannes Tom Beck eine Erwähnung wert. Wie sich der athletische Strahlemann hier auf die Schippe nimmt, ist ganz großes Comedy-Gold. Fazit „Irre sind männlich“ weiß gekonnt mit den Konventionen der Durchschnitts-RomCom zu kokettieren. Zusammen mit den Darstellern ergibt sich so das Bild einer deutschen Komödie, wie es sie nur alle Jubeljahre mal zu sehen gibt. Wenn Ihr "Irre sind männlich" nun gewinnen wollt, klickt Euch ins Gewinnspiel!

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  • 30-10-2014
  • Reviews & MeinungenTopnews

Heimkino-Tipp: „Spuren“

Basierend auf einer ebenso faszinierenden wie wahren Geschichte und vor dem Hintergrund der atemberaubenden Landschaft Australiens erzählt "Spuren" vom Mut und der Abenteuerlust einer Frau, die in die Einsamkeit aufbrach – und in einem neuen Leben ankam. Vier Kamele, ein Hund und die Wildnis 1975 kommt die junge Robyn Davidson (Mia Wasikowska) mit einem scheinbar verrückten Traum nach Alice Springs: Sie will zu Fuß die australische Wüste bis zum Indischen Ozean durchqueren – 2.700 Kilometer durch eine lebensfeindliche Wildnis, begleitet nur von vier störrischen Kamelen und ihrem geliebten Hund. Ihre Freunde und Eltern können Robyn ebenso wenig zurückhalten wie die vielen Widrigkeiten, die mit ihrem Plan verbunden sind. Als sie nach langer Vorbereitung plötzlich mit leeren Händen dasteht, macht Robyn einen Deal mit dem Fotografen Rick Smolan (Adam Driver): Er finanziert ihre Reise und darf sie dafür gelegentlich für ein Magazin fotografieren. Fern der Zivilisation erkennt Robyn langsam, was sie wirklich zum Glücklichsein braucht. Doch nicht nur die Fototermine mit Smolan stören ihr neu gewonnenes Gleichgewicht. Je länger die Reise dauert, desto öfter gerät Robyn in lebensgefährliche Situationen. Sie suchte die Einsamkeit - und wurde weltberühmt. Mit ihrem Buch "Spuren" über ihre einzigartige Reise durch die Wüste ihrer Heimat, begeisterte und inspirierte die Australierin Robyn Davidson Millionen von Lesern. Nun endlich kommt diese auch heute noch bemerkenswerte emotionale und körperliche Grenzerfahrung auf die Leinwand. Shooting Star Mia Wasikowska ("Alice im Wunderland") verkörpert dabei die Entschlossenheit und Verletzbarkeit Davidsons auf unvergleichliche Weise. Unterstützung bekommt sie dabei von Adam Driver ("Inside Llewyn Davis"), einem der derzeit angesagtesten Jungdarsteller Hollywoods. Bildgewaltig und episch - Faszination pur! Mia Wasikowska war in den vergangenen Jahren schon in ganz unterschiedlichen Rollen zu sehen. Zu den bekanntesten gehört wohl vorzugsweise die der jungen Alice im modernen Disney-Märchen "Alice im Wunderland". In der knalligen 3D-Verfilmung mimte sie verspielt die unkonventionelle Heldin. Dass ihr auch eine gänzlich entgegengesetzte Figur gut zu Gesicht stehen würde, bewies sie schon kurz darauf in der düsteren Hitchcock-Hommage "Stoker". Nun kommt ihr mit "Spuren" eine weitere Hauptrolle zu, die in ihrer schauspielerischen Bandbreite noch eindringlicher und vor der imposanten Kulisse Australiens noch imposanter daherkommt. Wasikowska füllt die wahre Lebensgeschichte der Weltenbummlerin Robyn Davidson mit einnehmender Intensität und beweist eine Kraft, die im kompletten Gegensatz zu ihrem zierlichen Erscheinungsbild steht. Doch Regisseur John Curran ("Der bunte Schleier") beweist nicht nur ein Fingerspitzengefühl für seine übersichtliche Besetzung, sondern auch für die In-Szene-Setzung des stringenten Drehbuchs. Der debütierende Autor Marion Nelson adaptiert die Memoiren Davidsons geschickt für die Leinwand, indem er sich auf die pure Ausdruckskraft der Natur konzentriert. Es braucht nicht viele Worte, geschweige denn Szenenwechsel oder Kulissen, um die charakterliche Reifung der Protagonistin zu verdeutlichen. Minimalistisch verzichtet Nelson darauf, jeden Charakter zu sezieren. Stattdessen baut er auf Momentaufnahmen, die, eingefangen von Kamerafrau Mandy Walker, die passenderweise auch schon "Australia" mit Bildern bestückte, viel mehr aussagen, als etwaige Dialoge. Das gestaltet sich für ein ungeduldiges Publikum in manchen Momenten anstrengend. Für Cineasten und Fans von ganz fein gezeichnetem Kinostoff ist "Spuren" jedoch genau das Richtige!

