• 10-03-2014
  • KinoReviewsSpecialsTopnews

Filmkritik: „Non-Stop“

Willkommen an Bord des "Non-Stop"-Fluges mit Liam Neeson. Die IOFP-Redaktion hat sich Tickets gesichert und das Flugzeug betreten. Welches Programm das Personal während der 106 Minuten zu bieten hat, wollen wir Euch nicht vorenthalten. Weg vom Charaktermimen hin zum Action-Star: Liam Neeson sorgt im Action-Thriller "Non-Stop" für einen nervenaufreibenden Flug in schwindelerregender Höhe. Seine Verkörperung des Bryan Mills in den bisherigen zwei "Taken"-Filmen verschaffte Neeson die nötige Standhaftigkeit im Action-Milieu. Doch sein neuer Film nimmt ungeahnte Höhen an. Verfolgungsjagd, Entführung und Terror versprechen abendfüllende Spannung. Wem es vorm Fliegen graust, sollte sich für das in 12000 Metern Höhe befindliche Szenario jedoch gut anschnallen. Die Story Air Marshall Bill Marks (Liam Neeson) ist genervt von seinem Job. Die Menschenmassen, das Warten, die Langeweile - all das ist ihm in seiner Laufbahn zuwider geworden. Privat von Schicksalsschlägen gezeichnet, betritt er mit mürrischer Miene das Flugzeug von New York Richtung London. Ein sechsstündiger Flug, der für ihn nicht schnell genug vorbei sein kann. Trotz der angenehmen Gesellschaft seiner Sitznachbarin Jen Summers (Julianne Moore) sehnt sich Marks nach einem ruhigen, schnellen Flug. Die unerwünschte Störung Als er über sein gesichertes Netzwerk von einem Unbekannten eine Textnachricht bekommt, ist ein entspannter Flug passé. Ihm wird alle 20 Minuten ein Mord angekündigt, wenn er nicht umgehend 150 Millionen Dollar auf ein spezielles Konto überweist. Versucht er die Nachricht anfangs zu ignorieren, wird mit dem ersten Opfer klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelt. Auf begrenztem Raum scheitert er an einer unauffälligen Aufklärung. Dank Social Network gelangen die Medien an Videos aus dem Fluzeug und rasend schnell wird Marks als Terrorist eingestuft. Die einzige Unterstützung bekommt er von Jen und Stewardess Nancy (Michelle Dockery). Rebellierende Passagiere und selbsternannte Helden erschweren die Arbeit des Marshalls. Ein zufällig auftauchender Software-Spezialist lässt jedoch auf ein gutes Ende hoffen. Die eigentliche Bedrohung an Bord sind aber nicht die Morde, sondern eine viel zu späte Entdeckung... Warum Non-Stop ansehen Argwohn und Misstrauen werden von Beginn an geschürt. Jeder Passagier scheint verdächtig, keiner harmlos genug, um ihm nicht automatisch eine Geschichte anzudichten. Was ruhig beginnt, nimmt schnell an Spannung zu. Der überzeugend gespielte Miesepeter wird zum Attentäter wider Willen. Spannung, Atem- und Ahnungslosigkeit dehnen die Nerven bis aufs Äußerste. Die Kampfszenen auf begrenztem Raum könnten kaum unübersichtlicher und spannender sein. Eine Flugzeugtoilette scheint für den eigentlichen Sinn schon fast zu klein, doch ein waffengeladenes Handgemenge ist auch hier umsetzbar. Voneinander abhängig, wenn man auf den Piloten nicht mehr zählen kann, zeigen die unterschiedlichsten Charaktere ihre wahren Gesichter. Die Fassung zu bewahren, nicht aufzuspringen und sich aufzuregen, fällt hier auch dem Zuschauer schwer. Nervenkitzel und Spannung sind in dieser Situation, die jede Angst vorm Fliegen noch zu steigern vermag, garantiert. Was hätte Non Stop besser machen können "Flightplan", "Flight" und jetzt "Non-Stop"? Wie will man wieder ein Flugzeug zum Schauplatz eines Filmes machen? Engster Raum, nervige Passagiere und ein dominierender Hauptdarsteller? Klingt anstrengend. Es gibt kurze Momente, in denen man an der Story zu zweifeln beginnt. Woher kommt so urplötzlich der Software-Spezialist (Nate Parker als Zach White), der den Telefonnetzwerk-Hacker auffliegen lassen soll? Warum macht Jen (Moore) so ein Geheimnis aus ihrer Person und genießt trotzdem das Vertrauen des Air Marshalls? Und, und, und...Doch es gibt für alles eine Lösung und für die Passagiere weniger erfreuliche Wendungen, die dem Film seine Glaubwürdigkeit zurückgeben. Fazit Liam Neeson hat seinen Platz gefunden. Der Hühne macht erneut eine überaus gute Figur und überzeugt sowohl mit schlechter Stimmung, als auch mit vollem Körpereinsatz. Regisseur Jaume Collet-Serra ist mit Non Stop ein Action-Thriller gelungen - mit mehr Thriller als Action -, der sowohl Flugangst, als auch Hoffnung in existente Helden aufbaut. Eine Story, die außerhalb des Luftweges beginnt und in einer ausweglosen Situation eskaliert, wird vom Cast gekonnt umgesetzt. Neben Liam Neeson und Julianne Moore sind auch Corey Stroll ("House of Cards"), Omar Metwally ("Twilight: Bis(s) zum Ende der Nacht 2") und die junge Quinn McColgan für Überzeugungskraft und Nervenkitzel des Films verantwortlich. Ihr dürft Euch freuen, denn am 13. März heißt es anschnallen und Notausgänge im Auge behalten, denn dann startet "Non-Stop" in unseren Kinos. Noch nicht überzeugt, dann seht Euch den Trailer an:

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  • 05-03-2014
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DVD-Kritik: „Ender’s Game“