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  • 13-10-2014
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Filmkritik: „Wie in alten Zeiten“

Pierce Brosnan und Emma Thompson verleihen der britischen Komödie "Wie in alten Zeiten" den besonderen Charme. IOFP verrät, ob Euch noch mehr erwartet. Worum geht's? Richard (Pierce Brosnan) ist in seinen besten Jahren, geschieden und neuerdings pleite. Eine Woche bevor er in den Ruhestand gehen will, erfährt er, dass seine Firma dem Anlagebetrüger Vincent (Laurent Lafitte) zum Opfer gefallen und alles ersparte Geld weg ist. Das trifft nicht nur ihn hart, auch die Pension seiner Exfrau Kate (Emma Thompson) ist futsch. Das wollen die beiden nicht so einfach hinnehmen. Gemeinsam mit ihren Nachbarn Jerry (Timothy Spall) und Pen (Celia Imrie) hecken sie einen Plan aus: Sie wollen einen 10 Millionen Dollar Diamanten stehlen. Dieser befindet sich im Besitz von Manon (Louise Bourgoin), der Verlobten von Vincent. Auf ihrer Frankreichreise der besonderen Art zeigen die vier "beinahe Rentner", dass sie es noch draufhaben - wie in alten Zeiten. Das harmonische Gespann Für Regisseur und Drehbuchautor Joel Hopkins ("Liebe auf den zweiten Blick", "Jump Tomorrow") war klar, dass er erneut mit Emma Thompson ("Sinn und Sinnlichkeit", "Tatsächlich...Liebe") zusammenarbeiten will. Die beiden konnten 2008 gemeinsam einen internationalen Erfolg mit "Liebe auf den zweiten Blick" verbuchen. Thompson schlug auch Pierce Brosnan ("James Bond 007 - Golden Eye", "Love is all you need") als ihren Filmgatten vor. Um diese beiden Personen herum schrieb Hopkins dann das Drehbuch. Der Kern seiner Geschichte sollte ein seit acht Jahren geschiedenes Ehepaar sein, das wieder zueinander finden kann. Auch der amerikanische Produzent Tim Perell ("I'm with Lucy", "Lieber verliebt") war von Hopkins neuem Projekt begeistert. Perell und Hopkins arbeiten bereits seit zehn Jahren zusammen. Zusätzlich schlossen sich Clément Miserez ("Faces in the Crowd", "The Tall Man") und Jean-Charles Lévy ("Faces in the Crowd", "The Tall Man") der Produktion an. Auch Joel Hopkins' Ehefrau Nicola Usborne ("Liebe auf den zweiten Blick") gehörte mit zum Produzententeam. Tim Perell merkt an, dass Hopkins Liebhaber der amerikanischen Klassiker der 1940er Jahre ist und er deswegen auch jeden Zynismus aus seinen Filmen lässt. Es mag an einem Menschen sympatisch sein, wenn dieser frei von Zynismus ist. Eine Komödie aber, die versucht ohne Ironie auszukommen, wird schnell langweilig, gerade wenn das Team kaum thematische Varianz zeigt. Hui oder Pfui? Nett, harmlos und charmant ist der Film allemal. Leider aber wenig einprägsam, geschweige denn, dass er die Gedanken anregen könnte. Hat man aber einen angebrochenen Abend vor sich und die Laune ist eher mies, kann diese Komödie einem sicher 90 Minuten seichte Ablenkung bieten. Dank der Besetzung ist die ein oder andere Szene auch recht witzig. Emma Thompson ist wie immer großartig und Pierce Brosnan passt hervorragend in die Rolle des abgehalfterten Schürzenjägers. Interessanter sind aber die Figuren der Nachbarn Jerry und Pen. Jerry lüftet ganz nebenbei, während die Geschichte so vor sich hinplätschert, einige Geheimnisse über seine Vergangenheit: Er hat dubiose Kontakte zu Waffenhändlern und Diamantenkäufern. Seine Frau zeigt sich bei jeder neuen Enthüllung erstaunt. Jerrys Randoffenbarungen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film und sind kleine Schmunzler wert. Gut getroffen wurde auch der Anlagebtrüger Vincent. Laurent Lafitte lässt den Antagonisten gesichtslos. Das ist keineswegs negativ gemeint. Er lässt die Figur zu einem Synonym werden für all jene, die durch Bankenkrisen profitiert haben und sich auf Kosten anderer bereichern. Joel Hopkins wollte mit seinem Film den kleineren Leuten Gelegenheit bieten, sich an jenen zu rächen, die achtlos mit der Existenz anderer spielen. Natürlich ist die Art, wie sich das Ehepaar Genugtuung verschafft, ziemlich unrealistisch und überdreht. Das sei ihm mal gestattet, es handelt sich ja schließlich um Fiktion. Ist das neu oder kann das weg? Erst einmal meint man einen Film zu bekommen, wie man ihn