Der Roman "Ender's Game - Das große Spiel" und die dazugehörige Verfilmung waren bereits vor Kinostart in aller Munde. Aktivisten riefen zum Boykott des Films auf. Immerhin stammt das Buch aus der Feder eines bekennenden Schwulenhassers. Doch da dieser an den Einnahmen des Sci-Fi-Streifens gar nicht beteiligt wird, ein Teil von ihnen gar an Schwulen- und Lesbenvereinigungen geht und der Film zusätzlich auch noch ganz gut geraten ist, ist ein Blick auf ihn allemal lohnenswert. Hollywood hat ein Problem. Die kalifornische Filmschmiede benötigt dringend ein verfilmbares (und erfolgreiches!) Jugendbuchfranchise. Nach Beendigung der "Harry Potter"-Serie und den "Twilight"-Schmachtfetzen bleiben die Versuche, ähnlich gelagerte Kost auf die Leinwand zu bringen, nahezu erfolglos. So schlug sich die Romanreihe um die "Chroniken der Unterwelt" mehr schlecht als recht an den Kinokassen und sowohl die "Narnia"-Buchverfilmungen als auch "Eragon" kamen nicht in den Genuss, im Kino vollständig auserzählt zu werden. Auch deutsche Versuche wie die Adaption der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier gingen trotz einer soliden Umsetzung unter - gleichwohl sowohl "Chroniken der Unterwelt" als auch "Rubinrot" demnächst eine Fortsetzung vergönnt ist. Ein Zeichen dafür, dass man auf die heranwachsende Zielgruppe als besonders konsumfreudige auf keinen Fall verzichten möchte. Und mit dem kürzlich auf DVD und Blu-ray Disc erhältlichen zweiten Teil von "Die Tribute von Panem" hat man durchaus noch eine vielversprechende Filmreihe in petto. Dennoch scheint der Buchmarkt langsam ausgeschöpft und so wagte sich Regisseur Gavin Hood ("X-Men Origins: Wolverine") mit seiner Verfilmung von "Ender's Game - Das große Spiel" an einen Roman, der in den USA zur schulischen Pflichtlektüre und damit fast schon zum Kulturgut gehört. Düstere Zukunftsvision Irgendwann in der Zukunft. Schon einmal wurde die Menschheit von einer außerirdischen Spezies, den insektenähnlichen Formics, angegriffen. Nur durch das riskante Flugmanöver eines Ausnahmekriegers konnte die Zerstörung der menschlichen Zivilisation verhindert werden. Da niemand ahnt, wie lange die Menschheit noch vor den vermeintlichen Angreifern sicher ist, werden in einem geheimen Programm jugendliche Rekruten ausgebildet, die den Formics im Kriegsfall gegenübertreten sollen. Einer von ihnen ist Ender Wiggin (Asa Butterfield). Der schon im Kindesalter herausragende Stratege wird vom Chef der Militärschule (Harrison Ford) mit auf die in der Erdumlaufbahn befindliche Kampfschule gebracht und unterzieht sich dort einer harten Ausbildung. Schnell steigt Ender auf und schon bald wird klar: Auf ihm ruhen alle Hoffnungen. Dass der Science-Fiction-Roman des umstrittenen, da offensiv schwulenfeindlichen Autors Orson Scott Card derart populär wurde, verwundert angesichts der ausbalancierten Mischung aus düsterer Zukunftsfantasie, Coming-of-Age-Drama und Kriegssatire nicht. Die Kunst des Fantasy-Spezialisten Hood ist es nun, diese drei Thematiken so in einem Film zusammenzufassen, dass keine von ihnen hinter der anderen zurückbleibt, der Schwerpunkt richtig gesetzt wird und der Balanceakt insofern gelingt, als dass die ganze Produktion schließlich wie aus einem Guss daherkommt. Mit einem der wohl talentiertesten Jungdarsteller Asa Butterfield ("Hugo Cabret") sowie den Hollywoodgrößen Harrison Ford ("Indiana Jones 1-4") und Ben Kingsley ("Iron Man 3") kann Hood schließlich auch auf eine, dem Stoff durch und durch gewachsene Riege an Darstellern zurückgreifen. Die Mission "Ender's-Game-Verfilmung" ist also geglückt und ebnet mit der ersten Filmadaption der insgesamt fünf Teile umfassenden Reihe den Weg für eine Jugenfilm-Reihe, die ähnlich der herausragenden "Tribute von Panem"-Saga mit einem gewissen Anspruch an ihr Publikum überzeugt. Jung gegen Alt Getragen wird "Ender's Game" dabei durch und durch von Asa Butterfield. Dem kleinen Charmebolzen kommt mit der Hauptrolle des jungen Ender Wiggins die am ausgefeiltesten geschriebene Figur zugute. In dieser gelingt es Butterfield voll und ganz, sich zu profilieren. So überzeugt er sowohl in den durchchoreographierten Actionsequenzen als auch in den ruhigen Momenten, in denen sein Charakter immer wieder ins Grübeln gerät und sich von einem Gewissenskonflikt in den nächsten manövriert. Vor allem letztere sind die Szenen, in welchen der durch Martin Scorseses 3D-Märchen "Hugo Cabret" bekannt gewordene Schauspieler zur Hochform aufläuft. Die Ausdrucksstärke seiner Augen ist beachtenswert und sein Mimikspiel ist dem eines Ben Kingsley ("Gandhi") nicht nur ebenbürtig, sondern überragt es im Falle von "Ender's Game" sogar. Denn ausgerechnet der gefeierte Charakterdarsteller Kingsley ist es, der in der modernen Sci-Fi-Geschichte reichlich fehl am Platz wirkt. Nicht nur, dass es seine Rolle dramaturgisch nicht gebraucht hätte; auch in den wenigen Momenten seines Auftretens wirkt seine Figur unscheinbar und einzig ein auffälliges Gesichtstattoo verleiht ihm einen Hauch von Wiedererkennungswert. Da ist "Han Solo" Harrisson Ford schon besser dran, der seiner eindimensional geschriebenen Hauptfigur das Optimum an Eigenständigkeit verleiht. Zu seinem emotionalen Gegenstück wird Viola Davis ("The Help"), deren Rolle das komplette Gegenteil zu Ford bildet und auch hier das Maximum an der konturlos bleibenden Figur herauszuholen weiß. Den oberflächlichen Erwachsenen-Figuren, die in der hier dargebrachten Ausarbeitung jedoch nicht allzu sehr negativ ins Gewicht fallen, stehen sehr gut geschriebene Jugendcharaktere, von starken Jungakteuren verkörpert, gegenüber. Durch den Fokus der Handlung, die merklich auf den Heranwachsenden liegt, fällt die schwache Figurenkonstellation unter den älteren Darstellern wenig auf. Die Stars dieses Weltraumabenteuers sind zweifelsfrei Asa Butterfield und seine, zum Teil Oscar-nominierten, jugendlichen Kollegen. Mit Abigail Bresling ("The Call - Leg nicht auf!") und Hailee Seinfeld ("True Grit") besitzt man zwei toughe Mädchenfiguren, die beide - in ihrem jeweiligen Umfeld Erde oder Weltraum - ähnlich gestrickt sind, durch die nuancierten Spielweisen der Darstellerinnen jedoch Eigenständigkeit besitzen. Auch ihre männlichen Kollegen erhalten im Laufe der Spielzeit ganz eigene, feine Charakterzüge. Vor allem Moises Arias ("The Kids of Summer") profiliert sich in den Wortgefechten mit Butterfield und lässt in passenden Szenen gekonnt seine Muskeln spielen. 500 Seiten in zwei Stunden Die Story gibt schon eingangs ein hohes Grundtempo vor und behält dieses dankenswerterweise über die gesamte Laufzeit bei. So sehr, dass es fast unmöglich scheint, dass Regisseur und Drehbuchautor Gavin Hood in der Lage war, den knapp 500 Seiten starken Roman auf eine Spielfilmhandlung von etwa zwei Stunden herunterzubrechen. Doch selbst wenn er Details auslässt, umgeht er das Problem, nicht alle Einzelheiten erfassen zu können gekonnt, indem er viele der Stationen innerhalb der Kampfschule nur anreißt und in Form von Szenenmontagen wiedergibt. Hierbei spielt der Regisseur sein ganzes Können aus und lässt die imposanten Bilder sowie den epochalen Orchesterscore von Steve Jablonsky für sich sprechen. Das funktioniert auch, denn Hood nimmt sich jedes Mal ausschließlich die optisch für sich selbst am besten sprechenden Phasen in der Ausbildung vor. Ausgeprägtere, tiefgehende und für die Charakterentwicklung von entscheidender Bedeutung seiende Szenerien führt der Regisseur schließlich wieder ausführlich aus. Vor allem an Gesellschaftskritik scheint er hierbei nicht sparen zu wollen. Gerade die um Kontroverse bemühten Passagen, die den Drill und die Gewalt innerhalb der Weltraumstation verdeutlichen, kostet Hood bis zum letzten Tropfen aus. Dass er sich an der einen oder anderen Szene, eben vor allem denjenigen mit Ben Kingsley, zu lang aufhält, möchte man dem Regisseur da gern verzeihen. Doch vor allem auf den technischen Ebenen ist "Ender's Game" gelungen. Gerade die schwindelerregenden Kamerafahrten, eingefangen von Donald McAlpine ("Moulin Rouge"), wissen zu gefallen. Hat die stellenweise fast schon hypnotische Bildsprache doch eine enorme Sogwirkung. Untermalt mit einem eingängigen Instrumentalscore von Steve Jablonsky ("Pain & Gain"), der sich hier überdeutlich an Hans Zimmers Stil zu versuchen scheint, entfaltet die Atmosphäre schließlich ihre ganze Kraft. Und das sowohl in den schnell geschnittenen und bisweilen hektischen Bildmontagen, als auch den schwelgerischen Beobachtungen der Szenerien. Die sich harmonisch und unaufdringlich in die spektakulären Kulissen eingliedernden CGI-Effekte runden den sehr guten Eindruck der ansprechenden Optik ab. Fazit Trotz kleiner Schwächen hat "Ender's Game" das Potential, ein großes Kinofranchise zu werden. Sofern man sich nicht von der Tatsache abschrecken lässt, dass Jugendblockbuster auch einen gewissen Anspruch mitsamt Gesellschaftskritik besitzen können.

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  • 04-03-2014
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Filmkritik: „Im August in Osage County“

Das zweifach Oscar-nominierte Familiendrama "Im August in Osage County" vereint Film-Größen, die selten in einer so geballten Mischung zusammen kommen. IOFP gestattet Euch Einblicke in die Geheimnisse und Intrigen, in den Hass und die Liebe, die die Familie Weston prägen. Was bleibt einem, wenn man in den Plains Oklahomas aufgewachsen ist? Man flüchtet. Vor der Einöde, vor der Trostlosigkeit und vor der allgegenwärtigen Präsens der Familie. In "Im August in Osage County" sind die Familienmitglieder jedoch gezwungen, sich an dem Ort der Kindheit wieder zu treffen: in Osage County. Welten, Meinungen, Erfahrungen und Gefühle prallen aufeinander und eskalieren. Die Adaption des preisgekrönten Theaterstückes von Tracy Letts versammelt eine Riege an Schauspielgrößen, die beinahe Angst macht: Meryl Streep, Julia Roberts, Ewan McGregor, Chris Cooper, Benedict Cumberbatch, Juliette Lewis, Dermot Mulroney, Abigail Breslin, Margo Martindale, Sam Shepard, Julianne Nicholson und Misty Upham. Ob die Aufzählung der Darsteller nötig ist? Und ob! Im tristen Osage County werden Charaktere präsentiert, die es in sich haben. Wir verraten Euch, warum der Film zu den diesjährigen Oscar-Kandidaten gehörte und warum Meryl Streep und Julia Roberts die Oscars verdient hätten. Auf der nächsten Seite stellen wir Euch die Handlung vor und haben natürlich auch unsere Kritik. Also unbedingt weiterlesen!