schon x-mal gesehen hat. Zu großen Teilen bleibt das auch so. Es fehlt jeder Überraschungseffekt, denn bereits aus dem Trailer weiß man ganz genau, was einen erwartet. Wenn man sich einen Film nicht anschaut, um Zeuge künstlerischer Ergüsse eines Regisseurs zu werden, sondern um sich anderthalb Stunden einem unterhaltsamen Schmunzeln hinzugeben, dann kann man sich "Wie in alten Zeiten" ansehen. Die Darsteller setzen die übertriebene Geschichte charmant um und lassen ihn zu einem netten Abendprogramm werden. Ob man dafür unbedingt ins Kino gehen muss oder nicht vielleicht doch die DVD der nächstgelegenen Videothek reicht, sollte jeder für sich entscheiden. Viele der Witze dürften besonders bei einem betagteren Publikum einen kleinen Lacher hinter vorgehaltener Hand entlocken. Doch auch jüngere Zuschauer werden sich vielleicht beim Kichern erwischen. Überwiegend bleibt die Unterhaltung aber seicht und leider manchmal auch etwas amerikanisch. Liebeserklärungen sind generell oft schwere Kost in Filmen und sind nur selten so umgesetzt, dass sensiblen Rezipienten nicht sofort die Schamesröte ins Gesicht steigt. Ganz so schlimm ist es in "Wie in alten Zeiten" nicht, immerhin halten sich die Briten ja etwas feiner zurück. In einigen wenigen Szenen stolpert der Film aber doch über Kitsch, welcher auch gut hätte vermieden werden können. Fazit Wie bereits mehrfach erwähnt, ist "Wie in alten Zeiten" durch und durch seichte Unterhaltung. Die Komödie drückt sich um jede Überraschung und der Zuschauer bekommt was er erwartet: Einen Schmunzler für die ganze Familie. Wenn Ihr Euch noch nicht ganz sicher seid, ob Ihr den Film im Kino schauen wollt, dann werft noch einmal einen Blick in den Trailer.

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  • 10-10-2014
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Filmkritik: „The Salvation“

Der Western ist tot. Manche Filmkritiker werden nicht müde, diesen Satz immer wieder abzuspielen. Dass Totgesagte aber auch länger leben können, das beweist "The Salvation". Aber der dänische Western kann durch weit mehr überzeugen, als die beeindruckende schauspielerische Leistung von Eva Green und Mads Mikkelsen. Der Wilde Westen. Schlichte Western-Gitarrenmusik. Staub weht über den öden Boden, Menschen laufen in altertümlichen Kleidern durch die kargen Holzbuden. Zwei Brüder warten an der Bahnstation der Siedlung im gefühlten Nirgendwo auf den Zug. Sie sprechen... Dänisch? Damit beginnt der Einstig in "The Salvation“, den dänischen Rachewestern um Jon und seinen Bruder Peter, die in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gekommen sind, um nach dem Krieg in Europa ihr Glück zu suchen. Doch statt dort selbiges zu finden, werden Jons Frau und Sohn am Tag ihrer Ankunft ermordet. Jon (Mads Mikkelsen) richtet die Mörder noch in derselben Nacht, doch das ist nur der Auftakt: Denn einer der beiden Schurken ist der Bruder des Mannes, der die gesamte Region terrorisiert: Delarue, gespielt von Jeffrey Dean Morgan. Purer Western statt romantischer Pferdeoper In einem ständig totgesagten Genre ist es immer auch ein bisschen mutig, einen Film zu drehen. Aber "The Salvation" ist ein Western ohne Schnickschnack. Keine Western-Romantik. Wenig drumherum. Keine schwülstigen Dialoge. Auch worauf der Film hinausläuft ist schnell klar. Und doch zieht er den Zuschauer tief in seinen Bann. Es ist ein Film, der mit Liebe zu dem gealterten Genre gemacht wurde - und doch seinen eigenen Weg geht. "The Salvation" ist keine klassische "Pferdeoper", sondern fühlt sich "echt" an.   Natürlich setzt auch "The Salvation" die Weite des Westens gekonnt ins Szene. Aber in die beeindruckende Landschaft mischt sich eine nahezu unheimlich realistische Kulisse aus Holzhäusern. Diese kommen dem, wie es im Wilden Westen wirklich aussah, wohl näher als jene in den klassischen Pferdeopern. Keine weiten Räume und gemütlichen Betten, sondern eine realistische Kargheit, die auf den modernen Betrachter bereits beinahe beklemmend wirkt. Der Zuschauer bekommt nicht irgendeine verklärte Traumvorstellung, sondern ein Bild davon, wie es im "Wilden Westen" wirklich ausgesehen haben mag. Recht und Ordnung reichen nur so weit, wie die eigene Kugel Auch die Anarchie der Pionierzeit fängt das Team um Kristian Levring gewaltiger ein, als viele andere Vertreter des Genres. Es ist "ein jeder für sich selbst“ im Überlebenskampf. Kein omnipräsenter Staat, der Recht und Ordnung aufrecht erhält, keine rettende Kavallerie. Dafür ein "Sheriff“ und ein Bürgermeister, die dem Banditenhauptmann lieber völlig unschuldige Menschen ihrer Gemeinde opfern, statt ihm die Stirn zu bieten. Wenn man sein Recht bekommen wollte, dann gab es nur den Weg zu kämpfen - oder sich eben zu unterwerfen. "The Salvation" setzt sich dabei aber über das klassische Schwarz-Weiß-Denken hinweg. Es gibt nicht "die Guten" und "die Bösen". Jeder der Charaktere hat seine Motivation und seine Ziele und jeder achtet auf sich selbst. Nichts wird idealisiert. Das Thema, den Western auf seine Kernelemente zu reduzieren und dafür realistisch und ausdrucksstark zu Inszenieren, findet sich in jedem Aspekt des Filmes wieder. Auch die Dialoge passen vermutlich insgesamt auf eine, maximal zwei Seiten Text. Mehr brauchen sie aber auch gar nicht: Allein die Mimik in den Gesichtern der Charaktere spricht Bände. Überhaupt kann die Darstellung von Mads und Eva allein schon restlos überzeugen. Beide beweisen einmal mehr, dass sie zu den wohl ausdrucksstärksten Darstellern der aktuellen Filmwelt gehören. Eva Green spricht, ob ihres stummen Charakters, gar nur mit ihren Augen. Dennoch sagt sie damit mehr als die meisten anderen Figuren und macht die leidgeprüfte, gefangene Witwe Madelaine zu einem der spannendsten Charaktere. Eben weil der Zuschauer nur in ihren Augen und ihrem Gesicht sehen kann, was sie sagen will. Am Ende gewinnt – der Ölkonzern? Die letzte Einstellung des Filmes schlägt jedoch einen ganz anderen Ton an: Über dem Schlachtfeld des Films, auf dem sich die Leichen auftürmten, thronen nun Bohrtürme. Der Ölkonzern, der Delarue ursprünglich angeheuert hatte, um das Land günstig aufzukaufen, hatte bekommen was er wollte. Hier wird die Moral in dem sonst so subtilen, fordernden Film fast mahnend laut und wirft einen Schatten auf die von vielen Western so gern idealisierte Pionierzeit der USA. Aber in "The Salvation" liegt auch eine andere Moral. Doch diese schlägt einem nicht belehrend ins Gesicht. Es ist vielmehr das persönliche, welches sich Aufbaut, gerade weil der Zuschauer auch Zuschauer bleibt:  Dass Moral nur so weit reicht, wie die eigenen Prinzipien und die eigene Bereitschaft, diese auch zu verteidigen. Der Film bricht mit den klassischen Konzeptionen des „Drumherum“ eines Westerns und deren oft romantischer Verklärtheit und zeichnet ein modernes, aber genretreues Bild. "The Salvation" ist der erste gute Western seit langem. Eben weil er ohne Klischees auskommt. Der Film ist kein Epos, sondern eine sehr puristische, auf das essentielle komprimierte Form des Westerns. Und beweist damit einmal mehr, dass Western eben kein stumpfes Action-Kino sind, sondern zu recht ihr eigenes Genre darstellen.

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  • 07-10-2014
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DVD-Tipp: „A Million Ways to Die in the West“

Nach dem von Kritikern zwiespältig aufgenommenen Publikumserfolg "Ted" setzt Schauspieler, Regisseur und Produzent Seth MacFarlane mit "A Million Ways to Die in the West" nun nach und dürfte mit dem launigen Western endlich auch die geballte Kritikerschaft auf seine Seite ziehen. IOFP erklärt, weshalb der Streifen die beste Alternative zur angehenden Fußball-Weltmeisterschaft ist. Der Typ von "Ted" hat es schon wieder getan – und einen Film gemacht. Besagter Typ ist Seth MacFarlane, seines Zeichens Schöpfer der Kult-Trickserien "American Dad", "Family Guy" und eben dem perversen Teddybären, der 2012 knapp dreieinhalb Millionen Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser locken konnte. Nach Mark Wahlberg und Mila Kunis versammelt der Oscar-Host von 2013 nun eine noch größere Heerschar an Superstars um sich und versucht sich in "A Million Ways to Die in the West" an der Erzählung eines waschechten Western. Die Betonung liegt auf "erzählen", denn anders als in der infantilen