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  • 03-03-2014
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Filmkritik: Gagarin – Wettlauf Ins All

Fragt man wer der erste Mensch auf dem Mond war, wird man unvermittelt den Namen Neil Armstrong zu hören bekommen. Fragt man dann jedoch wer der erste Mensch im Weltall war, werden sicher einige der Befragten stutzen. Was vielen nicht wissen ist, dass der erste Mensch im Weltall kein Amerikaner war, sondern ein Russe namens Juri Gagarin. Um diesen russischen Nationalhelden auch für die Youtube-Generation ein Denkmal zu setzten, erscheint am 04. März 2014 der Direct-To-DVD Streifen Gagarin – Wettlauf ins All. Was heutzutage dank Star Wars, Star Trek oder einem zum Mond fliegenden Tom Hanks wie Hollywood-Fantasien anmutet, war vor rund 50 Jahren noch ein gigantischer Menschheitstraum. Etliche Jahre führten die USA und die UdSSR einen erbitterten Rüstungswettlauf um die Vorherrschaft im Weltraum. Am 21. Juli 1969 betrat Astronaut Neil Armstrong als erster Menschen den Mond und verewigte sich dadurch in der Menschheitsgeschichte. Doch bereits acht Jahre zuvor, am 12. April 1961 flogt der Kosmonaut Juri Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch in das Weltall. Dabei ging es nicht nur um den technischen Fortschritt, sondern ebenso um das Prestige, den ideologische Feind übertrumpft zu haben. "Gagarin – Wettlauf Ins All" zeigt die Geschehnisse vor, während und nach Gagarins Reise in die unendliche Schwärze des Weltalls. Mit Yaroslav Zhalnin hat der Spielfilm einen Hauptdarsteller gefunden, der dem titelgebenden Nationalhelden auch noch verblüffend ähnlich sieht. Trotz der Raumfaht-Premisse steht die Person, die persönliche Seite des Juri Gagarin im Vordergrund. Während der Startvorbereitungen und dem finalen Flug ins All wird durch Rückblenden die Kindheit, Ausbildung und das Training zum Kosmonauten erzählt. Von anfänglichen 3.000 Rekruten werden nur 20 Bewerber für ein Aufnahmetraining ausgewählt, aus denen es schlussendlich lediglich zwei Teilnehmer auf die Mission schaffen. Auch visuell macht Gagarin – Wettlauf Ins All eine gute Figur. Kulissen und Kostüme sind tadellos  im Stil der 60er Jahre. Der Raketenstart, die Schwerelosigkeit und das Raumschiff selbst sind durchaus gut animiert. Anständige Soundeffekte und die überwiegend helle und klare Bildqualität verpassen diesem nie im Kino gezeigten und direkt auf DVD/Blu-ray erschienenen Film eine hochwertige Aufmachung. Es wär für einen russischen Regisseur wirklich eine schwere Aufgabe gewesen, diesen Film aus einer neutralen Sichtweise zu erzählen. Auch Regisseur Pavel Parkhomenko hat diese Aufgabe nicht geschafft oder es gar nicht erst versucht. Der Streifen strotzt nur so vor russischem Patriotismus und den immer wiederkehrenden Verbeugungen vor Russlands erstem Mann im All, wie es auch ein Roland Emmerich für Amerika nicht hätte besser machen können. Auch wenn die persönliche Seite des Nationalhelden im Vordergrund stehen soll, er ist von Anfang an der Held wider Willen. Doch dem ganzen aufgedrückten Nationalstolz zum Trotz glänzt der Streifen besonders zum Ende hin mit einigen Freuden- und sogar Gänsehautmomenten. Während seiner 109 minütigen Laufzeit bietet Gagarin - Wettlauf Ins All eine qualitativ hochwertige Inszenierung mit gut gemachten Special-Effekten und einer besonders für Freunde der Raumfahrt interessanten Geschichte. In westlichen Standards wird dieser russische Streifen wohl keine großen Spuren hinterlassen und schnell im Sumpf von Videotheken und Grabbelkisten verschwinden, doch bringt der Film den Zuschauern einen russischen Helden näher, der in Zeiten von Hightech- und Science-Fiction-Filmen fast schon in Vergessenheit geraten ist.

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  • 03-03-2014
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Filmkritik: „Bibi & Tina – Der Film“

Man mag es kaum glauben, aber die Abenteuer der beiden Freundinnen Bibi und Tina aus dem Hause Kiddinx gehören seit mehr als zwanzig Jahren zu den Hörspiel-Reißern Deutschlands. Nun kommen die beiden Reiterinnen ins Kino: Regie-Tausendsassa Detlev Buck präsentiert mit "Bibi & Tina - Der Film" ein knallbuntes Mädchenabenteuer - und eine Hörspieladaption, die an der Perfektion kratzt. Zu den schwierigsten Unterfangen im Filmbereich zählt die möglichst originalgetreue Adaption einer bewährten Marke. Ob Buchreihe, Hörspielserie oder Zeichentrickabenteuer: Hat sich bereits eine Fangemeinschaft um ein Franchise aufgebaut, wird eine Neu-Verfilmung oder -Interpretation zumeist kritisch beäugt. Das weiß auch Detlev Buck, der für sein auf einem Kinderbuch basierendes Jugendabenteuer "Hände weg von Mississippi" von Kritikern in den Himmel gelobt wurde; traf er mit seiner Ode an die Sommerferien doch zu jeder Zeit den richtigen Ton und schaffte es so, die Liebhaber der Romanvorlage für sich zu gewinnen. Ganz anders erging es seiner Filmversion von Daniel Kehlmanns Historienroman „Die Vermessung der Welt“, welche Buck Ende 2012 unter gleichem Namen für die Leinwand adaptierte, damit aber einen Großteil der Romanleser vor den Kopf stieß. Für sein neustes Projekt bedient sich der Filmemacher, Schauspieler und Produzent jetzt ein weiteres Mal an einem bekannten Namen, greift bei "Bibi & Tina – Der Film" allerdings erstmalig auf eine Hörspielserie zurück, die 2004 schon einmal zum Leben erweckt wurde – damals in Form einer mittlerweile sechs Staffeln umfassenden Zeichentrickserie, die aktuell im samstäglichen Frühprogramm des ZDF läuft. Das sind Bibi und Tina, auf Amadeus und Sabrina... Auf die unzertrennlichen Freundinnen Bibi (Lina Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll) warten aufregende Sommerferien. Nicht nur, dass die hochnäsige Cousine von Freund Alex (Louis Held) anrückt, um auf dem Martinshof ordentlich Stunk zu machen, auch das bevorstehende Pferderennen auf Schloss Falkenstein sorgt für Wirbel: Der windige Geschäftsmann Hans Kakmann (Charly Hübner) hat es auf das niedliche Fohlen Socke abgesehen, das der Sieger als Preis erhält. So setzen Bibi und Tina alles daran, das Rennen zu gewinnen. Doch dabei wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Während dies für die "Bibi und Tina"-Reihe der erste Ausflug auf die große Kinoleinwand ist, versuchte sich Hermine Huntgeburth Anfang der 2000er bereits daran, "Bibi Blocksberg" als Realfilm zu realisieren. Die Spielfilmversion der Kiddinx-Serie, zu welcher "Bibi und Tina" einen Ableger darstellt, entpuppte sich anfangs zwar als Publikumsmagnet, schaffte es jedoch nicht, die nostalgischen Fans auf ihre Seite zu ziehen und zog mit "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen" von Franziska Buch lediglich eine einzige Fortsetzung nach sich. Geschuldet war dies neben einer ungewohnt düsteren Ausrichtung vor allem der fehlerhaften und um keinerlei Authentizität bemühten Darstellerwahl sowie einem bemerkenswert ernsten, teils gruseligen Grundton. Dies hatte zur Folge, dass sich die Zuschauerzahlen von Teil eins zu Teil zwei fast halbierten. Einen dauerhaften Erfolg versprach eine „reale Bibi Blocksberg“ somit nicht. Umso erstaunlicher, dass sich nun ausgerechnet Detlev Buck anschickt, seine Lieblingshexe – die ihm zufolge den einzig wahren Superhelden hierzulande darstellt – noch einmal ins Kino zu bringen. Und doch entpuppt sich der Strippenzieher hinter Kassenschlagern wie "Same Same but Different" und "Rubbeldiekatz" als wohl einzig richtige Wahl für dieses mutige Unterfangen. Während sich andere Regisseure auf Biegen und Brechen bemühen, ihrer Filmvariante einen eigenen Anstrich zu verpassen und schlussendlich daran scheitern, dass sie gleichzeitig auch der Originalvorlage treu bleiben wollen, schraubt Buck seine Ansprüche daran zurück, den Film um alles in der Welt seine DNA tragen zu lassen. Mühelos, so scheint es, pickt sich Buck die Feinheiten der kindgerechten Hörspielreihe heraus, sammelt Detail um Detail und bringt sie nahezu unverfälscht auf die große Leinwand. Von dem Aussehen der überaus talentierten Jungdarstellerinnen Lina Larissa Strahl als unbedarfte Junghexe Bibi und Lisa-Marie Koroll als bodenständiger Gegenpol Tina, über die karikaturesken Charakterisierungen sämtlicher Nebenfiguren, das altbekannte Hex-Hex-Geräusch bis hin zu den authentischen Kulissen des Schlosses sowie des Martinshofes gelingt es Buck, das Geschehen innerhalb der Serie fast 1:1 im Realfilm wiederzugeben. Das Hörspiel 1:1 auf der Leinwand Dass Detlev Buck dabei mit den Sehgewohnheiten des Durchschnitts-Kinogängers spielt, ist allerdings nicht von der Hand zu weisen. So scheinen die auf den ersten Blick äußerst platt wirkenden Figurenzeichnungen stets eine Spur zu gewagt: Ein schmieriger Widersacher, der Kakmann (großartig: Charly Hübner) heißt und eine ebenso hochnäsige wie aufreizende Cousine namens Sophia (schön zickig: Ruby O. Fee), die sich vor allem durch ihre knappe Bekleidung in den Vordergrund zu spielen weiß, wirken zunächst lieblos und so gar nicht dem Bild einer Verfilmung gerecht, die sich auf einen über zwanzig Jahre alten Kinderhörspielkult bezieht. Doch betrachtet man die Grundlagen des Universums, in dem ein Polizeikommissar Blaulicht heißt, der örtliche Zoowärter auf den Namen Tierlieb hört und sich die rasende Reporterin Karla Kolumna in die Herzen tausender Kinder quasselte, ist der Umgang mit Stereotypen und Klischees am Rande der Karikatur unausweichlich. Dadurch erschließt sich "Bibi & Tina – Der Film" vermutlich keinem solch breiten Publikum wie es die Verfilmungen anderer Jugendreihen tun, doch wie auch schon innerhalb der Hörspielvorlage sind einige der augenzwinkernden Popkulturanspielungen vornehmlich für ein älteres Publikum bestimmt. Die knallig-bildstarke Verfilmung von "Bibi und Tina" wird immer wieder von Musiknummern – geschrieben von Ex-Rosenstolz-Sänger Peter Plate – und Gesangseinlagen unterbrochen. Ein Musical ist der Streifen dadurch noch lange nicht; allzu oft käme der Film auch ganz gut ohne die einzelnen Songs aus, die den Film nicht immer vorantreiben, teilweise sogar ausbremsen.  Ab und an entpuppen sie sich dennoch als Mehrwert oder gar als echte Ohrwürmer, die sich vor allem dann in den Ablauf der Geschichte fügen, wenn unübersehbar ist, dass hier gerade selbstreferenzielle Eigenparodie betrieben wird. Dies sei als Kommentar dazu erlaubt, in welch realistischen Bereichen sich die Serie seit Jahrzehnten abspielt – nämlich ganz weit abseits davon. So entpuppt sich auch das Beklagen über eventuelle Logiklöcher rasch als sinnlos. In etwa dann, wenn man realisiert, dass die beiden Freundinnen jederzeit dasselbe Outfit tragen, die abenteuerlichsten Reiterkunststücke aus dem Effeff beherrschen und sich jederzeit alles zum Guten wendet. Detlev Buck weiß darum und sieht dennoch keinen Anlass, diese Feinheiten in seiner Leinwandaufbereitung zu verändern. Getreu dem Motto „Ganz oder gar nicht“ bannt er stur jedes noch so kleine Detail der Serie auf Film und schafft damit im Grunde die perfekte Neuinszenierung. Ganz gleich, ob sich manche Kleinigkeiten besser für einen Realfilm eignen als andere.  Während die Geschichte das übliche Spektrum eines Pferde-Mädchen-Films umfasst – Liebe, Freundschaft und Abenteuer inklusive – ist die Inszenierung auf sämtlichen Ebenen eine überraschende Augenweide. Marc Achenbach ("Rubbeldiekatz") präsentiert stylisch eingefangene und rasant geschnittene Bilder vor beachtlicher Kulisse. Natürlich nicht ohne hier und da galoppierende Pferde in Zeitlupe zu zeigen – so viel Kitsch sei einer "Bibi und Tina"-Verfilmung vergönnt. Fazit Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, setzt Detlev Buck im Bereich „Hörspiel-Adaption“ neue Maßstäbe. Was bei "Bibi Blocksberg" oder "Die drei Fragezeichen" vollkommen misslang, gerät in "Bibi & Tina – Der Film" zum Kinderspiel. Dass diese Form von Film schlussendlich nicht für jeden zum reinen Kinovergnügen wird, ist bei der Ausrichtung der Hörspiel-Grundlage eigentlich keine Erwähnung wert.