Plüschkomödie gibt sich der Regisseur, Produzent und Schauspieler hier sichtlich Mühe, eine Geschichte zu inszenieren, die nicht bloß auf einem einzigen, in die Länge gezogenen Gag basiert, sondern mit einer durchdachten Handlung und interessant gezeichneten Charakteren daherkommt, sowie technisch in einer ganz anderen Liga spielt als MacFarlanes Vorwerk. Nie war der Westen wilder! Der Wilde Westen ist wirklich ein verdammt gefährliches Pflaster. Andauernd will irgendjemand einen umbringen. Banditen und Indianer sowieso. Aber auch besoffene Typen, wilde Tiere oder sogar der Doktor. Selbst auf dem eigentlich harmlosen Jahrmarkt sterben jedes Jahr Leute. Deshalb hält sich Schafzüchter Albert (Seth MacFarlane) bei brenzligen Situationen auch lieber im Hintergrund. Er hat zwar ein loses Mundwerk und gibt zusammen mit seinem Kumpel Edward (Giovanni Ribisi) zu allem einen frechen Kommentar ab, einen Revolver hat er allerdings noch nie in die Hand genommen. So gilt Albert auf den Straßen von Old Stump als unverbesserlicher Feigling, weshalb ihn auch seine Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlassen hat. Die macht jetzt mit dem wesentlich mutigeren, vor allem aber auch wohlhabenden Bartträger Foy (Neil Patrick Harris) rum. Doch mit der Ankunft der wunderschönen Anna (Charlize Theron) ändert sich alles. Albert ist von dem blonden Superweib, das nicht nur fluchen, schießen und ordentlich trinken kann, sondern auch noch seinen schrägen Humor teilt, hin und weg. In ihrer Begleitung wandelt sich der schlaffe Schäfer zum wilden Wolf. Na, ja … fast. Eine Sache vergaß Anna allerdings zu erwähnen: Sie ist mit einem eifersüchtigen Banditen verheiratet. Wird Alberts neu entdeckter Mut also reichen, um es mit dem schießwütigen Gatten seiner Angebeteten aufzunehmen? Größer, wilder, besser Bereits der Plot von "A Million Ways to Die in the West" lässt die Dimensionen erahnen, in welchen der Regisseur, der zusammen mit seinen Stamm-Schreibern Wellesley Wild und Alec Sulkin das Drehbuch verfasste, sich sein neustes Projekt vorgestellt haben muss. Passend zu derlei passionierten Westernfantasien beginnt der Film mit einem klassischen Vorspann, der zu treibenden Wild-West-Klängen (der für diverse Direct-to-DVD-Produktionen verantwortliche John McNeely) waschechtes Cowboy-Feeling in die Kinosäle peitscht. Schon jetzt gibt die schwelgerische Kameraarbeit von Michael Barrett ("Ted") einen Einblick in die Detailverliebtheit bei der Kulissenwahl. Gedreht wurde in New Mexico und Australien, gleichzeitig versprühen die Sets ein herrlich nostalgisches Flair. So möchte man manchmal sogar meinen, es den Holzhäusern anzusehen, wie diese bloße Pappaufsteller sind, die beim nächsten Windstoß umzukippen drohen. Sind die rhythmischen Gitarrenklänge erstmal verstummt, wird das Publikum Zeuge einer Geschichte, die wie die Überhöhung typischer "Winnetou"-Streifen klingt, alles in allem jedoch weniger Parodie denn vielmehr satirisch angehauchte Western-Komödie ist und nicht davor scheut, mit der einen oder anderen Überraschung um die Ecke zu kommen. Ganz zu schweigen von zwei großartigen Cameo-Auftritten alter Hollywood-Kollegen, die sich als so punktgenau platziert erweisen, dass diese schlussendlich für die größten Lacher mitverantwortlich sind. Selbiges gilt für die Darsteller. Allen voran Charlize Theron ("Prometheus") legt eine ungeheure Spielfreude an den Tag, die sie ausnahmslos sämtliche Schauspielkollegen an die Wand spielen lässt. Zusammen mit Seth MacFarlane – beide bestreiten den Film über die großzügige Laufzeit von knapp zwei Stunden zum Großteil im Alleingang – bildet sie ein stimmiges Duo, gleichwohl wirkt MacFarlane ab und an zu unkonzentriert, um der blonden Schönheit in irgendeiner Form das Wasser reichen zu können. Das männliche Pendant zu Theron bildet dagegen "How I Met Your Mother"-Kultstar Neil Patrick Harris. Seine Darstellung eines machohaft-arroganten Schnösels, dessen einziges Alleinstellungsmerkmal auffälliger Schnurrbartwuchs ist, ist brillant und von einem großartigen komödiantischen Timing. Amanda Seyfried ("Les Misérables") versucht sich dagegen erfolgreich an überspitzter