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  • 24-02-2014
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Filmkritik: Pompeii 3D

Einer längst versunkenen Stadt wird mit Paul W.S. Andersons "Pompeii" wieder Leben eingehaucht. Ob dem Zuschauer vor Spannung das Herz stehen bleibt oder vor Grausen das Blut in den Adern gefriert, verrät Euch IOFP. Der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 nach Christus ist die bekannteste Naturkatastrophe der Geschichte. Auch die Stadt Pompeii ging unter: Die Asche zerstörte und konservierte die antike Stadt für alle Ewigkeit. Die Handlung von "Pompeii": Die Handlung setzt im Jahr 62 nach Christus in Nordbritannien ein. Die Keltenstämme beugen sich nicht länger der römischen Obrigkeit - der Aufstand der keltischen Reiterstämme ist in vollem Gange. Das römische Reich zerschlägt die Rebellion allerdings erbarmungslos: Der Tribun Corvus (Kiefer Sutherland) überfallt mit seiner Brigade eines ihrer Lager. Sein Befehl lautet alle zu töten. Der Fokus liegt während dieses Massakers auf einem kleinen Jungen namens Milo. Das Kind ist Zeuge der Auslöschung seines ganzen Volkes - seine Mutter wird von Corvus persönlich getötet. Der Junge stellt sich tot, um so nicht auch Opfer der Römer zu werden. Er überlebt, doch wird von Sklavenhändlern eingefangen und kann somit den Fängen Roms nicht entkommen. Ein Zeitsprung versetzt den Zuschauer ins Jahr 79 nach Christus. Inzwischen herangewachsen, stellt sich Milo (Kit Harington), der nur 'Der Kelte' genannt wird, in London als außerordentlich guter Kämpfer heraus. Aufgrund seines Talents wird er mit anderen Sklaven nach Pompeii geschickt - als Geschenk für die dortigen Gebieter. In Pompeii muss Milo sich als Gladiator in der Arena beweisen. Während seines Aufenthalts macht er sich sowohl Freunde als auch Feinde. Sein besonderes Augenmerk liegt auf der schönen adeligen Cassia (Emily Browning). Auch Cassia kann ihre Zuneigung für den Kelten nicht leugnen. Doch ihrer Liebe steht nicht nur der 'Klassenunterschied', sondern auch das Auftauchen von Corvus (inzwischen Senator) in Pompeii, im Weg - auch er will Cassia heiraten Das sind schon allerhand Probleme, doch ein weiteres kommt hinzu: Der Vesuv, der von den Figuren größtenteils nur 'Der Berg' genannt wird, regt sich zunehmends und die Eruption ist nur eine Frage der Zeit... Was "Pompeii" gut macht: "Pompeii" wurde in einem Zeitraum von sechs Jahren entwickelt und das ist zu spüren - der Film ist ein Spektakel mit grandiosen Bildern. Eine vor knapp 2000 Jahren untergegangen Stadt wieder zum Leben zu erwecken, ist keine Leichtigkeit. Doch die Kostüme und das aufwendige Bühnenbild, das teils Kulisse und teils Animation ist, schaffen ein authentisches Bild der antiken Stadt. Der Zuschauer fühlt sich in eine vergangene Ära zurückversetzt. "Pompeii" ist wirklich etwas fürs Auge: Besonders der Showdown, die Eruption des Vulkans, ist in Sachen Bildkomposition und Animation ein Meisterwerk. Der Zuschauer verfolgt die Hauptfiguren bei ihrer Flucht vor der Naturkatastrophe, während ihm selbst aufgrund des 3D-Effekts Gesteinsbrocken entgegen fliegen - ein wahrliches Action-Spektakel. In ruhigeren Szenen rieselt Asche hinunter, was dem Zuschauer dank der 3D-Brille ebenso nah vorkommt. Das ist ein schöner Kontrast: Während der Action-Szenen duckt sich der Zuschauer vor vermeintlich auf ihn zufliegenden Felsbrocken und während der Non-Action-Szenen bewirkt die Asche, ähnlich wie Schnee, eine ganz ruhige Atmosphäre. Die schauspielerischen Leistungen sind in "Pompeii" weitgehend zufriedenstellend. Kit Harington (bekannt aus "Game of Thrones") ist ein überzeugender Protagonist, der die Sympathie des Zuschauers sofort für sich gewinnt. Kiefer Sutherland glänzt einmal mehr als abtrünniger Bösewicht und der Zuschauer kann es nur lieben ihn zu hassen. Gladiatoren-Filme gibt es zuhauf, doch in "Pompeii" bekommt der Zuschauer diesbezüglich Innovation zu sehen: Die Kampf-Choreographien sind komplex und einfallsreich. Auch in dieser Hinsicht wird die Liebe zum Detail der Filmemacher deutlich. Und trotz der Geschwindigkeit und Komplexität der Kämpfe droht dem Zuschauer kein Schwindel oder Kopfschmerz - was durch 3D allerdings oftmals der Fall ist, gerade bei solch actiongeladenen Szenen. Was "Pompeii" hätte besser machen können: Die Story hätte weiter ausgebaut werden können, denn: Der Tiefgang fehlt. Trotz der soliden schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller bleiben die Charaktere recht simpel und eindimensional. Das macht sich vor allem darin bemerkbar, dass die Figuren sehr stereotyp angelegt sind: Milos Gegner und späterer Freund Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje), der nur der "Triumphator" genannt wird, ist der typische Gladiator, ein richtiger Kerl. Seiner Figur fehlt jegliche Tiefgründigkeit und die Freundschaft, die er mit Milo aufbaut, ist ebenso vorhersehbar wie oberflächlich. Kiefer Sutherland alias Corvus ist der ultimative Antagonist - das Böse tropft ihm aus jeder Pore. Und im Gegenzug dazu ist Kit Harington alias Milo der arme Sklave, dem viel Leid zugestoßen ist. Generell ist die Gegenüberstellung von Gut und Böse in dem Film einfach überzeichnet. Cassia ist die typische Frau eines solchen Epos - unschuldig und sanftmütig. Die meisten Emotionen der Figuren werden dem Zuschauer durch schonungslosen Pathos vermittelt. In Sachen 'Gut vs. Böse' und 'Tränendrüse' wär also weniger definitiv mehr gewesen! Die Stadt Pompeii verbindet man sofort mit dem Vulkan-Ausbruch - dieser lässt im Film allerdings lange auf sich warten. Durch gelegentliche Jumpcuts zum bereits brodelnden Vesuv wird die Eruption zwar angekündigt, aber es dauert eine ganze Weile, bis es soweit ist. Scheinbar endlos macht Regisseur Anderson auf die Gefahr aufmerksam - ohne sie tatsächlich auf seine Figuren loszulassen - und nervt damit das Publikum. Fazit: Executive Producer Jeremy Bolt, der schon lange mit Paul W.S. Anderson zusammen arbeitet, sagte einmal in Bezug auf die Entstehungsgeschichte des Films folgendes: "Er [Paul W.S. Anderson] schlug einen Film über Pompeii vor, und wir fassten den Plan, den größten Schwert-und-Sandalen-Film aller Zeiten zu machen - und noch einen Vulkanausbruch draufzupacken." Und dieser Plan ist aufgegangen: "Pompeii" ist ein guter Film für alle Action - und Gladiatoren-Fans. Die Story mag einige Schwächen aufweisen und stereotype und pathetische Tricks überstrapazieren, die viele Klischees bedienen, doch trotzdem erwarten den Zuschauer einige nicht ganz vorhersehbare Twists.  Außerdem ist der Film in technischer Hinsicht fast perfekt. Wenn man bereit ist, einen Film zu sehen, der alles auf spektakuläre Bilder setzt und dafür Vielschichtigkeit der Story und Figuren einbüßt, dann ist "Pompeii" genau das Richtige. Wer vor hat, sich "Pompeii" anzuschauen, sollte sich auf einen action-geballten Historien-Epos mit beeindruckenden Bildern in 3D gefasst machen - aber auf mehr auch nicht. Schon am 27. Februar läuft "Pompeii" in den deutschen Kinos an. Hier ist der Trailer für Euch, damit Ihr schon einmal einen Eindruck bekommt:

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  • 20-02-2014
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Filmkritik: Saving Mr. Banks

Die Entstehungsgeschichte des beliebten Familienmusicals “Mary Poppins” steht stellvertretend für den Geschäftssinn des Unterhaltungspioniers Walt Disney. Ebenjenes Unterfangen erzählt Hollywood-Regisseur John Lee Hancock nun in seinem leicht kitschigen "Saving Mr. Banks", das dank Tom Hanks und Emma Thompson tolles Schauspielerkino ist und erst durch kleine Schwächen so richtig liebenswert wird. Walt Disney – um den 1966 in Kalifornien verstorbenen Filmproduzenten, Zeichentrickpionier und ein der meistgeehrten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ranken sich seit jeher diverse Fragen und Mythen. Kaum ein Mensch der Öffentlichkeit war so sehr auf sein Image bedacht wie der Begründer der Walt Disney Company. War sein Ruf doch maßgeblich an der Erfolgsgeschichte seines Konzerns beteiligt und wäre wohl ebenso dazu in der Lage gewesen, diese auf einen Schlag wieder zunichte zu machen. Rauchen, sich als knallharter Geschäftsmann outen – das alles passte nicht zum Bild des kinderliebenden Geschichtenerzählers und Erfinders der Mickey Mouse, der weltweit beliebtesten Cartoonfigur. Er wahrte stets das Bild des unbedarften Tüftlers, stellte seine Marketingkünste und einen beachtlichen Geschäftssinn jedoch nie unter den Scheffel. Diese Taktik macht Walt Disney bis heute zu einer der interessantesten Charaktere der Medienwelt. Höchste Zeit für eine Hollywoodproduktion, die sich der ehrenwerten Persönlichkeit annimmt, jedoch nicht urteilt, sondern stattdessen ein facettenreiches Bild von ihr zeichnet, zu dem sich anschließend jeder Zuschauer sein eigenes Bild machen kann. Verantwortlich dafür zeichnet John Lee Hancock, Regisseur des Oscar-prämierten Schmachtfetzens „Blind Side – Die große Chance“. Mit „Saving Mr. Banks“ kreiert er ein Bild Walt Disneys, das er gleichsam in die Entstehungsgeschichte eines jahrzehntealten Musicalklassikers einbezieht: „Mary Poppins“. Herausgekommen ist eine Mischung aus Biopic, Familiendrama und Einblick in die abenteuerlichen Verhandlungen zweier kreativer Größen, die ihre unterschiedlichen Ebenen gekonnt zu verknüpfen weiß und sich als hervorragender Einstieg in den Disney-Kosmos sowie spannender Blick hinter die Kulissen der Hollywood-Maschinerie entpuppt. Zwei Sturköpfe und eine singende Nanny Als Walt Disney (Tom Hanks) seinen Töchtern einst verspricht, ihr Lieblingsbuch “Mary Poppins” zu verfilmen, beginnt für den millionenschweren Medienmogul eine Odyssee. Bei seinen Bemühungen um die Filmrechte gerät er an die dickköpfige Schriftstellerin Pamela Travers (Emma Thompson), die keinesfalls vorhat, ihr magisches Kindermädchen der Hollywood-Maschinerie zu überlassen. Nach jahrelangen Verhandlungen kann Disney sie Anfang der 60er Jahre überreden, nach Los Angeles zu kommen und sich seine Ideen für eine Kino-Adaption anzuhören. In diesen zwei Wochen des Jahres 1961 setzt Walt Disney alle Hebel in Bewegung. Mit fantasievollen Storyboards und den fröhlichen Songs der talentierten Sherman Brüder (Jason Schwartzman & B.J. Novak) startet er eine umfassende Kreativ-Offensive, die bei der kratzbürstigen Travers allerdings keine Wirkung zeigt. Denn P.L. Travers verbindet mit ihrer Titelheldin eine ganz persönliche Geschichte, die bis in ihre Kindheit zurück reicht. Die starrköpfige Autorin muss sich erst den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit stellen, bevor sie Mary Poppins ziehen lassen kann. Wie ließe sich ein Film über Walt Disney besser beleuchten, als nach einem System, das zu Ehren der unterschiedlichen Persönlichkeiten des Mäusekonzern-Schöpfers selbst entstanden ist? Die Walt-Disney-Methode nimmt sich eines Problems stets aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet an. Der Träumer bewertet subjektiv, der Realist pragmatisch und der Kritiker wägt konstruktiv Vor- und Nachteile ab. Während sich der Filmrezensent üblicherweise einzig auf den letzten Teil beschränkt, bietet gerade „Saving Mr. Banks“ genug Stoff, um ihn einmal aus allen drei Richtungen zu betrachten. Denn auch Hancocks bildgewaltige Regiearbeit findet auf unterschiedlichen Ebenen statt – zwei, um genau zu sein. Während sich der Hauptplot darauf konzentriert, die Entstehungsgeschichte von „Mary Poppins“ wiederzugeben und von den Schwierigkeiten der Interaktion zwischen Disney und der Roman-Schöpferin Pamela Travers erzählt, geben Rückblenden auf Travers‘ Vergangenheit einen Einblick in die von Melancholie und Träumerei geprägte Kindheit der damals noch unbedarften Protagonistin. Eingefangen in lieblich-romantischen Bildern – immer eine Nuance über der Kitsch-Grenze – zeichnet sich schnell ein Bild vom friedlichen Zusammenleben der Travers-Familie, das durch den Alkoholismus des Vaters (Colin Farrell) jäh in seiner Harmonie gestört wird. Kitsch oder kein Kitsch? Subjektiv betrachtet lässt sich vor allem der Begriff „Kitsch“ nur schwer der Allgemeinheit zufriedenstellend einordnen. Ähnlich des individuellen Film- oder Musikgeschmacks besitzt jeder Zuschauer seine ganz eigene Schmerzgrenze, was Schmalz und Rührseligkeit anbelangt. Pragmatisch betrachtet sind die von Blockbuster-Spezialist John Schwartzman („The Amazing Spider-Man“) eingefangenen Bilder jedoch jederzeit darauf aus, die gewünschten Reaktionen auf Biegen und Brechen zu provozieren, wodurch die Charakteristik des Kitsch erfüllt scheint. Auf Tränen abzielend, setzt man auf traurige Musik, Romantik generiert man mit entsprechenden Bildern von Sonnenuntergängen, Kerzenschein und ähnlich gelagertem Symbolismus. Doch wäre „Saving Mr. Banks“ ein besserer Film, wenn er die Schmalz-Schraube weniger fest anzieht? Die Antwort lautet nein. Denn der phasenweise auftauchende Kitsch verkommt nie zum Selbstzweck. Die Story dürstet nach harmoniesüchtigen Bildern, gern von einem leichten Sepia-Ton untermalt, der die Sehnsucht nach Liebe fast greifbar macht. Nur so ergibt sich schließlich die notwendige Fallhöhe, die es braucht, um Hollywoods Realismus der damaligen Zeit deutlich zu machen. Vor der beeindruckenden Kulisse des Themenparks Disneyland in Anaheim, der mit einem enormen Aufwand optisch zurück in die Sechzigerjahre katapultiert wurde, sowie in den eher zurückhaltend gestalteten Konferenzräumen der Disney-Studios wird das Publikum Zeuge eines knallharten Machtkampfes zwischen Pamela Travers und Walt Disney. Während er mit allen Mitteln versucht, ihr die Erlaubnis einer Filmadaption abzuringen, hält sie die schützende Hand über „ihre Mary“. Die Folge sind brillant geschriebene Wortgefechte, in denen sich stille Tragik, blinde Wut, aber auch jede Menge Komik vereinen. Emma Thompson zeichnet ein Bild ihrer Pamela Travers, das sich nie für eine Ausrichtung entscheiden möchte und sich somit vermutlich am ehesten an der Authentizität befindet. So mag man Pamela weder lieben noch hassen; stattdessen leidet man mit ihr, sobald Walt Disney den Wunsch äußert, massive Änderungen an der Vorlage vorzunehmen, schüttelt angesichts ihrer vielen überzogenen Forderungen jedoch gleichzeitig den Kopf. Thompson hält mühelos die Balance zwischen den beiden Gegenpolen Sympathie sowie Antipathie und gibt ein facettenreiches Bild einer interessanten Antiheldin ab. Ganz großes Schauspielkino Ihr zur Seite steht mit Tom Hanks ein Charakterdarsteller, der in Paul Greengrass‘ Thrillerdrama „Captain Phillips“ zuletzt bewies, zu welch Oscar-würdiger Darstellerleistung er nach wie vor fähig ist. Auch wenn es in diesem Jahr nicht einmal für eine Nominierung in dieser Kategorie reichte, so ist Hanks auch in „Saving Mr. Banks“ einer der tragenden Erfolgspfeiler. Seine Darstellung des kreativen Medienmoguls Walt Disney ist von beeindruckender Genauigkeit, ohne sich dabei auf eine explizite Charakter-Einordnung festzulegen. Wenngleich seine Figur definitiv als eine sympathische angelegt ist, lässt Tom Hanks es sich nicht nehmen, spitzfindig kleine Gesten und Mimiken für sich sprechen zu lassen und seiner Figur somit einige Ecken und Kanten zu verleihen, sie dabei jedoch nicht zu kommentieren. Im Zusammenspiel mit Emma Thompson wirkt er immer mal wieder wie der ruhende Gegenpol – in Wirklichkeit nehmen sich beide Figuren jedoch nichts in Sachen Ambivalenz. Während die dramatischen Familien-Rückblenden zur Travers-Familie optisch an eine Mischung aus „Unsere kleine Farm“ und „Lone Ranger“ plus Til-Schweiger-Farbfilter erinnern, präsentieren sich die Aufnahmen in der filmischen Gegenwart schnörkellos und bodenständig, jedoch nicht weniger detailreich. Wenn Pamela Travers zur Begrüßung ein mit Disney-Merchandising vollgestopftes Hotelzimmer betritt, wird die Liebe zum Disney-Konzern, der selbstredend auch hinter „Saving Mr. Banks“ steht, förmlich spürbar. Gleiches gilt für die Musik, die eine einzige Hommage an den Disney-Meisterwerke-Kanon ist. Der für seinen Score Oscar-nominierte Thomas Newman („Wall-E“) variiert munter bekannte Melodien beliebter Zeichentrickklassiker, besinnt sich allerdings vornehmlich auf „Mary Poppins“ und präsentiert uns bekannte Songs wie „Ein Löffelchen voll Zucker“, „Chim Chim Cheree“ oder den Zungenbrecher „Supercalifragilisticexpialigetisch“ in ganz neuem, verspielten Gewand. Fazit Wie also würde wohl ein Walt Disney über „Saving Mr. Banks“ urteilen? Der Träumer in ihm wäre angesichts der liebevollen, familientauglichen und schwelgerischen Erzählung sicherlich vollkommen hingerissen. Als Realist fände er in der Umsetzung vermutlich einige Kleinigkeiten, die ihm als Perfektionist negativ ins Auge fallen könnten und der er sich als Kritiker annehmen und verbessern würde – vermutlich vor allem was die Darstellung seiner Person angeht. Doch schon damals erkannte Robert Dilts, Erfinder der Walt-Disney-Methode, dass selbige am besten mit vier Rollen funktioniert. Und als vierter im Bunde – als Beobachter – wird jeder feststellen, dass sich perfekte Inszenierung und liebenswürdige Schwächen in „Saving Mr. Banks“ gekonnt die Waage halten.