Selbstdemaskierung, während der mit viel zu wenig Screentime gesegnete Liam Neeson ("Non-Stop") einen echten Gauner verkörpern darf. Das große Star-Ensemble harmoniert hervorragend untereinander und verhilft "A Million Ways to Die in the West" zur notwendigen Erdung, die "Ted" nicht besaß und "American Dad" sowie "Family Guy" nur bedingt aufweisen. Hierzu trägt auch die dramaturgische Aufteilung des Streifens bei. Wie im Western-Genre üblich, erweckt auch der hiesige Vertreter den Eindruck, über eine sehr lange Strecke von etwa der Hälfte an Laufzeit nicht über den Prolog hinauszukommen. Der Plotmittelpunkt kristallisiert sich nur schleppend heraus. Dass die erste Filmstunde sich dennoch nicht als langweilig entpuppt, ist der inszenatorischen Raffinesse des Teams zu verdanken. Flüssig geschriebene Pointen und sympathische Charakterentwicklungen entführen das Publikum auf einen Trip durch die wilde Prärie. Selbst den von MacFarlane so geliebten, infantilen Humor bekommt man nur an ausgewählten Stellen zu spüren. Zwar ist "A Million Ways to Die in the West" nicht völlig frei von Haudrauf-Humor, doch die wenigen unter die Gürtellinie zielenden Gag-Spitzen werden in ihrer Absurdität soweit ausgekostet, dass das wiederum richtig lustig ist. Was man hingegen schmerzlich vermisst, ist der in den Trailern groß angekündigte Blut-Gehalt. Entgegen sämtlicher Erwartungen ist MacFarlanes Komödie kein ernstzunehmender Konkurrent für "Django Unchained". Die deutschlandweite FSK-Freigabe ab 12 lässt bereits erahnen, dass sich der Streifen wenig bis kaum auf Gemetzel und Ballerei verlässt. Für die Konsequenz der Prämisse ist dies lohnenswert. Wer das Kinoticket jedoch vor allem des Splattergehalts wegen löst, wird dagegen wohl enttäuscht werden. Fazit Mit "A Million Ways to Die in the West" liefert Blödelbarde Seth MacFarlane einen wesentlich bodenständigeren Komödienvertreter ab, als man es nach seiner bisherigen Vita von ihm erwartet hätte. Anders als vermutet, ist der Streifen weder Westernparodie noch Splatterfest und punktet mit einer angenehmen Mischung aus spitzzüngigen Pointen, kurzweiliger Story und sympathischen Figuren. Das authentische Westernflair und die technisch gelungenen Faktoren runden das Seherlebnis ab und versprechen mutiges, modernes Westernkino.

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  • 07-10-2014
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Filmkritik: „Wish I Was Here“

Zehn Jahre nach "Garden State" bringt Zach Braff endlich seinen neuen Film "Wish I Was Here" ins Kino. IOFP verrät Euch, ob der "Scrubs"-Star an seinen Indie-Hit von damals anknüpfen kann. Der gescheiterte Schauspieler Zach Braff war von 2001 bis 2010 Dr. John Dorian in der Comedy-Serie "Scrubs". Bereits nach den ersten paar Staffeln der Show wurde Braff die Möglichkeit geboten seinen ersten eigenen Kinofilm zu drehen. "Garden State" beschreibt die Rückkehr des gescheiterten Schauspielers Andrew Largeman in seine Heimatstadt New Jersey. Dort lernt er während eines Arztbesuchs die junge Sam (Natalie Portman) kennen und verliebt sich in sie. Zach Braff schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielte die Hauptrolle in dem Film. Dieser bekam gute Kritiken und konnte auf voller Linie überzeugen. Ein Highlight des Machwerks ist der zusammengestellte Soundtrack, der Bands wie Coldplay, The Shins, Simon & Garfunkel und Zero 7 beinhaltete und mit dem Grammy als beste Compilation des Jahres ausgezeichnet wurde. Vier Jahre nach dem Ende von "Scrubs" und zehn Jahre nach "Garden State" steht nun Zach Braffs zweiter Film "Wish I Was Here" an, bei dem er wieder am Drehbuch mitgeschrieben, die Regie und die Hauptrolle übernommen hat. Nach dem letzten Erfolg sind die Erwartungen an das neue Werk dementsprechend hoch. Zach Braff wollte an "Wish I Was Here" wieder weitestgehend selbstständig arbeiten und sich von so wenig Leuten wie möglich in das Projekt reinreden lassen. Das Drehbuch verfasste er dieses Mal mit seinem Bruder Adam. Er startete eine Crowdfunding-Aktion, um das Startkapital von zwei Millionen Dollar zu sammeln. Nach drei Tagen und Spenden von über 46.000 Leuten war das Geld bereits zusammen. Man