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  • 19-02-2014
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Filmkritik: Stromberg – Der Film

Die beliebte Büroserie "Stromberg" verabschiedet sich mit "Stromberg - Der Film" von der Bildfläche. Ob der Leinwandausflug von Deutschlands beliebtesten Angestellten einen krönenden Abschluss darstellt, oder ob wir uns im Nachhinein alle wünschen werden, die Serie würde weitergehen, verrät an dieser Stelle iofp.de Experimentieren ist im deutschen Kino generell ein mutiges Unterfangen. Zu sehr klammert man sich hierzulande – sicherlich auch der Einfachheit halber – an bereits bewährte Erfolgskonzepte. Das Publikum liebt Schweighöfer-Komödien, weil es weiß, was es bekommt, und Genreproduktionen werden mit der Begründung gemieden, dass es einheimischen Regisseuren ohnehin nicht liegt, Horror und Suspense zu generieren. "Stromberg – Der Film" experimentiert gleich auf zwei Ebenen. Als erste deutsche, von der Masse beachtete Kinoproduktion, die durch das Prinzip des Crowdfundings entstanden ist, gelingt dieser Art der Schwarmfinanzierung, bei der Fans einen Großteil der Produktionskosten übernehmen, der Sprung an die breite Öffentlichkeit. Inwiefern sich dieser Versuch im Nachhinein als lohnenswert erweist, wird erst in wenigen Wochen ein Blick auf die Zuschauerzahlen und Einspielergebnisse zeigen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass dem Team um Deutschlands beliebtestes Büroekel schon vor Kinostart ein beachtlicher Quantensprung im Segment der Filmfinanzierung geglückt ist. Der lange Weg auf die Leinwand Des Weiteren ist "Stromberg" auf nationalem Terrain ein seltenes Beispiel dafür, dass sich eine solch große Fangemeinde an den Geschichten einer Serie erfreut, dass sich ein Sprung ins Lichtspielhaus lohnt. Während in den USA derzeit Planungen für einen (ebenfalls durch Crowdfunding finanzierten) Film zum Crime-Format "Veronica Mars" laufen und zuvor schon zahlreiche Serien wie "Akte X" teilweise sogar mehr als einen Leinwandausflug erhielten, hat sich hierzulande bislang kaum eine Serie angeschickt, dieser Entwicklung zu folgen. Vielleicht fungiert das "Stromberg"-Team auch an dieser Stelle als Trendsetter. Schon lange vor dem deutschen Kinostart am 20. Februar dieses Jahres machten sowohl Bernd Strombergs Heimsender ProSieben als auch die Produktionsfirma Brainpool deutlich, dass sie ihr Handwerk in den Bereichen PR und Marketing verstehen. Um "Stromberg – Der Film" so bekannt zu machen, dass nicht nur die alteingesessene Fan-Community angesprochen wird, sondern auch eventuelle Fan-Neulinge hinzugewonnen werden können, wurde die Produktion Teil einer ausgeklügelten Promotion-Strategie. Erste Trailer zum Film präsentierten sich als Werbespots für die fiktive CAPITOL-Versicherung und orientierten sich dabei überdeutlich an real existierenden Imagefilmen bekannter Versicherungskonzerne. Es folgten ein Musikvideo zum Titelsong „Lass das mal den Papa machen“, komponiert von Stefan Raab, ein Serienmarathon bei ProSieben, ein In-Charakter-Auftritt bei "Schlag den Raab" und nicht zuletzt ein der Crosspromotion dienender Auftritt Bernds beim Wissensmagazin "Galileo". Doch auch wenn man in den vergangenen Wochen kaum an der filmgewordenen Office-Comedy vorbeikam, ist dieses Paradebeispiel für Film-PR noch lange kein Garant dafür, dass das Endprodukt schließlich auch den gesteigerten Erwartungen standhält. So muss sich schlussendlich auch ein Bernd Stromberg den wachsamen Augen eines jeden Kritikers stellen – selbst dann, wenn dieser seit Jahren ein brennender Anhänger der Seriengrundlage ist. Ausflug ins Blaue Zum fünzigjährigen Bestehen der CAPITOL-Versicherung macht sich Bernd „Papa“ Stromberg (Christoph Maria Herbst) mit seinen Schützlingen auf in Richtung Landhotel. Dort soll sich die gesamte Belegschaft einer ausgelassenen Jubiläumsfeier hingeben. Mit an Bord sind neben Stromberg natürlich auch alte Bekannte. Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Mädel) ist in seiner neuen Funktion als stellvertretender Leiter der Schadensregulierung voll in seinem Element. Das Büropärchen Ulf und Tanja (Oliver Wnuk und Diana Staehly) ärgert sich mit seinem heranwachsenden Adoptivsohn Marvin herum und zwischen Jennifer (Milena Dreißig) und Bernd knistert es wie am ersten Tag - oder eben auch nicht. Doch die Stimmung schlägt um, als Stromberg von der bevorstehenden Schließung seiner Filiale erfährt. Von nun an versucht er alles, um sich vor dem Vorstand von seiner besten Seite zu zeigen. Blöd nur, dass ausgerechnet Ernie denselben Plan verfolgt… Auf der Weltpremiere von „Stromberg – Der Film“ am Dienstag in Köln bringt es Regisseur Arne Feldhusen auf den Punkt: Der Streifen falle zwar um einiges größer aus als die Serie, dennoch habe er sich bewusst dazu entschlossen, einen kleinen Film zu machen. Mit klein, damit meint Feldhusen das Sich-treu-bleiben. Das Bestehen bleiben sämtlicher Prinzipien, durch die sich „Stromberg“ einst eine solch treue Fanbase aufbauen konnte. Der Humor ist derselbe geblieben. Die Macher setzen glücklicherweise nicht auf lautere Pointen oder gar platteren Humor, um das Komikzentrum einer größeren Masse zu treffen. Dabei ist nicht von der Hand zu weisen, dass die große Leinwand ihre Vorteile hat. Eine gewisse Experimentierfreude kann man auch dem Skript nicht absprechen. Arne Feldhusen und Ralf Husmann – Drehbuchautor von Film und Serie – lassen vor allem im furiosen Schlussakt ihrer blühenden Fantasie freien Lauf und kreierten ein Finale, das sich Bernd Stromberg selbst nicht besser hätte vorstellen können. Vor allem hier zeigen sich die Vorzüge, mit denen eine Kinoadaption punkten kann: In die Serie eingebettet würden die Entwicklungen des Films schnell als „too much“ abgestempelt werden können. Der Film als i-Tüpfelchen des Franchises lässt hingegen Raum für sämtliche Vorstellungen. Hier scheint (fast) alles erlaubt und angesichts der Tatsache, dass „Stromberg – Der Film“ nun doch definitiv den endgültigen Höhepunkt der Marke „Stromberg“ markiert, seien den Machern einige winzige Anflüge von Größenwahn verziehen. Never Change a Winning Team Vermutlich vor allem für Fans relevant ist der Umgang mit sämtlichen liebgewonnenen Figuren. So viel sei verraten: Bernd Stromberg bleibt Bernd Stromberg – beißender Sarkasmus, halbgare Weisheiten und jede Menge Zynismus inklusive. Getreu dem Motto „Never change a winning Team“ verlässt man sich in allen Bereichen auf Altbewährtes. Nicht nur, dass sämtliche Darsteller vor der Kamera in ihren Paraderollen – und seien es im Falle von Tatjana Alexander als Frau Berkel oder Sinan Akkus als Herr Turculu nur für wenige Takes – zurückkehren, auch hinter der Kamera baut man auf dieselbe Crew. Kameramann Johannes Imdahl findet sichtlich Gefallen daran, für den „Kino-Stromberg“ etwas opulentere Bilder einzufangen, als es die Serie verlangt. In den entscheidenden Momenten im bekannten Büro oder auf dem Ausflug ins Landhotel ist sein typisch bodenständiger Mockumentary-Stil jedoch unverkennbar geblieben. Dadurch behält auch „Stromberg – Der Film“ zu jedem Zeitpunkt den Charme der Serie bei, denn auch auf der musikalischen Ebene verzichtet der Streifen auf eine Kino-Anpassung. Abgesehen vom mittlerweile durch Deutschland geisternden Titelsong „Lass das mal den Papa machen“ verzichtete man gänzlich auf Musik. Kleiner Wehrmutstropfen: leider auch auf die Serientitelmelodie, die man zu Beginn doch schmerzlich vermisst. Während die Figurenkonstellation, deren Darsteller auch im Film einmal mehr blendend aufgelegt sind, der Serie gleichkommt, ist die Fortentwicklung der Charaktere bei den einigen mehr, bei den anderen jedoch weniger geglückt. Während Bjarne Mädels Ernie mittlerweile zum stellvertretenden Leiter der Schadensregulierung aufgestiegen ist und die damit einhergehenden Ego-Explosionen durchgehend nachvollziehbar und ungeheuer komisch anzusehen sind, geht man vor allem mit dem Büro-Pärchen Ulf und Tanja weniger sorgsam um. Bis auf die Zuteilung von Adoptivsohn Marvin und einer Sinnkrise Ulfs, ob ein Mann ein Schläger sein muss, um nicht als Weichei dazustehen, erhalten die beiden innerhalb des Films erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. Selbiges gilt für Strombergs Dauer-On-Off-Freundin Jennifer, deren Dasein sich im Film darauf beschränkt, sich selbst in eine Lebenskrise zu philosophieren. Bei den Freiheiten die man auf der Leinwand hatte, hätte dem Film vor allem an diesen beiden Punkten etwas mehr Pfiff gut getan. Fazit Vor allem eines ist entscheidend: Die Macher von „Stromberg – Der Film“ haben tatsächlich eine abendfüllende Komödie kreiert, die sich nicht wie eine gekürzte, sechste Serienstaffel anfühlt. Dem Team der CAPITOL-Versicherung ist eine serielle Entwicklung vergönnt, die man im TV-Format niemals hätte unterbringen können. Dadurch zeigt nicht nur das Team eine enorme Spielfreude, auch die Story kommt mit Höhen und Tiefen daher, die sich gewaschen haben. Den Charme der Serie beibehaltend hat „Stromberg – Der Film“ zwar einige kleine Schwächen, als finaler Akt innerhalb des Franchises hätten sich Fans jedoch nichts Besseres vorstellen können.

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  • 19-02-2014
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Blu-ray-Kritik: Drecksau

Mit "Drecksau" liefert Jon S. Baird seine zweite Regiearbeit für die Leinwand in Spielfilmlänge ab und das basierend auf einem Buch des Kultautoren Ivine Welsh, der bereits die Vorlage für "Trainspotting" lieferte. Besonders im Gedächtnis bleibt Protagonist James McAvoy, der mit dem Film einen Meilenstein seiner Karriere markiert. Bruce Robertson (James McAvoy) ist Detective Sergeant bei der Polizei von Glasgow und möchte unbedingt die Karriereleiter nach oben klettern. Warum? Um seine Frau und sein Kind wiederzubekommen. Zumindest erhofft er sich das. Wie stellt er das an? Er schreckt vor keinerlei Intrigen zurück und spielt so nach und nach seine Konkurrenten gegeneinander aus. So weit, so gut. Der große Moment für Robertson kommt, als sich ein Mord ereignet und er als leitender Inspector in Vertretung eingestellt wird. Schnell wird jedoch klar, dass er auch bei seinen Ermittlungen nicht vor illegalen Handlungen zurückschreckt und kurzerhand eine Minderjährige zu einem Blowjob verdonnert. Dabei ist sein gesamtes Dasein ein reinster Chaoszustand: Er kokst, er vögelt die Frauen seiner Kollegen, er säuft, beleidigt und lügt. Einen Psychiater hat er zwar, doch selbst der scheint ratlos zu sein, was das Befinden seines Patienten angeht. Immer weiter rast Bruce Robertson die Spirale der Selbstzerstörung nach unten, bis er in voller Härte auf dem Boden aufschlägt... Mit eindrucksvollen und gar ästhetischen Bildern skizziert Jon S. Baird das selbstzerstörerische Leben eines absoluten Arschlochs, das sich von seinen Mitmenschen jedoch gar nicht allzu sehr abzuheben scheint. Vor allem die Kameraeinstellungen und Farbgebung unterstützen das seelische Chaos des Protagonisten. Nach außen hin gibt sich dieser selbstbewusst, arrogant und unfehlbar - doch in wenigen Momenten offenbart sich der wahre Charakter. Nämlich der eines Menschen, der am Tiefpunkt seines Lebens angelangt ist und eigentlich mit allen Mitteln um Hilfe schreit. Zum Beispiel, wenn dieser krampfhaft versucht zu masturbieren, doch sein Gesicht gezeichnet ist von Verzweiflung und seelischem Schmerz. "Drecksau" ist derb - die Bilder sind es, die Dialoge sind es. Doch alles untermalt nur noch mehr den egozentrischen Charakter des Protagonisten. Und als sei das noch nicht genug, wird diese Attitüde noch weiter zelebriert, indem James McAvoy immer wieder aus dem Off zum Zuschauer spricht und gelegentlich sogar den einen oder anderen Blick direkt in die Kamera wagt. Das schadet dem Film ganz und gar nicht, sondern ist nur konsequent und zugleich eine Hommage des Regisseurs an das britische (Independent-)Kino, für das diese Technik charakteristisch ist. Der Film schafft es 97 Minuten lang das Tempo zu halten, das er von Anfang an vorgibt und als Zuschauer empfindet man in gewisser Weise sogar Spaß daran, Bruce Robertson bei seinem Trip zuzusehen. Dennoch gibt es immer wieder Momente, die den Zuschauer aufschrecken lassen. Beispielsweise mit welcher Skrupellosigkeit und Gleichgültigkeit Robertson seinen Mitmenschen begegnet. Später jedoch ist es eben jene "Drecksau", die auf seinem Tiefpunkt angelangt ist und selbst einen Schockmoment nach dem anderen erlebt. Untermauert wird dies ebenfalls auf visueller Ebene durch Stilmittel wie unscharfe und verwackelte Bilder im Handkamerastil, schnelle Schnitte, Jump-Cuts oder schrille Musik. FAZIT Jon S. Baird liefert mit "Drecksau" einen äußerst gelungenen Film ab, der zwar keine enorme inhaltliche Tiefe aufweist, doch trotz seiner Derbheit und schonungslosen Art und Weise richtig Spaß macht. Dennoch ist der Film nichts für Zartbesaitete. Zwar hat der Film einige Momente, die sich in die Länge ziehen, doch im Großen und Ganzen tut der Film das, wofür er auch gemacht wurde: er unterhält. Oder um es mit den Worten von Bruce Robertson zu sagen: "Ohne wenn und aber!" Ab 20. Februar ist "Drecksau" überall im Handel auf Blu-ray und DVD erhältlich!