weiß nicht welche Probleme Zach Braff mit seinem Beruf hat, allerdings steht auch bei "Wish I Was Here" ein gescheiterter Schauspieler, gespielt von Braff, im Zentrum des Films. Auf der Suche nach der Liebe ist er allerdings nicht mehr, denn die hat er in Form von Kate Hudson schon zuvor gefunden. Die Geschichte handelt von Aidan Bloom, der gemeinsam mit seiner Frau Sarah und ihren beiden Kindern Grace (Joey King) und Tucker (Pierce Gagnon) in Los Angeles lebt. Während Sarah mit einem nervigen Bürojob, bei dem sie auch noch von einem Kollegen belästigt wird, dafür sorgt, dass das Geld nach Hause kommt, jagt Aidan einem Rollen-Casting nach dem anderen verzweifelt hinterher. Ihre Kinder wollen sie nicht auf eine öffentliche Schule schicken. Da das Geld für eine private Schule allerdings nicht ausreicht, übernimmt die Kosten für eine Privatschule Aidans Vater Gabe (Mandy Patinkin). Die Bedingung des Strenggläubigen dafür ist allerdings, dass es eine jüdische Schule sein muss. Der Deal zwischen Vater und Sohn bricht zusammen, als bei Gabe erneut Krebs diagnostiziert wird und er all sein Geld in eine neue Heilmethode stecken muss. Aidan und Sarah sind gezwungen ihre Kinder von der Schule zu nehmen. Weil Aidan sowieso nicht arbeitet, beschließt Sarah, dass der Vater die Kinder zu Hause unterrichten soll. Aidan merkt bereits bei der ersten Mathestunde, dass er an seine Grenzen kommt. Er gestaltet den Unterricht daher auf unkonventionelle Art. Der Schein trügt Zach Braff hat für seinen Indie-Film einen tollen Cast zusammengestellt. Er und Kate Hudson geben ein schönes Paar ab. Die 15-jährige Joey King überzeugt als Teenager auf der Suche nach sich selbst. Mandy Patinkin spielt den sterbenden Großvater sehr emotional mitreißend, mit witzigen Augenblicken. Für Gastauftritte konnte Braff seine Freunde Donald Faison (Dr. Turk aus "Scrubs") und Jim Parsons (Sheldon aus "The Big Bang Theory"), der auch schon bei "Garden State" dabei war, überzeugen. Die beste Leistung des Films liefert jedoch Josh Gad ab, der Aidans Bruder Noah spielt. Gad findet sich normaler Weise in Gastauftritten bei Comedy-Serien, wie "New Girl", "Modern Family" und "Californication" wieder. In "Wish I Was Here" spielt er den freakigen Onkel, der mit seinem Vater gebrochen hat und eigentlich nur seine Nachbarin durch ein selbstgebasteltes Kostüm beeindrucken möchte. Diese Rolle spielt er in allen Belangen überzeugend und man kann sicher sein, dass man diesen Schauspieler in Zukunft öfter sieht. Wenn man die Trailer zum Film gesehen hat, sah man viele schöne Bilder zu grandioser Musik. Braff hat wieder einen klasse Soundtrack zusammengestellt, für den Acts wie Bon Iver und The Shins extra neue Songs aufgenommen haben, die im Film die Szenen optimal untermalen. Ebenso gibt es viele eindrucksvolle Bilder mit Sonnenuntergängen, die von verschiedensten Positionen aufgenommen wurden. Das Problem an Braffs Werk ist, dass die schönen Bilder und die gute Musik in der vollgepackten und langgezogenen Geschichte ein wenig untergehen. Der Film kommt nicht richtig in Gang und wenn man das Gefühl hat, dass es nun losgeht, ist es auch schon wieder vorbei. Die Gebrüder Braff haben viele Familienprobleme in diese Geschichte hineingelegt, die es alle zu erklären gilt und dem Film somit den richtigen Fluss nehmen. Bevor man schließlich die Charaktere richtig verstanden hat, war es das schon. So wurde in den Trailern eine Neugier geweckt, die im Film nicht richtig gestillt werden kann. Fazit "Garden State" ist der Film an dem sich Zach Braff messen lassen muss und als die ersten Bilder von "Wish I Was Here" veröffentlicht wurden, hatte man den Eindruck, dass der Filmemacher tatsächlich seinem Erstling noch einen drauf setzen kann. Die Geschichte des Films ist nicht schlecht, jedoch hakt sie an einigen Stellen so sehr, dass kein voller Filmgenuss entstehen kann. Es gibt viel gute Musik zu hören und viele schöne Bilder zu sehen, die sich allerdings leider im Film verlieren und so nur ein mittelmäßiger Eindruck am Ende übrig bleibt. Man kann dem sympathischen Zach Braff nur wünschen, dass er nicht sein gesamtes Pulver bei "Garden State" verschossen hat.