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  • 18-02-2014
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Filmkritik: Killing Time – Zeit zu sterben

Es muss nicht immer Hollywood sein. Der rumänische Filmemacher Florin Piersic Jr. beweist mit seinem neuen Thriller-Kammerspiel "Killing Time - Zeit zu sterben", dass es auch außerhalb von Amerikas größter Filmschmiede beachtliche Filmkost zu sehen gibt. Während der experimentelle Krimi nicht für die Masse gemacht ist, wird das ausgewählte Genre-Publikum erst recht seine Freude an dem fiesen, kleinen Film haben. Ein experimenteller Kunstfilm aus Rumänien ist wie prädestiniert dafür, in kleinen Programmkinos unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hin zu vegetieren. Dass sich gerade im ausländischen Filmbereich, abseits von Hollywood regelrechte Filmperlen auftun können, beweist mit “Killing Time – Zeit zu sterben” einmal mehr Florin Piersic Jr. (“WebSiteStory”). In Rumänien ein Star, schickt sich der Schauspieler und Regisseur nun an, auch das deutsche Kinopublikum von seiner ungewöhnlichen Thrillerkost zu überzeugen. Dabei herausgekommen ist ein raffiniertes Suspense-Kammerspiel, dessen minimalistische Machart eine Story ummantelt, die 1:1 aus der Feder eines Quentin Tarantino stammen könnte und mehr als einmal deutliche Referenzen an dessen immerwährenden Klassiker “Reservoir Dogs” aufweist. Zwei (namenlose) Auftragskiller warten in einer kleinen Wohnung auf ihr nächstes Opfer. Einen ganzen Tag lang müssen sich die beiden vollkommen unterschiedlichen Typen (Florin Piersic Jr. und Cristian Gutau) miteinander auseinandersetzen. Sie führen mal mehr, mal weniger tiefgründige Gespräche über Gott und die Welt, erzählen aus ihrem Leben oder spielen Tischtennis. Doch ausgerechnet die Frage nach dem stärksten Superhelden aller Zeiten lässt die Stimmung kippen. Aus dem vermeintlich eingespielten Team werden Konkurrenten, für die die Frage „Batman oder Spiderman?“ nicht die letzte Meinungsverschiedenheit gewesen sein soll. Es dauert nicht mehr lange und einer der beiden wird die Waffe auf den jeweils anderen richten… Tarantino lässt grüßen Florin Piersic Jr., der nicht nur Regie führte sondern auch das Drehbuch schrieb, entschied sich bei der Inszenierung seines Films für die maximale Reduktion. Der Regisseur unterteilt seinen neunzigminütigen Streifen in verschiedene Kapitel, alle chronologisch zu jeweils anderer Tageszeit spielend. Nach kurzer Einblendung der Uhrzeit stellt die nachfolgende Handlung zumeist einen Dialog zwischen den beiden Hauptfiguren dar, wobei die Kamera in jeder Szene fast ausschließlich einen einzigen Standort beibehält. So klebt sie meistens an den Lippen des Redenden und bewegt sich nur selten durch die nahezu einzige Kulisse der kleinen Wohnung. Das ist experimentell und ganz gewiss nicht mainstreamtauglich, entwickelt mit der Zeit dennoch eine äußerst bedrohliche Atmosphäre. Die geschliffenen Dialoge, die nach und nach die Charaktere formen, offenbaren dem Publikum rasch, dass es Zeuge einer nahenden Katastrophe wird. Aus der Kameraperspektive eines Beobachters wird der Zuschauer zum Voyeur, der den Protagonisten direkt über die Schulter schaut, mit ihnen auf dem Sofa hockt oder auf der Rückbank des Autos sitzt. Unterstützt wird diese Herangehensweise von der an Found Footage erinnernden Bildsprache, die gänzlich auf Farbfilter, Hochglanzlook oder anderweitige künstlerische Stilmittel verzichtet. Wo die Debüt-Arbeit von Kameramann Christian Stan zunächst fast amateurhaft und keinem bestimmten Schema folgend anmutet, entpuppt sich diese Form der Szeneriebeobachtung schon bald als äußerst wirksam, um die Stimmung auf unverfälschte Weise einzufangen. Ebenso verhält es mit dem Soundtrack aus der Feder von Karl Ritter, für den “Killing Time – Zeit zu sterben” nach “Fix Alert” bereits die zweite Zusammenarbeit mit Piersic Jr. darstellt. Der blecherne Instrumentalscore findet lediglich im Vor- und Abspann Verwendung. Ansonsten nutzt Piersic Jr. für die Soundkulisse seines Films ausschließlich Umgebungsgeräusche wie quietschende Autoreifen oder den dröhnenden Electrosound eines Billig-Computerspiels, kehrt diese akustischen Zusätze jedoch oftmals deutlich hervor und nutzt sie, um Spannung, Hektik oder Lethargie zu generieren. Blut, Schweiß und Tränen Während sich das Publikum zu Beginn noch durch den einen oder anderen langatmigen Dialogabschnitt hindurchkämpfen muss, nimmt die Schlagzahl an Zweideutigkeiten mit der Zeit deutlich zu. Dem Leitsatz „In der Ruhe liegt die Kraft“ folgend, konzentriert sich Florin Piersic Jr. bei der Ausarbeitung seiner Dialoge immer wieder auf die Stärken und Schwächen seiner Hauptfiguren, bis diese irgendwann offenlegen, mit welcher Art Mensch man es als Zuschauer tatsächlich zu tun hat. Wie bei einer Zwiebel legt der Regisseur Schicht für Schicht seiner beiden Killer frei, bis sich beide schließlich geistig entblößt gegenüber stehen. So ist “Killing Time” nihilistischer Thriller und Charakterstudie zugleich; Florin Piersic Jr. und Cristian Gutau (“Fix Alert”) wissen diesen schwierigen Genremix dabei gekonnt zu meistern. Die beiden Schauspieler, die sich in Rumänien bislang wesentlich größerer Bekanntheit erfreuen als hierzulande, verkörpern ihre ambivalenten Charakterrollen mit meisterhafter Authentizität. Wüsste man nicht um den fiktiven Hintergrund, so könnte man fast meinen, “Killing Time – Zeit zu sterben” sei eine abstrakte Dokumentation und sämtliche Szenerien spielten sich so in der Wirklichkeit ab. Während Piersic Jr. vor allem in den stillen, nahezu verzweifelten Momenten als unberechenbarer Mörder voll von bitterem Kalkül überzeugt, brilliert Gutau als impulsiver Grübler – vor dem Hintergrund, dass beide in Besitz einer schussbereiten Waffe sind, ist dies zu jedem Zeitpunkt eine äußerst gefährliche Kombination. Erwähnenswerte Nebenrollen gibt es kaum, wenngleich Olimpia Melintes (“Cele ce plutesc”) nur wenige Minuten kurze Herzschlag-Performance einer in Todesangst schwebenden Mutter einen fast noch stärkeren Eindruck hinterlässt, als es ihre beiden männlichen Kollegen tun. Brutaler Endspurt Vor allem gen Ende geht es in “Killing Time – Zeit zu sterben” äußerst blutig zu. Zwar stellt Florin Piersic Jr. die ausführende Gewalt nicht effekthascherisch zur Schau, sondern besinnt sich auch hier auf die Bodenständigkeit der Prämisse. Dennoch entpuppt sich vor allem der finale Akt als ein einziger nihilistischer Exzess. Das tut trotz der Reduktion auf das Nötigste und das Weglassen von Effekten schon beim Hinschauen weh und offenbart dabei die Raffinesse des Drehbuchs. Dank dessen Konsequenz und Genauigkeit in der Beobachtung geht dem Publikum das Schicksal sämtlicher Beteiligter zu Herzen. Und das, obwohl die beiden Hauptdarsteller doch ganz klar entgegen klassischer Protagonisten-Grundsätze angelegt sind. Ein Fest für Cineasten!

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