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  • 06-10-2014
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Heimkino-Tipp: „Need for Speed“

"Need For Speed" protzt mit fetten Karren, rasanten Action-Szenen und einem lässigen Aaron Paul in Lederjacke. Aber kann der Film auch mit seinem Inhalt überzeugen? IOFP schaut unter die Motorhaube. Vom Bildschirm auf die Leinwand Wir blicken auf das Jahr 1994. Der amerikanische Software-Publisher Electronic Arts veröffentlicht das erste Spiel seiner Autorennspiel-Serie "Need For Speed" und begeistert etliche junge Erwachsene. Man kann real existierende Wagen fahren, Freunde zum Mitspielen herausfordern und sich Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern. Seitdem wurden laut Hersteller über 140 Millionen Spiele der "Need For Speed"-Reihe verkauft und weltweit über 2,7 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht. Ein Wunder, dass bei soviel Beliebtheit erst jetzt ein Film kommt. Tobey Marshall (Aaron Paul) ist Mechaniker und schraubt mit seinen Freunden Autos zusammen. Als er und sein Kumpel Pete von dem hinterhältigen Ex-NASCAR-Fahrer Dino Brewster (Dominic Cooper) zu einem Rennen herausgefordert werden, willigen beide ein. Während des Rennes rammt Dino Brewster das Auto von Pete, sodass sich dieser in seinem Wagen überschlägt und anschließend stirbt. Die Schuld an dem Mord erhält aber nicht Brewster, sondern der vollkommen unbeteiligte Tobey. Tobey wandert hinter Gitter und schwört von da an Rache an Brewster. Nachdem Tobey aus dem Gefängnis entlassen wurde, beginnt die Rache-Jagd und auf seinen Kopf wird eine hübsche Prämie ausgesetzt. Für den Ex-Häftling wird damit nicht nur die Polizei zum Problem für seine Vergeltungspläne ... Spaß nach Maß Im Rennspiel-Genre nimmt "Need for Speed" eine einzigartige Position ein: Setting und Rennpyhsik sind realitätsnäher als bei reinen Fun-Racern wie "Mario Kart", "Wipeout", "TrackMania" oder "Burnout", gleichwohl obsiegt das reine Spaßelement ungebrochen gegenüber dem Simulationsaspekt. Dadurch sind die "Need for Speed"-Spiele rasanter und überdrehter als strenge Rennsimulationen wie "Gran Turismo" oder "GTR". Diese Mischung aus Bodenständigkeit und Wahnsinn, gepaart mit den Kult gewordenen Polizeiverfolgungsjagden, machte das Franchise mit mehr als 140 Millionen verkauften Einheiten zur bislang erfolgreichsten Rennspiel-Reihe der Videospielgeschichte. Exakt diese Charakteristika der Vorlage beachtet Scott Waugh in seinem 66 Millionen Dollar teurem Rennfilm: Anders als die "Fast & Furious"-Reihe verzichtet "Need for Speed" auf völlig überdrehte, mit Hilfe von Computereffekten umgesetzte Stunts, die einem Cartoon entsprungen sein könnten. Stattdessen setzt Waugh auf zwar waghalsige und mitunter abstruse, stets aber beeindruckende, handgemachte Auto-Stunts. Ebenso versteht sich "Need for Speed" als reines Benzinvergnügen: Blähen sich die "Fast & Furious"-Filme mit Raubzügen, Schießereien und allen möglichen Schurkereien zunehmend zu Actionspektakeln auf, in denen rein zufällig Autos eine Rolle spielen, dreht sich in "Need for Speed" alles einzig und allein um illegale Straßenrennen – die hin und wieder von der Polizei aufgemischt werden.    Tiefsinn lässt sich in "Need for Speed" selbst mit der Lupe nicht auffinden, jedoch wäre dieser eh bloß Ballast in einem Kinofilm, der möglichst viele, sehenswerte Rennen und Verfolgungsjagden in seine rund 130 Minuten Laufzeit pressen und sein Publikum mit einer zeitgemäßen Antwort auf Autofilm-Klassiker wie "Ein ausgekochtes Schlitzohr" unterhalten will. Was aber nötig ist, und die Drehbuchautoren abliefern, ist ein nachvollziehbarer, geradliniger Konflikt, der die Handlung vorantreibt. Da der vom ihm gebotenen Stoff unterforderte, seine Rolle jedoch sichtbar genießende Aaron Paul und der bewusst dick auftragende Dominic Cooper mühelos eine tief verwurzelte Rivalität zwischen ihren Figuren entstehen lassen, hätte der erste Akt durchaus etwas gestrafft werden können, ohne dass der grundlegende Konflikt des Films sonderlich geschmälert worden wäre. Dennoch ist "Need for Speed" flott genug erzählt und hat genügend Schauwerte, um seine ausgedehnte Laufzeit zu tragen. Der Spaßfaktor wird dabei von einer illustren Gruppe an Nebenfiguren erhöht: Rami Malek und Ramon Rodriguez geben als zwei Drittel von Tobeys Crew ein genussvoll albernes Duo ab, das genauso gut einem 90er-Blockbuster-Popcornspaß im Stile von "Con Air" entflohen sein könnte, und Michael Keaton übt sich als überdrehter, dauerphilosophierender Organisator eines wohl wenig legalen Straßenrenn-Radiosenders in amüsanter Selbstverliebtheit. Die heimlichen Stars des Films sind aber Rapper Scott Mescudi und Imogen Poots: Mescudis stets pointierte Sprüche klopfender Tausendsassa, der als die Lage aus einem Flugzeug überblickender Ausguck Tobeys Mannschaft komplettiert, ist mit seiner cartoonigen Rolle für die meisten Lacher im Film verantwortlich. Poots wiederum darf Aaron Paul als Beifahrerin, Stichwortgeberin, und ihn ebenso oft kritisierender wie bewundernder Flirt tatkräftig unter die Arme greifen und gibt im gleichen Atemzug dem männerlastigen Film eine erfrischende Note.  Fazit "Fast & Furious" ohne all den Klimbim – "Need for Speed" bietet Fans präzise geplanter, spektakulärer Autostunts rund 130 Minuten kerniger Rennfahraction und cooler Sprüche. Kein überkandidelter, dennoch gehaltloser Plot, kein Effektgewitter aus dem Computer. Die Logik darf da gerne auf dem Rücksitz Platz nehmen.

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